Die Medien-Klischees von einem Bischof     (04.12.2013)

An dem  Medienzirkus um den Limburger Bischof  lässt sich zeigen, dass das  öffentlich kommunizierte Bischofsbild weitgehend eine mediale Konstruktion nach vorgestanzten  Interpretationsmustern ist.

1. Statthalter Roms statt Bischof von Limburg

Gut ein halbes Jahr nach der Amtseinführung Tebartz-van Elst’ in Limburg hatte sich schon eine Fundamentalopposition gegen den neuen Bischof formiert. Das Signal zur Bischofshatz war für die modernistischen Kräfte im Limburger Ordinariat wohl die Absetzung des Wetzlarer Dekans Peter Kollas im Sommer 2008 wegen einer unerlaubten Segensfeier für ein Homosexuellen-Paar. Die Gegner des neuen Bischofs lancierten am 6. 9. in der Nassauischen Neuen Presse einen Artikel, in dem unter der Schlagzeile „Der Statthalter Roms“ eine Breitseite von Fundamentalkritik formuliert wurde: Der neue Bischof sei ein Höriger der „Zentrale im Vatikan“. „Kamphaus war Bischof von Limburg, Tebartz-van Elst ist ein Beamter Roms“- hieß die  Kampfparole der Bischofsfeinde. Diese Gegensatzformel verschärften die Medien in den nächsten Jahren noch weiter: Altbischof Kamphaus wurde zu einer charismatischen Lichtgestalt verklärt, während man am neuen Bischof nur einen bürokratischen Erfüllungsgehilfen von Papst Benedikt sehen wollte. Oder wie es Daniel Deckers (FAZ) noch kürzlich formulierte: Der Limburger Oberhirte als „reaktionäre Kreatur“ würde sich „an Rom-Unterwürfigkeit von niemanden übertreffen lassen“.

Seither stülpten die Modernisten das Konstrukt eines gegensätzlichen Amts- und Kirchenverständnisses über jede Entscheidung und Äußerung des neuen Bischofs: konservativ statt liberal, Kirchenrecht statt Pastoral, klerikal statt synodal, autokratisch statt kooperativ, selbstherrlich statt kommunikativ, liturgiefixiert statt weltoffen, frömmigkeitsgewendet statt  sozial orientiert, klerikale Romtreue statt Bistumstradition etc.

In den Medien wird der Bischof als autokratisch und selbstherrlich dargestellt, „dickköpfig und beratungsresistent“, „wenig kommunikativ und unkooperativ“,  Gremien würden „ausgebremst“.

Die Wahrheit stellte ein enger Mitarbeiter des Bischofs Ende 2012 dar: „So viele Begegnungen und Dialog wie in der Amtszeit von Tebartz-van Elst gab es vorher nicht“. Der Limburger Diözesan-Bischof nimmt sich viel Zeit für Gespräche mit Katholiken, wo immer er in Gemeinden zu Besuch ist. Besonders intensive Begegnungen mit Bistumsgläubigen führt er auf Wallfahrten und Pilgerreisen. Auch mit den Priestern seiner Diözese pflegt der Oberhirte - über die amtliche Kommunikation hinaus – regelmäßig persönliche und geistliche Gespräche.

Ebenfalls intensiviert der neue Bischof die interne Kommunikation mit den diözesanen Gremien. Er höre sich vor Entscheidungen grundsätzlich die Stellungnahmen der Beratungsgremien an und folge in 90 Prozent der Fälle ihren Empfehlungen. Bei dem längerfristigen Projekt „Bereitschaft zu Bewegung“ sind die gemeindlichen und regionalen Gremien sogar besonders weitreichend mit  Aufgaben betraut worden. Diese Offenheit des Bischofs gegenüber den Synodalgremien bestätigte die Frankfurter Synodalrätin Barbara Wieland erst kürzlich in einem Interview mit dem Kölner Dom-Radio: „Der Bischof war für synodal beratene Änderungen gegenüber seinen Plänen immer offen.“

2. Asketischer Wanderbischof gegen Prunk-Bischof mit Protz-Auto

Wie kommt es dennoch zu so einem falschen Öffentlichkeitsbild von einem Bischof, dessen Bereitschaft zu Gesprächen und Zuhören sehr viele Mitarbeiter und Gläubige in Gemeinden und Gremien völlig anders erfahren haben?

Das ständige Maßnehmen an dem überidealisierten Bild des Vorgängers ließ dem neuen Bischof keine faire Chance zur Wahrnehmung und Anerkennung seines eigenen Stils. Je mehr die Medien den Vorgänger zu einem volksheiligen Bischofs-Asketen hochstilisierten, desto stärker formatierten sie den neuen Oberhirten zu einen Prunk- und Protz-Bischof. 

SPIEGEL-Reporter Wensierski hatte im November 2010 das vorgestanzte Klischee vorbreitet: Bischof Kamphaus sei mit einem alten Golf durch die Stadt gefahren, sein Nachfolger hätte sich einen dicken BMW zugelegt. Auch als das Limburger Ordinariat postwendend richtigstellte, dass der BMW-Dienstwagen von Bischof Kamphaus geleast und für Dienstfahrten genutzt worden war, blieben die Boulevardmedien bei ihrem Vorurteil: Was anderen Vielfahrern an Komfort zugestanden wird – also einen größeren Wagen für 80.000 Fahrtkilometer an Dienstreisen jährlich -, wird bei Bischof Tebartz-van Elst als „pompöses Gehabe“ eines „Premium-Reisenden“ mit einer „Luxuskarosse“ angeprangert – und dem „Volkswagen“ Kamphaus’ gegenübergestellt.

Bischof Kamphaus hatte diesem Medien-Klischee allerdings schon zugearbeitet: Er ließ sich bei Dienstfahrten mit seinem BMW gelegentlich 200 Meter vor der Kirche absetzen, um sich dann vor dem Gotteshaus den Kirchgängern als schlichter Wanderbischof zu zeigen. Dieser kurze Fußweg trug entscheidend zu dem öffentlich vermittelten und gewollten (?) Bild vom ‚bescheidenen Volksbischof’ bei. Für Kamphaus’ BMW-Dienstwagen, der in einer Nebenstraße versteckt war, hatten die Medien damals keinerlei Interesse.

Das öffentlich kommunizierte Bischofsbild ist ein reines Medienklischee – im Sinne eines abgewandelten Medienslogans: ‚Bild dir einen Bischof’. SPIEGEL & Co.  stützen sich dabei auf Aussagen und Bewertungen von wenigen progressistischen Priestern, auf frustrierte „Protagonisten der Kamphauskirche“ im Ordinariat sowie auf die Nörgeleien von randständigen „Wir-sind-Kirche“-Leuten.

Der Chefredakteur der Nassauischen Neuen Presse, Joachim Heidersdorf, meint in einem Kommentar am 21. 8. 2012: Gegen die „billige Stimmungsmache“ der Medien kann der Bischof nicht ankommen. Er kann machen, was er will – es wird ihm von den Medien negativ ausgelegt.

So ist es: Die Medien backen sich ein Bild vom Bischof, um ihn anschließend abzuwatschen. SPIEGEL und stern, Bild und Frankfurter Rundschau gehen mit festgezurrten Vorurteilen an das Thema ‚Bischof von Limburg’ heran. Sie vermeiden eine gründliche Recherche zu Arbeit und Amtsführung des Bischofs, ihr Sucher ist nur auf Negativ-Bilder vom Bischof eingestellt.

3. Krawall-Priester gegen klerikalen Kult-Bischof

Mit dem SPIEGEL-Artikel „Limburger Leidkultur“ vom 15. 11. 2010 wurde ein neues Medien-Konstrukt gegen den Bischof aufgefahren. Die beiden ‚Wir-sind-Kirche’-Pfarrer Dexelmann und Janssen hatten in einem Diskussionspapier mit rüden Schlagworten auf den Bischof eingedroschen - wie „selbstverliebte Rituale in Hochglanzkitsch“ oder „Kultpriester und Sakramentenmaschinist mit klerikalem Dünkel“  und „autoritärer Stil einer Rom fixierten Klerikerkirche“. Später schob Pfr. Janssen nach: Der Bischof, also sein Vorgesetzter, sei eine „labile Persönlichkeit“, seine Predigten nichts als „Sprechblasen“, leere Worthülsen und heiße Luft.

Diese unerhörten Krawall-Äußerungen von zwei amtierenden Pfarrern wurde durch die SPIEGEL-Lüge zu einem „Aufschrei“ aller 245 Priestern des Bistum verdreht. In Wahrheit hatte sich das synodale Vertretungsorgan der diözesanen Geistlichen, der Limburger Priesterrat, umgehend von Stil und Inhalt der beiden Pfarrerschreiben distanziert. Der Priesterratssprecher verurteilte „diese Art von Auseinandersetzung“, die nicht nur dem Bischof, sondern auch den Priestern und dem ganzen Bistum schade.

Trotzdem blieben die Medien in der weiteren Berichterstattung bei der SPIEGEL-Lüge. Noch bei der ARD-Brennpunktsendung am 10.10. beschrieb der Tagesschau-Journalist die Stimmung der Limburger Priester mit einem Zitat aus dem Dexelmann-Papier. Auch der FAZ-Journalist Daniel Deckers hetzte im Boulevard-Stil gegen den „seelenlosen Pomp“ der Bischofsliturgie und sprach vom „Entsetzen“ der Bistumspriester über den Bischof.

Nach dem eingeführten Medien-Muster: Priester gegen Bischof  wurde im September 2012 von den regionalen Medien ein weiteres Schreiben auf Krawall gebürstet.

21 Bistumspriester des „Hofheimer Kreises“ hatten im März 2012 einen  „Beitrag zum Dialog und kirchlichen Miteinander im Bistum Limburg“ geschrieben. Nach einem vertrauensvollen Gespräch der Geistlichen mit dem Bischof und der Diskussion des Papiers im Priesterrat meinte einer der Unterzeichner: „Wir sind auf einem guten Weg, dass die Ängste und Verunsicherungen abgebaut werden. Der Bischof steht hinter uns!“ Als das Papier Mitte September 2012 an die Presse lanciert wurde, verdrehten die regionalen Presseorgane das etwas larmoyante Dialogpapier ins glatte Gegenteil eines aggressiven Aufstandfanals: „Priesteraufstand gegen den Bischof“, meldete hr-online, „Aufruhr in Limburg“ titelte die Frankfurter Neue Presse. Bis heute  wird das interne Diskussions-Papier schamlos verfälscht als Aufschrei gegen den Bischof – natürlich auch von Daniel Deckers (im FAZ-Beitrag vom 24. 6. 2013).

4. Darbende Wutkatholiken gegen prassenden Champagner-Bischof

Der SPIEGEL hatte noch ein weiteres Medien-Konstrukt gegen den Bischof in die Welt gesetzt: Neben den beiden Geistlichen kamen die wenigen Protagonisten der Splittergruppe „Wir sind Kirche“ häufig zu Wort. Diese Randstimmen einer nicht-kirchlichen Vereinigung wurden vielfach zur „Kirchenbasis“ und zum „Kirchenvolk“ stilisiert. Das Hamburger Magazin machte sich zum Lautsprecher der Randstimmen-Parole: „Warum soll das Kirchenvolk darben, während der Bischof prasst?“ – so im SPIEGEL vom 18. 8. 2012. Die anderen Medien folgten dieser giftigen Empörungs-Skandierung. Im Büchnerjahr bekam die Medienkampagne  nach dem Muster: ‚Frieden den Katholiken-Hütten – Krieg dem Bischofs-Palais!’ sogar eine literarische Aura.

Der neue „feudale Bischofspalast“ sei ausgerüstet mit „Sauna, Kamin, Weinkeller und Edelsteinverzierungen“ verbreitete der SPIEGEL. Diese Klunker habe der „Luxus-Bischof“ aus den Slums von Indien mitgebracht. Auf diesem trüben Gerüchte-Wasser konnte dann auch die spätere Zeitungsente von der 15.000 Euro teuren Badewanne schwimmen.

Der privat finanzierte 1. Klasse-Flug des Bischofs nach Indien beflügelte die Medien-Phantasie ins Fatamorganische. Inzwischen hatte das Thema ‚Limburger Bischof’ fast alle nationalen Medien einschließlich der Regenbogenpresse erreicht. Diesmal beanspruchte der ‚stern’ die Meinungsführerschaft im moralischen Lehramt der neuen Gutmenschlichkeitsreligion: „Es kann auch den Nicht-Katholiken und Gottlosen nicht egal sein, wie ein Bistumshaushalt verjubelt wird. Die Bequemlichkeit des Limburger Oberhirten schadet dem moralischen Klima einer Gesellschaft insgesamt!“

5. Irres Bambi, krankhafter Verschwender und gefährlicher Lügner

Seit diesem Sommer ist der Medienzirkus gegen den Limburger Bischof völlig aus dem Ruder gelaufen. Den Startschuss zu der finalen Hetzjagd gegen Tebartz-van Elst gab der bisher angesehene FAZ-Journalist Daniel Deckers. In seinem Artikel vom 24. Juni 2013 legte er verschiedene Fährten zur Verfolgung des Bischofs, auf denen die anderen Medien bei der Bischofsjagd dann Witterung aufnehmen konnten:

♦ krankhafter Kommunikationsautismus:
Deckers beschimpfte den Bischof als „irres Bambi“, dessen Kommunikation zu Gremien und Katholiken gestört wäre. Das ZDF-heute journal stieß einen Monat später in das gleiche Jagdhorn mit der Behauptung, dass der Bischof „sich der Öffentlichkeit entzieht und den Kontakt zu Menschen immer mehr verliert“. Dabei zeigten die ZDF-Bilder im Hintergrund den Bischof in der Öffentlichkeit mit Menschen sprechend. Wie vorher schon andere Medien, deutete die ZDF-Journalistin eine Interview-Absage des Bischofs wegen Urlaub als Rückzug aus der Öffentlichkeit und Kommunikationsverweigerung. Schließlich war es wieder die Frankfurter Allgemeine, die die Linie der medialen Kranksprechung des Bischofs bis zum  psychischen Lebensknacks fortführte und die Ferndiagnose ‚autismuskrank’ in den Raum stellte. Diese aus totalitären Systemen bekannte Methode, eine politisch störende Person ins Krankhafte auszugrenzen, war schon eine äußerste Frechheit der FAZ. Noch dreister war die Behauptung, der Bruder des Bischofs, Psychiatrie-Professor Ludger Tebartz-van Elst, habe die Diagnose des  Asperger-Syndroms, einer Form von Autismus, in die Welt gesetzt. Der Mediziner wies das Gerücht umgehend zurück und zeigte seine Bestürzung darüber, wie sein Bruder "mit böswilligen Unterstellungen und persönlichen Verunglimpfungen in seiner menschlichen Existenz angegriffen“ werde.

♦ Das „Lügengebäude“ der Medien
Die Medien in Deutschland haben sich im Pressekodex auf berufsethische Regeln  verpflichtet. In Ziffer 1 werden „die Achtung vor der Wahrheit und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit“ als „oberste Gebote der Presse“ angesetzt. Wenn „Nachrichten oder Behauptungen, insbesondere personenbezogener Art“ (Ziffer 3), sich nachträglich als falsch erweisen, hat das veröffentlichende Publikationsorgan sie unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen“.

Die Medien haben im „Fall Tebartz-van Elst“ ungezählte Lügen verbreitet – anfangend mit den vier fundamentalen SPIEGEL-Lügen im Kampagnen-Auftaktartikel vom 15. 11. 2010. Die folgenreichste Negativ-Wirkung für den Bischof hatte das Lügen-Gespinst der Nassauischen Neuen Presse vom 9. Oktober, in dem das Blatt von einer in den Fels gefrästen geheimen „Zweitwohnung von 130 qm“ phantasierte. Die NNP-Falschmeldung von der 15.000 Euro teuren „freistehenden Badewanne“ heizte die Hass- und Häme-Beiträge gegen den Bischof weltweit an. Die dreisteste Lüge war die Verbreitung des oben erwähnten Autismus-Gerüchts der FAS. Selbst der SPIEGEL mit seiner Titelgeschichte „Das Lügengebäude“ konnte mit seinem langen Finger nur auf eine Lüge des Bischofs zeigen – und die war selbst gelogen: Nicht der Bischof, sondern der Diözesanbaumeister hatte am 30.6. die Zahl von „knapp 10 Mill.“ angeben, deren Bezug einige Tage später vom Bischof korrigiert wurde, insofern die Gesamtkosten „deutlich höher“ ausfallen würden.  Der angebliche Bischofsskandal ist eigentlich ein Medien-Skandal, denn bei den zahlreichen Medienlügen im Fall Tebartz-van Elst hat  nicht ein einziges Presseorgan die als falsch erwiesenen Behauptungen personenbezogener Art richtig gestellt, wie es in den Pressekodex-Richtlinien gefordert ist. 

♦ Die rechtliche Unschuldsvermutung gilt nicht für einen Bischof
Im Pressekodex heißt es unter Ziffer 13: „Die Berichterstattung über Ermittlungsverfahren, Strafverfahren und sonstige förmliche Verfahren muss frei von Vorurteilen erfolgen. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung gilt auch für die Presse.“ Die Berichterstattung sollte es insbesondere vermeiden, Angeklagte an einen „Medien-Pranger“ zu stellen.
Genau das taten viele Presseorgane, als die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafantrag an das Amtsgericht wegen uneidlicher Falschaussage stellte. Tebartz-van Elst hatte dazu erklärt, niemand solle bei laufendem Verfahren den Stab über ihn brechen. Diesen frommen Wunsch des Geistlichen und auch sein bürgerliches Recht auf die Unschuldsvermutung gewährte ihm die Tagesschau nicht, als sie am 10. 10. den Fall um den Limburger Provinzbischof zum Top-Thema machte. Anschließend wurde sogar eine Brennpunkt-Sondersendung angesetzte unter dem Titel „Die Lügen des Limburger Bischofs“, als wenn diese schon rechtlich bewiesen wären. Auch der Brennpunkt-Journalist stellte den Geistlichen als erwiesenen Tat-Schuldigen an den Pranger mit der Frage: „Ist der Bischof als Lügner noch in seinem Amt tragbar?“

♦ Mit Statistiken lügen
Am 29. 9. hatte der SPIEGEL einen Online-Artikel überschrieben mit: „Umstrittener Bischof Tebartz-van Elst: Zahl der Kirchenaustritte auf Rekordniveau“. Zwei Wochen später präzisierte die Journalistin Anna-Katharina Blaß diese SPIEGEL-These mit Zahlen: „Im Jahr 2012 war die Zahl der Austritte (im Bistum Limburg) mehr als doppelt so hoch wie 2004, als Tebartz-van Elst noch nicht im Amt war.“ Wenn im Jahr 2004 nach amtlicher Statistik 3.600 Menschen aus der Kirche ausgetreten waren, dann müsste es nach SPIEGEL-Rechnung 2012 mehr als 7.200 Austritte gegeben haben. In Wahrheit waren es 4.453. Kann der SPIEGEL keine Zahlen lesen oder will er gezielt die Leser täuschen? Anscheinend werden die Journalisten Opfer ihrer eigenen aufgebauschten Skandalgeschichten über den Bischof – nach dem Motto: Der mediale Bischofsskandal muss sich doch in steigenden Austrittszahlen niederschlagen! Und so behaupten sie, seit dem Amtsantritt Tebartz-van Elst im Jahre 2008 habe die Zahl der Kirchenaustritte im Bistum Limburg „erheblich zugenommen“. In Wahrheit hat die Zahl der jährlich Ausgetretenen seit 2008 (mit Ausnahme des Missbrauchs-Skandaljahres 2010) kontinuierlich abgenommen.