‚KreuzFidel’ – ein Ärgernis-Motto für das Kreuzfest       (19.07.2014)

Das diesjährige Kreuzfest wird am 12. bis 14. September in Weilburg ausgetragen. Das Kreuzfest bildet den Abschluss der Kreuzwoche, die als Diözesan-Katholikenversammlung des Bistums Limburg seit 1959 abgehalten wird. Im Mittelpunkt der Kreuzfestfeier steht die Verehrung der Kreuzreliquie. Dieses Teilhabestück vom Kreuz Christi befindet sich seit den Kreuzzügen im heimischen Raum. Es wird im Limburger Dom bzw. Dom-Museum in einem kostbaren Schmuckkasten byzantinischer Herkunft aufbewahrt, der sogenannten Staurothek. Am Kreuzfest-Sonntag, dem 14. September, wird die Kreuz-Reliquie für einen Tag in Weilburg ausgestellt zur gläubigen Verehrung.

Geistliche Besinnung auf das Kreuz als Erlösungszeichen

In der Verehrung der Kreuzreliquie wird den Gläubigen eine Sinnen-Brücke zur geistlichen Besinnung auf das Kreuz Christi als Erlösungszeichen gewiesen:
• Die Erinnerung an die Auffindung des wahren Kreuzes Christi im Jahre 333 durch die aus Trier stammende Kaiserin Helena ist eine weitere historische Brücke zum heilsbringenden Kreuz des Erlösers Jesus Christus.
• Mit dem Fest „Kreuzerhöhung“ am 14. September wird dieser Kreuzauffindung seit 17 Jahrhunderten gedacht.
• Schließlich verweist das Fest auf die Weihe der konstantinischen Grabeskirchen-Basilika über dem Kreuzigungsort Golgota sowie dem Grab Christi in Jerusalem am 13. September 335.

Die Kreuzwoche wird immer in der Bischofsstadt Limburg ausgetragen. An den einzelnen Wochentagen stehen Vorträge, Gebete und Gottesdienste von und für verschiedene Katholiken-Gruppen im Vordergrund. Das Kreuzfest an dem abschließenden Sonntag wird abwechselnd in einer Stadt der 11 Diözesanbezirke gefeiert – in diesem Jahr also in Weilburg.

Seit fünfzig Jahren ist das Kreuzfest-Symbol eine bestimmte Kreuzesdarstellung, die an das byzantinisch-orthodoxe Kreuz erinnert. Außerdem wird jeweils mit einem bestimmten Kreuzfest-Motto an die zentrale Erlösungsbedeutung des Kreuzes Christi erinnert – etwa: „Im Kreuz ist Heil“ oder „Im Kreuz ist Hoffnung“.

In diesem Jahr wird mit beiden Traditionen gebrochen: Bei der Vorstellung des offiziellen Kreuzfestbanners am 7. Februar in Weilburg war das traditionelle Kreuzfest-Symbol in der Versenkung verschwunden. Statt einem ernsthaften Glaubens- und Bekenntnis-Spruch zum Kreuz wurde eine Lachnummer als Motto präsentiert: ‚KreuzFidel’.

Ein lächerliches Motto zum ernsthaften Kreuzfest

Das Adjektiv ‚fidel’ leitet sich zwar etymologisch von lateinischen Wort ‚fides’ ab, zu übersetzen mit ‚Glauben, Vertrauen, Treue’, aber seit dem 17. Jahrhundert hat die Studentensprache daraus  mit der Ableitung ‚fidél’ ein Ulk-Wort gemacht. Als Bedeutungen sind von den Gebr. Grimm u. a. ausgewiesen: lustig, fröhlich, ausgelassen, aufgedreht, aufgekratzt bis hin zu ‚außer Rand und Band’. Die Wortverbindungen wie ‚quietschfidel’ und ‚mobsfidel’ zeigen diese Wortbedeutungen aus dem Milieu der Ulk- und Spaßgesellschaften. Im heimischen Raum steht der „Carneval-Club fidele Nassauer e. V.“ in Frankfurt für Wort und Kontext von ‚fidél’, das zu Fastnacht und Narrenzunft passt, aber nicht zu Kreuz und Kreuzfest. Die Wendung ‚kreuzfidel’ findet man auch als ironisches Werbemotto für ergonomisch geformte Sitzmöbel oder Kursangebote für Rücken-Gymnastik.

Wollen die kirchlichen Organisatoren das diesjährige Kreuzfest in den Rahmen der Spaßgesellschaft einpassen?

Kreuzfidele Spottlieder gegen Papst und Jesuiten

Dass das Studenten-Ulkwort ‚kreuzfidel’ sich nicht für eine ernsthaft-kirchliche Veranstaltung eignet, erweist auch der historische Wortgebraucht – etwa als Spottwort gegen Katholiken. Das zeigt eine historische Annonce ausgerechnet aus Weilburg. Im „Wochenblatt für Weilburg und Hadamar“ vom 15. September 1848 preist die Weilburger Buchhandlung L. E. Lanz seine neuesten antikatholischen Schriften an – unter anderem „Kreuzfidele Jesuitenlieder von Max Langenschwarz“. Als Kostprobe für die ganze Häme-Schrift wird ein erstes verleumderisches Spottlied auf den Jesuitenorden als ‚Speerspitze der Papisten’ präsentiert, zu singen nach der Melodie: ‚Ein freies Leben führen wir’:
„Ein heilig Leben führen wir,
ein Leben mit der Nonne.
Die frommen Völker schnüren wir,
die ganze Welt durchspüren wir
und löschen jede Sonne.“

Der Höhepunkt des Kreuzfestes soll die Kreuzfeier im Weilburger Renaissancehof sein „mit ökumenischem Akzent unter Beteiligung der evangelischen Dekanate und Kirchengemeinde“. Darf man erwarten, dass die Protestanten sich dabei für intolerante Hass-Reden und Häme-Lieder gegen Papst und Jesuiten, Kirche und Katholiken entschuldigen werden, die seit Luther 450 Jahre bei Protestanten üblich waren?

Durch das Kreuz „teuer erkauft“

Zur gleichen Zeit, als die Protestanten mit kreuzfidelen Spottliedern auf dem Orden unseres jetzigen Papstes herumtrampelten, zeigte der glaubenstreue Lehrer und Dichter Joseph Kehrein, damals im Gymnasium Hadamar lehrend, seine tiefe Kreuzesfrömmigkeit. Der aus Geisenheim stammende Germanist und spätere Seminardirektor von Montabaur übersetzte Dutzende von lateinischen Liedern ins Deutsche. Seine bekannteste Übersetzung von ‚pange lingua gloriosi..’ ist das Lied vom heiligen Kreuz als Siegeszeichen und Lebensbaum für die gläubigen Christen (GL 821). Aus den sechs Strophen dieses Kreuzverehrungsliedes sowie dem folgenden Kreuzerhöhungslied ‚vexilla regis’ (GL 824) hätte man mehr als ein Dutzend ernsthafte Wendungen für ein angemessenes  Kreuzfestmotto finden können.

Nun könnten die fidelen Kreuzfestorganisatoren des Bezirks Limburg einwenden: Die Freude und Fröhlichkeit gehört doch auch zum katholischen Glaubensleben! Gewiß, aber zum einen ist die in der Heilshoffnung begründeten Freude im Glauben etwas anderes als die oberflächliche Lustigkeit der fidelen Spaßgesellschaft und zum andern ist die christliche Glaubensfreude etwa zum Geburtsfest Christi oder zur Auferstehung des Heilands an die ernsthafte Bußzeiten von Advent und Passionszeit gekoppelt. Die Freude am Glauben ist nicht billig zu haben, denn wir sind von Christus am Kreuz „teuer erkauft“, wie Paulus im 1. Korintherbrief zweimal betont: Es gibt eine Zeit der Trauer und eine Zeit der Freude, so der Apostel weiter. Jedenfalls passen zu Passion und Kreuz Christi, zu Kreuzerhöhung und Kreuzverehrung keine ausgelassene Fröhlichkeit und ganz bestimmt nicht die ‚fidele’ Lustigkeit der Spaßgesellschaft.

Muslimische Attacken gegen Kreuze und Kreuz-Kirche

Weiter heißt es in der Pressemitteilung des Bistums: „In das Programm des Kreuzfestes werden auch Aktionen und Veranstaltungen (…) der Türkisch-Islamischen Gemeinde eingebunden.“ Gibt es keine anderen Zeiten und Orte der Begegnung von Christen und Muslimen? Denn für Muslime trifft das Paulus-Wort vom Ärgernis des Kreuzes Christi zu. Der Koran jedenfalls bestreitet ausdrücklich die Kreuzigung Christi, den Erlösungstod des Heilands und damit die Heilsbedeutung des Kreuzes. Nach der islamischen Hadith-Überlieferung sollen am Ende der Zeiten alle Kreuze zerbrochen sowie alle Kirchen und Synagogen zerstört werden.

Im Vorgriff auf diese apokalyptischen Zerstörungszeichen hatte der Kalif Al-Hakim schon vor tausend Jahren die Vernichtung der Jerusalemer Grabeskirche angeordnet. Nach der Eroberung von Jerusalem befahl der fatimidische Moslem-Führer am 18. Oktober 1009 die Vernichtung des Felsengrabes Christi und der darüberliegenden Kirche. Das war ebenjene Kirche, die Kaiser Konstantin und seine Frau Helena als Verehrungsort des wahren Kreuzes Christi hatte erbauen lassen. Der aggressive Gewaltakt der Muslime, die anschließende Unterdrückung der Christen sowie die Behinderung der christlichen Jerusalem-Pilger führten im Laufe des 11. Jahrhunderts zu Empörungen in der ganzen christlichen Welt, die schließlich das auslösende Moment für den Ersten Kreuzzug waren – zur Rückeroberung und Sicherung der für Christen heiligen Stätten.

Hubert Hecker