Fröhlich und fidél unterm Kreuz?     (23.09.2014)

Das Grußwort von Weihbischof Manfred Grothe zum Kreuzfest des Bistums Limburg in Weilburg beinhaltet eine starke theologische Kritik an dem diesjährigen Kreuzfestmotto ‚kreuzfidél’.

 

Der derzeitige Leiter des Bistums Limburg spricht es zu Anfang deutlich aus, dass manche Gläubige dieses unpassende Leitwort als anstößig empfinden. Damit geht er auf unsere Kritik ein, die wir seit Februar in zahlreichen Schreiben, Artikeln und Leserbriefen vorgebracht haben.

Dann folgt eine lahme Rechtfertigung des Mottos mit der Abgrenzung, dass mit dem Wort ‚fidél’ nicht eine oberflächliche „Lustigkeit“ gemeint sei. Doch genau das ist die Assoziation, die den meisten Menschen bei diesem Wort in den Sinn kommt: „lustig und fidel“, „quietschfidel“ oder „mobsfidel“ – letzteres auf der Kulturseite der NNP am 8. September. Eine ausgelassene Lustigkeit mag ja zu Fest- und Fastnachtszeiten ihre Berechtigung haben, aber eben nicht am Karfreitagm, unter dem Kreuz und auch nicht am kirchlichen Fest Kreuzerhöhung.

Die folgenden Ausführungen des Weihbischofs sind nach unserer Lesart als Kritik an dem fidélen Kreuzfestmotto aufzufassen: „Lustigkeit würde der Feier des Glaubens nicht gerecht“ werden!  Denn „das zentrale Geheimnis unseres Glaubens an den auferstandenen Christus gibt es nicht ohne das Kreuz – ein grausames Marter- und Todeswerkzeug“.

Doch für uns ist Christi Passion am Kreuz, so der Weihbischof weiter, „durch Tod und Auferstehung Christi zum Zeichen der Hoffnung geworden und auch der Versöhnung zwischen Gott und Welt. Gott ist uns und allen Menschen liebend entgegengekommen.“ Der Ernst von Glaube, Hoffnung, Liebe ist alles andere als lustig und fidel!

Im zweiten Ansatz versucht Weihbischof Grothe aus der etymologischen Wurzel des Motto-Wortes  theologische Funken ins Heute zu schlagen. Doch das kann nicht gelingen. Denn die „ursprüngliche Wortbedeutung“ vom lateinischen ‚fides’ als ‚Treu und Glauben’ spielt bei dem heutigen Spaßwort ‚fidél’ überhaupt keine Rolle mehr.

Und so sind Grothes Ausführungen als eine weitere Kritik am Kreuzfestmotto zu lesen: Die Kirche ist die „betende Gemeinschaft, die sich unter dem Kreuz des Herrn versammelt“ – kreuzfidel? Bei dem nächsten Satz wird endgültig klar, dass das spaßige Motto zu Kreuz und Kreuzigung vollständig fehlplaziert ist: „In den Gestalten von Maria, der Mutter Jesu, und Johannes darf sich die Kirche in der Todesstunde am Kreuz in Treue ganz beim Herrn sehen.“

Vor den Toren Weilburgs befindet sich seit 500 Jahren ein Kalvarienberg, auf der die Kreuzigungsszene von Golgatha nachgebildet ist. Nichts wäre nahe liegender, als diesen Ort zum geistlichen Zentrum des Kreuzfestes zu machen, mit der mater dolorosa, der Mutter der Kirche, unter dem Kreuz auszuharren und „durch alles Leid hindurch auch die Hoffnung zu sehen“ – so der Weihbischof, „das ist der Weg des Glauben und des Evangeliums, der der Kirche zu allen Zeiten aufgegeben ist“. Aber die Bezirksorganisatoren wollten lieber ein „fröhliches Fest“ feiern, als in der Nachfolge Jesu den Weg des Kreuzes zu gehen.

Wir hatten in unserem letzten Beitrag kritisiert, dass keiner der Bistumstheologen den Gläubigen die biblisch fundierte Kreuzestheologie der Kirche vermittelt hat. Es musste erst ein Weihbischof von Paderborn kommen, um in seinem Grußwort die zentrale Heilsbedeutung des Kreuzes anzusprechen. Manfred Grothe zitiert Paulus mit dem „Wort vom Kreuze“ aus dem  Korintherbrief: „Wir aber verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, (zeigt sich in) Christus Gottes Kraft und Weisheit.“

Für Paulus ist das Kreuz ein Symbol der äußeren Anfechtung: Für Heiden erscheint es lächerlich, dass ein Gekreuzigter verehrt wird, schwach und ohnmächtig; für Juden ist der Gott am Kreuz ein Ärgernis; für uns Christen dagegen kommt vom Kreuz „Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung“ (1 Kor 1,30).

Nichts von dieser paulinischen Kreuzestheologie enthält das Kreuzfestmotto. Auch in den zahlreichen Wortbeiträgen kommt nie zur Sprache, dass sich „im Kreuz Gottes Kraft und Weisheit“ zeigt, von dem unsere „Heiligung und Erlösung“ ausgeht. Erst recht in den bildlichen Darstellungen zum Kreuzfest ist alles getilgt, was für Heiden Anstoß und für Christen Erlösung bedeutet: Auf keinem der Kreuzes-Bilder ist der Korpus Christi zu sehen. Das mag auch ein Symptom dafür sein, dass der „Gekreuzigte“ (Paulus) in der gegenwärtigen Glaubensverkündigung in den Hintergrund gedrängt ist.

Bei dem bunten Baustahlgerüst, das als Pendant zu dem fidélen Kreuzfestmotto aufgebaut wurde,  werden alle Elemente als bedeutungsvoll vermittelt - außer der Kreuzform. Sie ist bei der offiziellen Interpretation tatsächlich nebensächlich: Das Netzwerk von Stahl und Draht würde den Prozess des Werdens und Vergehens andeuten, die bunten Gläser und Spiegel brächten das Fröhliche des Glaubens zum Ausdruck etc. Die ständige Betonung von ‚fröhlich und fidél’ verdrängt das Kreuz in seiner Ernsthaftigkeit und Heilsbedeutung.

Der gleiche Befund ergibt sich für die Kreuzesdarstellungen der Kreuzwoche in Limburg: Für jeden der fünf Themen- und Gruppentage wurde von Medien-Designern ein eigenes Kreuzbild  kreiert – in rot und orange, blau und lila. Wo früher der „Gekreuzigte“ zu sehen war, hängt heute ein Puzzle-Teilchen am Kreuz oder die Stelle ist mit vielen bunten Punkten ausgefüllt.

Es bleibt die Hoffnung, dass über dem nächsten Kreuzfest – vielleicht mit einem neuen Bischof -  wieder wie früher ein ernsthaftes Kreuzes-Motto steht, das der zentralen kirchlichen Verkündigung von Christus, dem Gekreuzigten, als Gottes Kraft und Weisheit gerecht wird.

Hubert Hecker