Anmerkungen zum Gebet am Ende der Enzyklika „laudato´si                                                                                              (5.7.2015)

von Dr. med Dieter Fasen

Im Anschluss an die Enzyklika „laudato´si“ verfasste Papst Franziskus zwei Gebete. Die Gebete geben Einblick  in die Gottesvorstellung des Verfassers. Schwierig sind solche Gebete textlich dann, wenn der Betende einem anderen Glauben angehört, eine andere Gottesvorstellung hat, Texte synkretistisch sein wollen und eine andere Terminologie benutzen. Daher haben  wir als Katholiken Verständnisfragen an den Text, obgleich er von dem Inhaber des Lehramtes stammt. Aus dem Gebetstext kann auch erkennbar werden, in welche Richtung Franziskus die ihm anvertraute Kirche führen will. Aus diesem Grunde hinterfragen wir den Text.

Der Papst übergab diesen Gebetstext mit folgenden Worten:

Nach dieser langen frohen und zugleich dramatischen Überlegung schlage ich zwei Gebete vor:

·         eines, das wir mit allen teilen können, die an einen Gott glauben, der allmächtiger Schöpfer ist,

·         und ein anderes, damit wir Christen die Verpflichtungen gegenüber der Schöpfung übernehmen können, die uns das Evangelium Jesu vorstellt.“

Gebetstext                                                     Fragen

 

 

 

Gebet für unsere Erde

Allmächtiger Gott,

der du  (1) in der Weite des Alls gegenwärtig bist

und im kleinsten deiner Geschöpfe,

der du alles, was existiert,

mit deiner (2)Zärtlichkeit umschließt,

gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,

damit wir das Leben und die Schönheit hüten.

Überflute uns mit Frieden,

damit wir als Brüder und Schwestern leben und niemandem schaden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Gott der Armen,

hilf uns,

die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,

die so wertvoll sind in deinen Augen,

zu retten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Heile unser Leben,

damit wir Beschützer der Welt sind

und nicht Räuber,

damit wir Schönheit säen

und nicht Verseuchung und Zerstörung.

Rühre die Herzen derer an,

die nur Gewinn suchen

auf Kosten der Armen und der Erde.

Lehre uns,

den Wert von allen Dingen zu entdecken

und voll Bewunderung zu betrachten;

zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind

mit allen Geschöpfen

 

 

auf unserem Weg zu deinem 5.unendlichen Licht.

Danke, dass du alle Tage bei uns bist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(6.)Ermutige uns bitte in unserem

Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden. - 104 –

 

 

 

 

 

1.    in der Weite des Alls

das All ist umgangssprachliche Kurzform für das Weltall bzw. das Universum. Das Weltall ist räumlich und zeitlich auch dann begrenzt,  wenn Mathematiker mit dem Faktor „unendlich“ rechnen. Die Gegenwart Gottes war nach christlichem Urverständnis immer der Himmel. Der Begriff Weltall ist keine christliche Terminologie.Christus lehrt uns vom Vater, „der Du bist im Himmel“ (wörtlich im Urtext „en ouranois“). Dieser Himmel ist die Gegenwart Gottes ohne Begrenzungen. Der Terminus „die Weite des Weltalles“ bedeutet eine Begrenzung des unendlichen Gottes. Daraus folgert die konsequenten Frage, Ist ein begrenzter Gott noch Gott? Von welchem Gott redet Franziskus

2.    Zärtlichkeit

Der Papst spricht immer öfter von der Zärtlichkeit als Eigenschaft Gottes, obgleich Jesus das Wort, Zärtlichkeit als das  griechische Wort „storgia oder philostorgia“ nie in den Mund genommen hat. Dafür benutzt Franziskus immer seltener das Wort von der Liebe Gottes. Die Änderung der Werte ist deswegen nicht verständlich, weil das zu verkündende Kreuz Jesu Christi mit all seinen Leidensstationen das sublimste Zeichen der Liebe Gottes ist. Mit Zärtlichkeit hat das Zeichen des Kreuzes aber nichts zu tun.

 

3.    Gott der Armen

Die Anrufung irritiert. Wäre Gott nur für die Armen da, wäre er ein Gott eines Klientels, ähnlich den antiken Göttern, die bestimmte Funktionen hatten oder für ein  bestimmtes Klientel zuständig waren. Der dreieinige Gott der Christen aber, in den Personen Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist , ist ein vollkommener Gott, er schließt niemand vom Heil aus und ist für alle da. Das verlangt seine Gerechtigkeit.

Alternativ zu der gewählten Definition hätte der Papst hätte Gott anrufen können und dann seinen Gedanken in einem Relativsatz weiter ausführen können. „Etwa: Gott, der Du die Armen in besonderer Weise…“ Dieses wäre die bekannte liturgische Sprache gewesen und es wären keine Fragen aufgekommen. Aber Franziskus wählte den irritierenden Begriff „Gott der Armen“. Warum?

4.Heile unser Leben

Auch der Papst weiß, dass der Sohn Gottes uns längst das Heil in seinem Sühnopfer am Kreuz gebracht hat und dass Christus nichts sehnlicher erwartet, als dass wir, die ganze Menschheit,  unser ja zu diesem Opfer sagen. Das von Christus für uns am Kreuz erworbene Heil  ist vollkommen. Es zu verkünden, ist die Aufgabe des Papstes. Verständlicher wäre gewesen, wenn Franziskus gesagt hätte, gib uns die Einsicht Dein Heil an zu nehmen.  

 

…auf unserem Weg zu deinem 5.unendlichen Licht.

Der Lichtsymbolik kommt in vielen Religionen und Weltanschauungen eine unterschiedliche Bedeutung zu.

Es ist eines der ältesten Symbole, derweil die Menschen das Licht als Naturerscheinung begriffen haben, die erleuchtet und erwärmt. So empfinden sich die Freimaurer als Lichtsucher. Auch die Esoteriker suchen das Licht. Luzifer, der gefallene Engel und Diabolos heisst wörtlich „Lichtträger“.

Für Christen ist die Bedeutung des Lichtes eine andere. Am Beginn seines Evangeliums schreibt Johannes in seinem Prolog über die Bedeutung des Lichtes:

 Im Anfang war das Wort …

Und Gott war das Wort… (Joh. 1,1)

In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. (Joh 1,4)

Das Licht leuchtete in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen. (Joh. 1,5)

Das wahre Licht, das jeden erleuchtet, kam in die Welt. (Joh. 1,9)

Wenn also das wahre Licht im Wort Gottes bereits in der Welt ist und Johannes davon Zeugnis gegeben hat, wie können wir dann noch sprechen von unserem Weg zum unendlichen Licht? Aus der Sicht des christlichen Glaubens ist dieser Satz nicht zu verstehen. Wir Christen haben das Licht im Wort Gottes und sind nicht mehr auf dem Weg der Suche  dazu.

In Off. 21,23 heißt es weiter zum Licht:

Die Stadt, (als das neue Jerusalem), die von Gott her aus dem Himmel herabsteigt, bedarf weder der Sonne noch des Mondes…, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, ihre Leuchte ist das Lamm ( unser Herr Jesus Christus)…

Fasst man dieses zusammen, so sind wir nicht auf dem Wege zum Licht, sondern der Sohn Gottes hat sich als das Licht der Welt geoffenbart, Aber die Welt erkannte ihn nicht. (Joh 1,10). Er hat sich geoffenbart gemäß Joh. 1,14. Auf der Grundlage dieses Glaubens ist der Satz im Gebet  auf unserem Weg zu deinem 5.unendlichen Licht.“ Unverständlich. Auch die Mitbeter anderer Religionen erkannten das Licht Christi nicht.

 

 (6.)Ermutige uns bitte in unserem

Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

Fast gleichlautend schreibt der Moslem Hasan Askari als sufisch geprägter Muslim

„So ist der Moslem im Rahmen von tawhid durch sein koranisches Engagement verpflichtet, Menschen andrerer Religionen zum Kampf um Gerechtigkeit, Liebe und Frieden einzulassen. Das ist das Gute - dazu sind wir zur Zusammenarbeit aufgerufen.“

 

 

Zusammenfassung:

Ein interreligiöses Gebet, wie das oben stehende, wirft viele Frage auf, die teilweise in dieser Gegenüberstellung angesprochen werden. Eine Grundfrage muss aber noch gestellt werden, weil sie jedes interreligiöses Gebet betrifft. Als Christen beten wir Gott mit „Du“ an und wir dürfen dieses, weil Gott sich uns geoffenbart hat und weil der Sohn Gottes Mensch geworden ist und uns seinen Vater als unser aller Vater geschenkt hat. Dies ist und bleibt ein einmaliges Privileg des christlichen Glaubens.

Unabhängig von der Frage, ob ein interreligiöses und synkretistisches Gebet mit der Zielsetzung einer interreligiösen Ethik erlaubt ist oder im Glauben der Christen den dreifaltigen Gott beleidigt, bleibt doch die Frage, woher hat der Beter ohne Bindung an den christlichen Glauben die Erlaubnis einen allmächtigen Schöpfer, der sich ihm in keiner Weise geoffenbart hat, wie in diesem Gebete von Franziskus mit „Du“ anzurufen?

Die Demut vor dem wie auch immer aussehenden Heiligen gebietet jedoch eine andere Sprache. Zudem ist gerade die Demut die Grundlage der Gotteserkenntnis.