(20.6.2017)

Pfingsten 2017

Der Weg der Diözese Fulda bis 2030

Nach Trier und Limburg beginnt nun auch die Diözese Fulda  eine pastorale Neuordnung der Gemeinden. Freilich ein Weg in die Zukunft, aber ein Weg in die Irre. Von daher in der Tat ein „neuer“ Weg.

 

Ein Kommentar von Steffen Wiegand

 

Diözesane Nachhilfe für den Heiligen Geist

Ein Motto wie von der Münchner Sicherheitskonferenz („Strategische Ziele zur Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda“), ein mit verkopfter Symbolik überladenes „Signet des lebendigen Kreuzes“, welches optisch irgendwo zwischen Turnfest und Heilpraktikerverband irrlichtert – da kann es nur um Gremienkatholizismus im Deutschland der Gegenwart gehen...

 

Auch die abgenutzten Begriffe „Einladung“, „Aufbruch“, „Millieu“ und natürlich „Prozess“ machen klar, dass Ergüsse soziologischer Insidergremien vorgestellt werden, welche ein Bistum „neu aufstellen“ wollen (diese und die folgenden Zitate aus: (https://2030.bistumfulda.de/bistumfulda2030/pdf/aktuelles/Presseinformation.pdf). Dafür sind Rückmeldungen im Bischöflichen Generalvikariat „eingegangen und dort gesichtet, systematisiert und bearbeitet“ worden und nun kann man (endlich, endlich!) die bereits überall heiß und innig erwarteten „Zielformulierungen zur Pfarrei als Netzwerk Pastoraler

Orte“ vorstellen.

In emsiger kirchensteuerfinanzierter Stabsarbeit hat „im Zuge der Überarbeitung (...) darüber hinaus eine Verfeinerung der Zeithorizonte stattgefunden. Jedem Zielerreichungskriterium ist nun eine Zeitmarkierung zugeordnet, bis wann das Ziel umgesetzt und erreicht sein soll. Neu ist ebenfalls die Benennung von Zuständigkeiten für Umsetzung und Evaluation der Strategischen Ziele, die neben der größeren Plastizität eine höhere Verbindlichkeit und zuverlässige Überprüfbarkeit der Zielerreichung ermöglicht.“ Klingt doch geplanter, strukturierter und intellektueller als das etwas chaotische und amateurhafte biblische Pfingsten.

Nunmehr sind - anders als damals – auch „Zielformulierungen zu Ökumene, Weltkirche, Schöpfungsverantwortung und sozialer Gerechtigkeit in den Text eingeflossen“. Zu hoffen steht, dass der Heilige Geist diese liebevolle Nachbesserungsarbeit auch zu schätzen weiß und nun nicht etwa schmollend beiseite steht, nur weil hippe Berufskatholiken seiner Stümperei endlich mal Struktur und Zielformulierungen verliehen haben. Dessen heillos überalterte Vorgehensweise, allen Menschen den Glauben Christi durch Fischer, Handwerker u. ä. zu verkünden, wurde ausgemustert zugunsten „am jeweiligen Sozialraum ausgerichteter Angebote". Denn, so lernen wir staunend „verschiedene Zielgruppen und Milieus" haben "Bedürfnisse, Anliegen und Fragen" - mithin werden folglich u.a. Liturgie und Glaubenszeugnis "von den Adressaten her gestaltet."

Die Pfarrei am Wohnort hat sich übrigens erledigt: "Das Bistum Fulda wird bis zum Jahr 2030 in 45 Pfarreien mit jeweils 4.000 bis 20.000 Mitgliedern gegliedert sein." Bei soviel angestrebter Übersichtlichkeit wird vermutlich die "Zielformulierung" für 2050 etwa 10 Pfarreien im Bistum betragen und 2070 wird das Bistum dann die einzige verbliebene Pfarrei sein. Und dies ist wohl dann bei verwaisten Priesterseminaren und von soziologischem Millieu-Firlefanz vertriebenen Gläubigen vermutlich auch absolut ausreichend...