Herrn Bischof                                                             Dornburg, 20. 2. 2009

Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst

Limburg

 

 

Narrenmesse in Westerwaldgemeinde

 

Sehr geehrter Herr Bischof,

in der Hundsänger Pfarrkirche St. Goar wird seit Jahren der Vorabendgottesdienst am Fastnachtswochenende als Narrenmesse verunstaltet.

Auch in diesem Jahr hörte man wieder „Diakon Schmaus davon schwärmen“ – wie die Nass. Neue Presse am 19. 2. 09 berichtete -, dass die Faschingsliturgie in der Kirche „etwas ganz besonderes“ bieten würde.

Auf dieses kirchlich-karnevalistische Rammtata „freut sich der Hundsänger Seelsorger schon richtet“.

Denn erstens wird die Kirche wohl „prall gefüllt“ sein, da der „Hundsänger Carnelvalverein mit kompletter Vereinsstärke angeführt von seinem Prinzenpaar vor Ort“ auftreten wird.

Zweitens wird der Gottesdienst knallbunt sein, „denn neben den Aktiven des HCV sind natürlich alle Gottesdienstbesucher eingeladen kostümiert in die Kirche zu kommen“.

Nicht zuletzt würde „bei dieser Messe auch für das Ohr einiges geboten werden: So werden die ‚Wambachlerchen’ diesen Gottesdienst musikalisch mit Gesang und einer Bläsergruppe aus den eigenen Reihen“ verunstalten.

Der HCV hat schon versichert, „dass man an diesem Tag mit Sicherheit kein liturgisches Standardprogramm erwarten darf“.

Einige kritische Stimmen aus der Pfarrgemeinde haben dafür plädiert, dass man die Kreuzverhüllung der Fastenzeit für diesen Tag vorziehen sollte. Denn den Anblick dieser Narrenliturgie könne man dem Gekreuzigten nicht zumuten.

Andere wollen gesehen haben, dass die Muttergottes am Seitenaltar schon bei der letztjährigen Narrhalla- Messe darüber geweint hätte, wie die Katholiken die Gedächtnisfeier an das Kreuzesopfer ihres Sohnes schänden.

Die Pfarrei-Offiziellen weisen die Blasphemie-Vorwürfe zurück.

Karnevalistische Narrenmessen böten Chancen für eine missionarische Kirche, der Kirche fern stehenden Menschen die Botschaft vom freundlichen Gott nahezubringen.

Faschingsliturgien würden Brücken bauen zu der Kultur der Karnevalisten. Auch in diesem expressiv-hedonistischem Milieu sollte die Kirche präsent sein und Flagge zeigen.

Eine ältere Hundsänger Katholikin hat gefragt: Was sagte eigentlich der neue Bischof zu diesem gottesdienstlichen Faschingstreiben?

Das frage ich auch.

 

Mit freundlichen Grüßen