Der Neue Ritus gilt als veraltet (September 2009)

Bei den vierzehn Familiengottesdiensten der Pfarreien Mariä Heimsuchung, Höhn, und St. Josef, Schönberg im Westerwald, geht es „lustig und spannend“ zu. Das berichtete die Kirchenzeitung für das Bistum Limburg am 14. April 2009.

Der Altarraum verwandelt sich – so die ‘Kirchenzeitung’ – bei den Familiengottesdiensten in ein Forschungslabor. Man beginnt mit einem geselligen Aufwärmen im Gemeindehaus. Dann geht es „entspannt und gut gelaunt in die Kirche“. Ein Countdown beginnt: „Lautstarkes Mitzählen erheitert die Gemüter und sorgt für Stimmung.“ Als Anspiel animieren die Jugendlichen mit einem Abenteuerstück und einem Theater zum Nachdenken.

Spielwiesen-Gottesdiensten sind keine Einzelfälle und vor allem bei pastoralen Laienmitarbeitern beliebt. Bei einem Kindergottesdienst in einer Pfarrei des Bistums Limburg demonstrierte kürzlich ein Bogenschütze im Altarraum seine Kunst. Dabei ging es nicht um die Schergen, die den Heiligen Sebastian mit tödlichen Pfeilen ins Martyrium schickten. Die Kinder wurden vielmehr zur Vorbereitung auf die Erstkommunion mit dem Baustein „Spannung und Entspannung“ konfrontiert.

Der Bogenschütze gab vor dem Tabernakel die ‚korrelationsdidaktische Einführung’ in die Erfahrung von ‘Spannung’. Anschließend wurde das Gottesdienstthema vertieft, indem die Kinder Luftballons aufbliesen und aufsteigen ließen.

In vielen Sondergottesdiensten wird der Altarraum zu einer Demonstrationsbühne umfunktioniert. Im Gottesdienst werden am Altar Zelte oder Spielgeräte aufgebaut, Tücher und Kieselsteine herangeschafft, Kulissen und Schaubilder aufgestellt sowie in Theaterstückchen soziale Probleme simuliert. Man ermuntert die Kinder, im Altarraum ungezwungen umherzulaufen, zu hüpfen, zu reden, zu lachen, zu klatschen, wie es ihnen Spaß macht.

Nur Ehrfurcht und Anbetung lernen sie bei dieser sonderpädagogischen Animationsliturgie nicht. Die Kinder werden auch nicht in den Ablauf der Heiligen Messe eingeführt. Das Altarssakrament wird ihnen nicht erklärt.

Dafür werden Klatsch- und Mitmachlieder benützt, um eine liturgische Partystimmung zu erzeugen. Statt Lesung und Evangelium läßt man eine Kurzgeschichte vorlesen. Diese legt der Pastoralassistent im fragend-entwickelnden Predigtgespräch auf soziale Lebenstugenden hin aus.

Dann stottern die Kinder irgendwelche Fürbitten ab, die sie nicht verstehen. Es handelt sich gewöhnlich um sozialpädagogische Reflexionen und politische Impulse, die an die Adresse der Gemeinde gerichtet sind.

Die Macher begründen ihren liturgischen Schund unterschiedlich. So wird erklärt, daß die Texte und Handlungen des Neuen Ritus der Lebensform der heutigen Menschen und insbesondere der Jugend nicht mehr angemessen seien. Deshalb müsse die Liturgie neu erfunden werden.

In vielen Gemeinden entwickeln sich so zwei liturgische Parallelwelten. Der Sonntagsgottesdienst im Neuen Ritus wird hauptsächlich von Katholiken im vorkonziliaren Alter besucht. Jugendliche, Kinder und ihre Familien fühlen sich dagegen der Kirche zugehörig, die den Gottesdienst nach dem unordentlichen Ritus feiert.

Der tiefere Grund für die liturgische Verweltlichung ist im Glaubensverfall zu suchen.

Die zeitgeistigen Gottesdienstmacher haben keinen Sinn für den transzendenten Gott oder die sakramentale Gegenwart Christi in Hostie und Tabernakel.

Jesus gilt als Inbegriff von Menschlichkeit. Der göttliche Heiland und dessen Sühnopfer am Kreuz, das in der Heiligen Messe vergegenwärtigt wird, werden als Nebensächlichkeiten angesehen.

Man glaubt, daß Gott im Menschen aufgehoben sei und deshalb nur in menschlicher Gemeinschaft zu finden wäre.

Wenn sich also die Gemeinde selber feiert und sich die Familiengottesdienstversammlung in zeitgemäßen Formen ausdrückt, dann – glaubt man – ereigne sich Gott.

Gebet ist nach dieser Ideologie ein anderes Wort für gemeinschaftliche Selbsterfahrung: Aus dem Priester von früher wird dann ein gottesdienstlicher Versammlungsleiter. Er übt die Rolle des Moderators aus – die selbstverständlich auch ein Laie übernehmen kann.