(10.3.2017)                                                                                                           

Neues Logo mit Haken und Winkel (-Kreuz) für die Pfarrei ‚Heilig Kreuz’ in Weilburg

Der neue Pastorale Raum Weilburg-Mengerskirchen verfügt über ein neues Logo. Entworfen hat es die Grafik-Designerin Cornelia Steinfeld aus Mülheim an der Ruhr. Die Umschreibung ihrer gestellten Aufgabe lautete so:
“Zwei bisher selbständige Pastorale Räume sollen sich zusammenschließen, um eine spätere Großpfarrei zu bilden. Das verbindende Element ist das Kreuz, da auch die zukünftige Pfarrkirche „Heilig Kreuz“ heißt. Der neue Raum ist geprägt von den beiden Mittelgebirgen Westerwald und Taunus, die sich an der Lahn begegnen…“.

Aus diesen Vorgaben hat die Designerin das beistehende Logo entwickelt. Es besteht aus den beiden türkisfarbenen, schräg versetzten Winkeln oder Haken und dem in gleicher Schräge stehenden Schriftzug: „Heilig Kreuz. Pastoraler Raum Weilburg-Mengerskirchen“.

Grundlage eines Logos ist die optisch-abstrahierende Darstellung einer Institution. Darüber hinaus soll es ein Identifikationssymbol sein mit hohem Wiedererkennungswert. Neue Logos sollten möglichst selbsterklärend sein, allenfalls mit wenigen Worten eingeführt werden können. All das trifft für das Weilburg-Mengerskirchener Logo nicht zu:

Zwei Winkel und ein Kreuz-Rätsel

Optisch dargestellt und auch ins Auge fallend sind zwei türkis getuschte, schräg gesetzte und versetzte Haken im 80 Gradwinkel. Man kann vermuten, dass die Designerin damit die Mittelgebirgszüge Taunus und Westerwald gemeint haben könnte. Aber weder dem unbefangenen noch dem erklärten Betrachter wollen sich die beiden spitzwinkligen Haken als sanfte Gebirgszüge oder Hügelkette oder Berge erschließen. Denn die beiden Winkel hängen gewissermaßen schräg in der Luft, sie vermitteln absolut nichts Bodenständiges, erst recht keine Bergensilhouette oder Ähnliches.

Die entscheidende Frage aber ist: Wo bleibt das aufgegebene und verbindende Element des Kreuzes? Das Logo soll doch die neue Pfarrei ‚Heilig Kreuz’ symbolisieren.

Eine Andeutung vom Kreuz schient hintergründig erkennbar: Wenn man die Augen zusammenkneift zu einem verschwommenen Blick, dann könnte man den unteren linken Winkelarm mit dem oberen rechten zusammensehen als Vertikale eines Kreuzes und die jeweiligen anderen Winkelarme als den Querbalken. Aber das so gesehen Kreuz steht schräg und das Oberteil ist noch mal abgekrümmt. Und warum ist das Kreuz versteckt, nur angedeutet, kaum zu erkennen? Leben wir in China oder unterm Islam, wo die offenen Kreuze bekämpft werden? Oder sollte man sich des Kreuzes schämen?

So ein zusammengestückeltes Schräg-Kreuz hat weder Identifikations- noch Wiedererkennungswert. Niemand wird durch dieses Krumm-Kreuz an Christi Kreuz erinnert. Und von dem Winkelkreuz führt keine Assoziation zu der Erlösungstat Christi, der „durch sein heiliges Kreuz die Welt erlöst hat“, wie die Katholiken beim Kreuzweg beten. Zwei schräg versetzte türkisfarbene Haken sind eine optische Verunstaltung des Kreuzes. Will man damit an die sprachlich verunglückte Kreuzversion von „kreuzfidel“ zum Kreuzfest 2014 anknüpfen – diesmal mit einer optisch verzerrten Kreuzbild?

Ein Logo für ‚Heilig Kreuz’ – ohne das Kreuz

Der Pfarrer von ‚Heilig Kreuz’ in Weilburg und leitender Priester des neuen Pastoralen Raumes hat im Pfarrbrief 2/2016 eine offizielle Interpretation des neuen Logos gegeben. Darin ist das Kreuz überhaupt nicht mehr erwähnt. Schämt sich Pfr. Hans Mayer für das verhunzte Kreuz in der Grafik? Soll das versteckte Kreuz bewusst ignoriert werden? Kann er in den beiden Logo-Winkeln gar kein Kreuz erkennen? Ist mit den beiden Winkeln hintergründig etwas völlig anderes angedeutet? Vielleicht die Winkel der Freimaurer, die in diesem Jahr ihre Gründung vor 300 Jahren feiern?

Eigentlich sollte das Christentums- und Christussymbol des Kreuzes doch das verbindende Element im Logo des Pastoralen Raums sein, der Designerin ausdrücklich aufgetragen. Für eine Pfarrei ‚Heilig Kreuz’ auf dem Weg zur Großpfarrei müsste das Kreuz im Zentrum stehen.

Doch wenn man die Ausführungen des Weilburger Pfarrers liest, bekommt man den Eindruck, dass ihm alles andere wichtiger ist als das ‚Heilig Kreuz’ unserer Erlösung:
▪ Die Grafik sei „vor allem inspiriert vom Element Wasser; schließlich ist vieles im Fluss“.
▪ „Die beiden Linien ähneln einem Flusslauf, berühren sich aber noch nicht, das wird die Aufgabe der Zukunft sein.“
▪ „Der leichte Ton ins Grünliche symbolisiert die beiden Teile Westerwald und Taunus, in beiden Winkeln kann man auch die Berge erkennen, die unsere herrliche Landschaft prägen.“
▪ „Auch der nach rechts aufgerichtete Schriftzug macht den Aufbruch sichtbar, der uns noch bevorsteht.“
▪ Es gehe nicht nur um die Gründung einer neuen Pfarrei. „Vielmehr müssen wir aufbrechen, um die Kirche, die Botschaft Jesu immer wieder zu den Menschen zu tragen.“
▪ „In einer sich ständig verändernden Gesellschaft“ müssten wir „Gottes Reich sichtbar und erlebbar machen“.

Logo Heilig Kreuz 001

Der Pfarrer phantasiert in die Grafik, was nicht oder kaum nachvollziehbar ist:
Wo soll das Element Wasser hervortreten oder die Linien eines Flusslaufs?
Wer kann in den schräg in der Luft stehenden Winkeln die Berge von Westerwald und Taunus erkennen.

Das Programm: Alles ändert sich, vieles ist im Fluss, deshalb Aufbruch?

Danach kommen nichtssagende Allgemeinplätze zum Zug:
Vieles sei im Fluss.
Wir müssten aufbrechen zum Aufbruch.
Die Gesellschaft verändert sich ständig.

Kann man nach diesen Leerformeln eine substantielle christliche Verkündigung erwarten?
Wir müssten Kirche und Botschaft Jesu immer wieder zu den Menschen zu tragen.
Das Reich Gottes sollte sichtbar und erlebbar gemacht werden.

Das sind große Worte und hehre Ziele, auf die sich der Pfarrer verpflichtet. Aber was treibt dieses Programm an? Was ist Ursprung, Mitte und Ziel der Verkündigung?
„Wir aber verkündigen Christus, den Gekreuzigten“, stellt Paulus in die Mitte seiner Botschaft. Allein aus dem Gekreuzigten erwächst uns Gottes Kraft und Weisheit. Nur in der Erlösung durch das Kreuz Christi ist unsere Hoffnung auf Auferstehung und Gottes Reich begründet.

Soll im Pastoralen Raum ‚Heilig Kreuz’ die zentrale christliche Botschaft von Christi Kreuz und Auferstehung an den Rand oder in den Hintergrund gedrängt oder bis zur Unkenntlichkeit versteckt werden?

Hubert Hecker