(20.11.2016)

Gedanken über eine Aussage des Papstes zur lateinischen Messe

von Dr. med. dent. Dieter Fasen

Der Schriftleiter der Jesuitenzeitschrift , Pater Spadaro SJ, hat in italienischer Sprache ein neues Buch vorgestellt „In Deinen Augen ist mein Wort“.  In diesem Buch wird auch Papst Franziskus zur überlieferten Form des römischen Messritus befragt.

( Besprechung auf Katholisches. Info)

Er antwortete:

„Die lateinische Messe? ‚nur eine Ausnahme. Papst Benedikt hat eine richtige und großzügige Geste gesetzt, um einer gewissen Mentalität von einigen Gruppen und Personen entgegenzukommen, die Nostalgie hatten und sich entfernten.“

Es erstaunt, dass der Papst hier von einer Gruppe in der Kirche Jesu Christi spricht, die Nostalgie hatten und sich entfernten. Es  ist empörend, dass er hier mit dem Begriff „Nostalgie hatten“  Gläubige in der Kirche  malediziert, die die Reform der Reform leben und so dem Bild der Ecclesia semper reformanda entsprechen. Zunächst muss jedoch die Frage gestellt werden, was unter Nostalgie eigentlich zu verstehen ist?

Der Begriff Nostalgie setzt sich aus den altgriechischen Worten νόστος, nóstos (Rückkehr, Heimkehr, Reise) und άλγος,  algos (= Schmerz, Kummer, Leid) zusammen und bedeutet  so viel  wie Heimweh oder Sehnsucht nach alten und geschätzten Werten. Der Begriff beschreibt aber auch, wie alle Worte, die auf „algie“ enden ein medizinisches Krankheitsbild, ohne dabei auf kausale medizinische Ursachen einzugehen. Bekannt sind mit „algie“ endende Krankheitsbilder, wie Kephalgie,  Myalgie,  Neuralgie, Fibromyalgie etc. Die Nostalgie als Krankheitsbild wurde zum ersten Mal in der Dissertation, „medica de nostalgia“ beschrieben, die Johannes Hofer 1688 an der Universität Basel eingereicht hat.

Nostalgie ist keine Gegenwartsflucht, sondern sie sucht eine verlorengegangene Balance wiederherzustellen. Im konkreten Fall sucht die verlorengegangene Balance nichts Geringeres als die höchste Form der Gottesverehrung, die unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi in der heiligen Messe mit der Anbetung des Allmächtigen die dem Allerhöchsten geschuldete Form zu geben bzw. diese wiederzufinden.

Ein weiteres sagt der Papst: Papst Benedikt XVI habe diese … Geste gesetzt, um einer gewissen Mentalität von einigen Gruppen und Personen entgegenzukommen. Diese Aussage muss irritieren, da die Mentalität auch die sublimste Form einer subjektiven Ideologie sein kann. Wäre aber eine subjektive Ideologie der wahre Hintergrund des Wunsches nach der Einführung der  tridentinischen Messe gewesen, hätte Benedikt nie sein Muto proprio erlassen, ja er hätte es nie erlassen dürfen. Das wahre Ziel des muto proprio war kein Gnadenakt für Außenseiter jenseits des liturgischen Mainstreams, sondern es markiert den Weg auf der Suche nach der höchsten Form der Anbetung Gottes, einem Ziel, dem wir als Christen verpflichtet sind, weil wir wissen und bekennen, dass wir Sünder sind.

Sollten die von Pater Spadaro überlieferten Worte wahr sein und die päpstliche Meinung wiedergeben, so spaltet der Papst die Kirche und zwar an dem Punkt, an dem Gläubige nach der tiefsten Form der göttlichen Anbetung suchen. Es ist ein Kernpunkt.

 

Unser Mitglied, Frau F.W. aus G.,schreibt dazu Folgendes:

Das apostolische Schreiben, das von Benedikt XVI über den Gebrauch der Römischen Liturgie in der Gestalt vor der Reform von 1970 erlassen wurde, beginnt mit folgenden Worten:

„Die Sorge der Päpste ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt, „zum Lob und Ruhm Seines Namens“ und „zum Segen für Seine ganze heilige Kirche“.

Franziskus scheint sich nicht in den Reihen dieser Päpste wiederfinden zu wollen.