(11.03.2019)

 

Offene Antwort

 

auf das Hirtenwort zur österlichen Bußzeit 2019

 

„Damit die Welt glaubt“

 

des Bischofs von Limburg

 

 

https://bistumlimburg.de/beitrag/zeit-der-entscheidung/

 

 

Hochwürdigster Herr Bischof Bätzing ! 

 

Dieser Brief kommt aus Paderborn, der Absender hat aber einen Diözesan –Limburger Hintergrund. Zweidrittel meines Lebens habe ich in Frankfurt am Main verbracht. Hier war ich fast ein Vierteljahrhundert lang politisch tätig: als Schuldezernent, Fraktionsversitzender und Stadtverordnender. Als katholischer Laie habe ich mich verbandsbezogen engagiert, zuletzt als Präsident und Vizepräsident der katholischen Akademikerarbeit Deutschlands. Ich war Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und als ich dort einige Jahre lebte, stellvertretender Sprecher des Diözesanrates der Diözese Fulda. Aufgrund meiner Erfahrung im ZdK wurde ich Mitbegründer des Forums deutscher Katholiken und bin Mitglied des Kuratoriums des Kongresses „Freude am Glauben“.

 

Ich stelle mich deshalb so vor, um glaubhaft zu machen, dass ich Ihr Hirtenwort zur diesjährigen Fastenzeit „Damit die Welt glaubt“ aufmerksam und  mit sentire cum ecclesia zur Kenntnis genommen habe.

 

Dass Sie den sogenannten „Missbrauchsskandal“ zu einem Ansatzpunkt Ihrer Überlegungen gemacht haben, kann ich verstehen. Dennoch füge ich diesem Verstehen hinzu, dass wir Katholiken, ob Bischof, Priester oder Laie, nicht dazu beitragen wollen, den Blick auf die Kirche und deren stiftungsgemäße Verfassung auf diesen Skandal zu verengen. Denn die Kirche ist und bleibt heilig, so sündig wir Einzelne auch immer sein mögen. Sie ist Volk und nicht Sekte, aber ebenso ist sie mystischer Leib Christi und Zeichen Gottes unter den Völkern. Auch diese Aspekte sind in nicht arroganter, aber von Gott verbürgter Selbstsicherheit vorzutragen.

 

Beim Lesen Ihres Hirtenwortes fiel mir auf, wie selbstverständlich und unkritisch Sie die sogenannte „MHG-Studie“ zugrunde legen. Dabei hat etwa  Prof. Dr. Manfred Lütz deren Mängel kompetent nachgewiesen http://kath.net/news/65281 .

Die Probleme,  die mit dem Missbrauchsskandal zu Tage getreten sind, können primär nicht soziologisch oder psychologisch, sondern nur theologisch und spirituell erkannt und bewältigt werden. Bereits vor einigen Wochen habe ich in einem Leserbrief an F.A.Z. – Rhein-Main-Zeitung auf die verderblichen Folgen der verbreiteten Verlieblichung des Gottesbildes hingewiesen, die den Gott Jesus Christus nur noch als barmherzig erkennt und verkündet, wie das auch eine Wendung in Ihrem Hirtenwort nahelegt, seine Gerechtigkeit aber verrät (Prof. Walter Hoeres) und die Menschen über Gottes Fähigkeit zum Zorn hinwegtäuscht. Ich beziehe mich auf den Freiburger  Fundamentaltheologen Joseph Schumacher, der gemahnt hat, das heute penetrante Verschweigen des doppelten Ausgangs für das irdische Leben- Himmel oder Hölle – sei geeignet, „Seelsorge an der Wurzel zu paralysieren“. Ich füge hinzu: das gilt auch für die Selbstheiligung der Priester.

Der Karnevalsschlager “Wir kommen alle, alle in den Himmel“ ist zum Kirchenlied gemacht worden. Da hat das Übel seine hauptsächliche Wurzel!

 

Die positiv konnotierten „Anfragen an die katholische Sexualmoral“ halte ich für völlig überflüssig, ja kontraproduktiv. Ein bekannter Schul- und Studentenseelsorger in Ihrer früheren Diözese Trier, Edmund Dillinger, pflegte den jungen Leuten eine der Mathematik nachgebildete Formel vorzutragen: „Geschlechtsverkehr minus Ehe gleich Unzucht.“ Ja. So schlicht ist die Wahrheit. Und so schlicht sollten wir sie den Menschen wieder einprägen – gelegen oder ungelegen. Die gilt für Homosexuelle immer, aber für heterosexuelle ebenso wörtlich. Was eine neue, wohl wohlwollendere Sicht auf die Homosexualität helfen soll, erschließt sich mir nicht. Im Kontext des gegenwärtigen Skandals überwiegen die Knabenschänder. Die aber sind ebenso homosexuell, wie Mädchenschänder heterosexuell  sind. Nicht zeitgeistgerechte Liberalisierung ist das Gebot der Stunde, sondern Bekehrung zum heiligen Ernst katholischer Sittenlehre.

Dann erübrigen sich auch alle Debatten um „Strukturen“ in der Kirche. Diese Debatten holen doch nur jene „antiautoritären“ und „emanzipatorischen“ Zuckungen einer Kulturrevolution nach, deren schlimme Folgen in der Gesellschaft zu besichtigen sind.

 

Bernhard Mihm