Synode im Bistum Trier                                                                  (22.4.2016)

 

1.    Einleitung

 

Die nachfolgenden Ausführungen zur Synode des Bistums Trier sind beispielhaft für die von der Mehrzahl der deutschen Bischöfe eingeleiteten Paradigmenwechsel in den deutschen Diözesen.  Eine wesentliche Frage beschäftigt sich mit den Hintergründen und den Auswirkungen dieser Entwicklung.

 

Am 29. Juni 2012 hat Bischof Dr. Stephan Ackermann eine Synode für das Bistum Trier einberufen, die sich aus 279 Synodalen – also Haupt- und Ehrenamtlichen - aus dem Bistum zusammensetzt. Zum Zeitpunkt 3. Dezember 2013 bestand die Synode aus 279 Mitgliedern; von ihnen sind 109 Frauen (39%) und 170 Männer (61%); von den Männern sind 110 Priester (39%) und 7 Diakone (2%), insgesamt also 115 (41%) Kleriker, die mit 162 "Laien" (59%) zusammen beraten sollten. Diese Synode hat im Dezember 2013 ihre Arbeit aufgenommen. In ihrer 6. Vollversammlung am 3. Advent 2015 hat die Synode erste Weichenstellungen für das Abschlussdokument verabschiedet.

Die Synode endet am 1. Mai 2016.

Dann beginnt die Umsetzungsphase der Beschlüsse.

Die Synode arbeitet in insgesamt 10 Sachkommissionen. Insbesondere die Vorschläge der 3. Sachkommission mit dem Titel ‚Zukunft der Pfarrei‘ werden das Leben im Bistum Trier maßgeblich verändern und werden hier diskutiert werden.

Die Kommission nennt  ihre Beschlüsse einen Perspektivwechsel, aber in Wahrheit leitet sie einen Paradigmenwechsel ein. Die Sprache der Kommission ist rein soziologisch und nicht mehr theologisch und deswegen schwer verständlich.

 

Bisher liegen nachfolgende Beschlüsse vor:

·         Es wird vorgeschlagen, großflächige pastorale Räume ein zu richten und netzwerkartige Kooperationsformen zu verankern!

           Dieser Perspektivwechsel/Paradigmenwechsel verlangt Abschiede:

·         den Abschied von der bisherigen Form der Pfarrei als vorherrschende  Form der kirchlichen Vergemeinschaftung im Nahraum.

·         den Abschied von der bisherigen Form der Pfarrei als kleinteilige Pfarreistruktur,

·         den Abschied von der bisherigen Form der Pfarrei als Garant für eine gleichmäßige, flächendeckende seelsorgliche Versorgung und

·         den Abschied von der bisherigen Form der Pfarrei als zentral gesteuerter Einheit.

 

Die Synode gibt folgende Empfehlung 3.4 zur  Leitung der zukünftigen Mammutpfarreien

(1) Die für alle Pfarreien einheitliche Leitungsstruktur sieht als oberste Leitungsebene ein Gremium aus drei geeigneten hauptamtlichen Mitgliedern (ein Pfarrer sowie zwei weitere Hauptamtliche) vor, die der Bischof ernennt.

(2) Das Leitungsgremium soll um bis zu zwei ehrenamtliche Mitglieder erweitert werden, die die Gesamtverantwortung für die Pfarrei teilen und Ressortverantwortung übernehmen können.

(3) Unbeschadet der besonderen Verantwortung für den Dienst an der Einheit, die dem Pfarrer aufgrund der Weihe und der Bestellung durch den Bischof zukommt, werden die Leitungsaufgaben in der Pfarrei in kollegialer Weise ausgeübt.

(4) Der Pfarrer ist Fachvorgesetzter für das Seelsorgepersonal und hat den Vorsitz im Leitungsgremium. Er hat besondere Verantwortung für die rechte Form der Sakramentenspendung. (Für die Verantwortung für Liturgie ist ein Ausschuss zuständig! Es
      ergibt sich das Paradoxon, dass der liturgisch ausgebildete Pfarrer das tun muss, was ernannte Hilfskräfte vorschreiben)

(5) Die Verwaltung ist im Leitungsgremium mit eigener Kompetenz hauptamtlich vertreten.

(6) Das Leitungsgremium trägt die Verantwortung für die Pfarrei der Zukunft gemeinsam; es arbeitet nach einer Geschäftsordnung.

(7) Die Leitungsaufgaben sind in Sachbereiche aufgeteilt, aus denen die Ressorts der Mitglieder deren Kompetenzen entsprechend zusammengestellt werden.

(8) Ressortzuständigkeiten werden wechselseitig respektiert.

(9) Organisation und Verwaltung sind integraler Bestandteil der Aufgaben der Pfarrei der Zukunft.

(10) Für alle in der Pfarrei der Zukunft verantwortlich Handelnden wird ein verbindlicher Führungskodex eingeführt.

Empfehlung 3.7: Themenzentrum

(1) Es wird vorgeschlagen, dass die Pfarrei der Zukunft Themenzentren einrichtet.

(2) Ziel der Themenzentren ist es, Themen konkret und exemplarisch zu verorten und zu leben.

(3) Zudem haben sie eine Offenheit und Durchlässigkeit für die gesamte Pfarrei und ermöglichen die Vernetzung all derer, die an unterschiedlichen Orten und Ebenen in der Pfarrei der Zukunft dasselbe „Thema“ haben.

(4) Sie ermöglichen ein Themennetzwerk.

(5) Es wird vorgeschlagen, dass jede Pfarrei mindestens Themenzentren zu Diakonie, Jugend, Katechese und Mission bildet.

Empfehlung 3.9: Umsetzung

(1) Es wird  empfohlen, im Anschluss an die Synode eine Umsetzungskommission einzusetzen.

(2) Sie legt anhand von Lebens- und Sozialräumen die Zuschnitte der neuen Räume fest und erarbeitet die weiteren Setzungen.

(3) Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse im Prozess der Sachkommission werden der Umsetzungskommission die Zahl 60 Pfarreien als Orientierungshilfe vorgegeben.

(4) Die Kommission ist direkt dem Bischof unterstellt und wird mit den entsprechenden Kompetenzen und Befugnissen ausgestattet, damit sie in größtmöglicher Freiheit und Unabhängigkeit von bereits bestehenden Strukturen agieren kann.

(5) Sie initiiert, begleitet und unterstützt die Errichtung der Pfarreien der Zukunft im Bistum.

(6) Ausgehend von den Ergebnissen der Analyse hat sie die Aufgabe, in mehreren Pilotphasen, die jeweils eine Vorbereitung, die Errichtung der Pfarrei und eine Erprobung beinhalten, einzelne Pfarreien der Zukunft vorab zu installieren.

(7) Nach der Erprobung durch die Pilotphasen erfolgt die Errichtung aller noch ausstehenden Pfarreien der Zukunft“.

Mit dem Begriff‚ “Pfarrei der Zukunft‘ ist keine Erweiterung der Pfarreiengemeinschaften gemeint, sondern die Auflösung der bisher bestehenden Pfarreien und die Neugründung von Pfarreien. Derzeit besteht das Bistum Trier aus 876 Pfarreien. Die Richtgröße von zukünftig 60 Pfarreien zeigt deutlich, welchen Einschnitt die vorgestellten Veränderungen bedeuten. Mögliche Rechtsfolgen durch Auflösung der bisherigen Pfarreien  aus diesen Änderungen wurden nicht erörtert, aber möglichweise später vor Zivilgerichten erörtert.


 

2.    Personalstatistik

 

Da die Veränderungen nur schwer verständlich sind, wurde mit einem Blick auf das Personaltableau die Frage gestellt, ob sie bei dem derzeitigen Personal auch notwendig sind  und welche Folgen zu erwarten sind. Die offizielle Begründung für

die Veränderungen durch die Trierer Synode heißt Priestermangel. Zum Zwecke der Nachvollziehbarkeit empfiehlt sich ein Blick auf die offizielle im Internet veröffentlichte Statistik des Bistums Trier

 

Offizielle Statistik des Bistums Trier (Zahlen aus 2012, teilweise 2003) ergibt folgendes Zahlenbild. Das Bistum spricht zwar von Statistik, obgleich die Aufarbeitung der Zahlen nur eine arithmetische Rechnung erkennen lässt.

 

Katholikinnen und Katholiken                1.416.500

Dekanate                                                                 32

 

Pfarrstellen insgesamt (alt)                                901

1 Personalpfarrei                                                     1       

Pfarrgemeinden/Pfarreien nach                     173

Strukturplan 2020

 

Priester insgesamt                                              621

Priester im pastoralen Dienst                            434

Im territorialen Dienst                                         266

Kategorialem Dienst                                             64

Beurlaubt/Freigestellt                                          10

Ruhestand                                                           263

+ Ordenspriester pastoraler Dienst                 104

Im kategorialem Dienst                                       29         

In territorialen Dienst                                           75

Priester aus anderen Bistümern                       75

Territorialer Dienst                                               17

Kategorialer Dienst                                              21

Ruhestand                                                            37

Katholische Missionen                                         6

Personalpfarrei                                                       1

 

 Insgesamt: Priester im Bistum:  509

 Ruhestand                                    407

 

Bei zukünftig nur mehr 60 mit Pfarrern  besetzten Seelsorgestellen bedeuten die Umsetzungen der Synode mit den Mammutpfarreien eine Umdeutung des Priesterstandes. Der Pfarrer ist die Ausnahme. Von den derzeit (nach Statistik 2012) 434 Priester im pastoralen Dienst sind zukünftig nur 60 oder knapp 14 % im Leitungsteam einer Pfarrei. Diese Vorgaben widersprechen auch den beim ad limina Besuch geäußerten Wünschen von Papst Franziskus, der den deutschen Bischöfen empfahl.: „Die wertvolle Mithilfe von Laienchristen im Leben der Gemeinden, vor allem dort, wo geistliche Berufungen schmerzlich fehlen, darf nicht zum Ersatz des priesterlichen Dienstes werden oder ihn sogar als optional erscheinen lassen. Ohne Priester gibt es keine Eucharistie Diese Mahnung des Papstes findet in dem Paradigmenwechsel der Synode keine Berücksichtigung.

 

 

3.    Zu erwartende Auswirkungen auf das Priesterbild und den Priesternachwuchs

 

Der größte Mangel des Synodenpapiers besteht darin, dass es nicht auf das zukünftige Priesterbild eingeht, obgleich 41% der Synodalen selbst Priester sind und diesen Strukturmangel hätten erkennen müssen. Dies ist ein subtiles und beängstigendes Bild für die Gleichschaltung von oben im Klerikerstand. Nach den Planungen gibt es in Zukunft nur mehr 60 zu besetzende Pfarrstellen. Damit ist die Mehrzahl der Bistumspriester nicht mehr auf einer Pfarrstelle. Sie sind Priester ohne Gestaltungskraft, ohne Bindung an die Menschen einer Pfarrei. Sie sind keine Hirten mehr, die für ihre Herde Verantwortung tragen. Das von Christus vorgegebene Priesterbild von hier der Hirt und dort die Herde wird nicht mehr weitergeführt. Zurecht ist von einer gewollten Entklerikalisierung des Bistums zu sprechen.

Die Berichte eines Trierer Geistlichen vom Priestertag am 15.10.2015 geben ein beredtes Zeugnis von der um sich greifenden Depression unter den Priestern. Auf diesen vom Bistum unbeantworteten Brief wird dringend hingewiesen. Er ist in brennender Sorge um den Trierer Weg geschrieben, wenn dort steht: “Und es scheint tatsächlich so zu sein: Wer sich als Priester den strukturellen Neuentwicklungen versagt, und irgendwelchen sekundären administrativen Direktiven nicht sofort nachkommt, hat mit unverhältnismäßig scharfen Reaktionen zu rechnen“.

In dem angesprochenen Brief werden die Sorgen der Bistumspriester mit folgenden Worten zum Ausdruck gebracht: „Die noble Atmosphäre der Promotionsaula und das gute Mittagessen am 14. Oktober konnten nicht den Eindruck verdecken, dass ich auf Seiten vieler Priester große Unsicherheit und resignative Ansätze hinsichtlich der beruflichen Zukunft beobachten konnte. Davon zeugen Aussagen mancher älterer Mitbrüder, dass sie froh seien, wenn sie bald pensioniert würden. Bei jüngeren Priestern äußerte sich die Reserve gegenüber der ungewissen Zukunft eher in abfälligen Bemerkungen gegenüber denjenigen Strategen im Generalvikariat, die man für die sich abzeichnende Entwicklung für verantwortlich hält.“ Des Weiteren mahnt der Brief.: „Was soll den Priester in der Zukunft erwarten? Ständige Qualitätskontrolle seiner Verkündigung, Abdrängung in ein kultisches Nischendasein und vor allem praktische Eliminierung seiner Hirtenaufgabe. Ich erlaube mir, in Erinnerung zu rufen, dass die Leitung einer katholischen Pfarrei durch einen Priester nicht einfach nur einer willkürlich festgelegten kirchenrechtlichen Vorgabe entspricht, sondern dem priesterlichen Sein wesenhaft zukommt. In „Presbytorum Ordinis“ wird der priesterliche Dienst im Lehren, Heiligen und Leiten definiert. Das Leiten einer Pfarrei wächst dem Priester sozusagen ontologisch zu. Auch im Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe wird die leitende Funktion des Priesters hervorgehoben: „In der Ausübung der Seelsorge jedoch nehmen die Diözesanpriester den ersten Platz ein.“ Herr Schn-Fl. aus dem Bistum Trier schrieb mit ähnlich besorgten Worten zum Brief von Herrn Dr. G.: „Die Klagen von Pfr. G. habe ich auch von anderen geistlichen Teilnehmern an der Synode gehört. Und nach über 30 Jahren Tätigkeit als Rat in Leitung und auch nach kirchlicher Ausbildung in der Seelsorge in 3 Diözesen habe ich selbst ähnliche Erfahrungen gemacht“.

Vor dieser Perspektive darf es nicht wundern, dass inzwischen auch die Ausbildung des Priesternachwuchses im Bistum zusammengebrochen ist und die verblieben fünf Priesteramtskandidaten nach  Frankfurt St. Georgen gesandt wurden. Immerhin wurde die Maßnahme mit „Qualitätssicherung“ begründet. Wer hören kann, hört aus dieser Diktion, dass die Ausbildungsqualität in Trier nicht mehr gewährleistet war.

 

 

             4. Zusammenhänge und Entwicklungen in der deutschen Kirche

 

Dieselben Veränderungen wie im Bistum Trier  betreffen im Grunde genommen die Mehrzahl der deutschen Bistümer. Als Grund für die  avisierten organisatorischen Änderungen wird zwar immer wieder der Priestermangel  genannt, aber dahinter steckt  eine geänderte Ekklesiologie. Dies soll in den nachfolgenden Beiträgen deutlich gemacht werden. Als Begründung in den Vordergrund gestellt werden die organisatorischen – verwaltungsmäßigen Änderungen. In Wahrheit  versuchen  die Sozialingenieure die Lufthoheit über den Glauben zu bekommen und interpretieren zu dürfen, was der Glaube wem nutzt. Von Seiten der Bistümer wird immer wieder auf das sozialwissenschaftliche  Institut von Prof. Dr. Leo Penta in Berlin zurückgegriffen.

Am 25./26.11.2016 fand zwei Wochen vor der vorletzten Synodensitzung in der Thomas – Morus - Akademie in Bensberg der 4. Kongress Strategie und Entwicklung in Kirche und Gesellschaft statt. Der Mitveranstalter und Mitfinanzier war neben dem sozialwissenschaftlichen Institut u.a. das Bistum Trier. Teilnehmer und Vertreter des Mitveranstalters Trier  war Weihbischof Dr. Dieser aus Trier. Das Thema wurde überschrieben:

4.1. Religion ist ein bedeutsames gesellschaftliches  Funktionssystem

4. Kongress Strategie und Entwicklung in Kirche und Gesellschaft.

 Die christlichen Kirchen haben als Institutionen in unserer Gesellschaft Religion über viele Jahrhunderte maßgeblich geprägt. Seit der Aufklärung unterliegt die Beziehung von Kirche und Gesellschaft einer starken Veränderung. Die Säkularisation, der Funktionsverlust von Kirche in Gesellschaft, schreitet unaufhaltsam voran. Umgekehrt integrieren andere gesellschaftliche Funktionssysteme immer stärker auch (quasi-) religiöse Elemente.Der Kongress fokussierte die Frage, welchen Beitrag Kirche perspektivisch zur Gestaltung von Gesellschaft leisten kann. Wozu und in welcher Weise Gesellschaft Kirche braucht, wodurch sie Relevanz gewinnen und gesellschaftlich einen „Mehrwert“ erbringen kann. Ausgehend von dieser grundlegenden Frage wird es insbesondere um die Themen Werteorientierung/Ethik, soziale Verantwortung/Gerechtigkeit und gelingendes Leben/Sinn gehen. Und natürlich auch um die Frage, welche Kosten entstehen und wie diese aufgebracht werden können, was also der kirchliche Beitrag „wert“ ist.

Der Kongress bietet einen Kommunikationsraum, miteinander die Themen hinter den Themen an der Schnittstelle Gesellschaft/Kirche zu erörtern. Mögliche Wirkungsfelder werden beleuchtet und bewertet. Insgesamt soll der Relevanzdiskurs auf den unterschiedlichen Ebenen gesellschaftlichen Zusammenwirkens angestoßen bzw. vertieft werden.

Der Kongress ist vom Design her multiperspektivisch als Dialog angelegt. Unterschiedliche Sichtweisen und Sprachspiele kommen auf die Bühne und werden im Gegenüber und im Miteinander inszeniert: kirchliche und nicht-kirchliche, katholische und evangelische, theoretisch und praktisch fundierte Keynotegeber aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft/Bildung, Soziales/Wohlfahrt, Medien und neue soziale Bewegungen treten miteinander und mit Vertretern beider großer Kirchen in einen lebendigen Austausch. Die Teilnehmenden – selbst Experten aus den beteiligten Funktionssystemen – werden zu Akteuren und kreativ in den Dialog einbezogen.“

Der Generalvikar des Bistums Essen, Dr. Pfeffer, stellt in einem zweiten Beispiel dar, wie er sich die Kirche der Zukunft vorstellt. Von "katholisch" ist gar keine Rede mehr!

4.2. Eine Zukunftsvision für die Kirche

Dr. Pfeffer schreibt: Futur2 ist die grammatikalische Form mit der die vollendete Zukunft beschrieben wird, die bereits Wirklichkeit geworden ist. Von welcher Zukunft wollen Sie, dass Sie morgen einmal gewesen sein wird? Oder anders gefragt: Mal angenommen, in Zukunft würde sich Kirche und Gesellschaft so weiter entwickelt haben, wie Sie es sich wünschen, wie sähe das dann aus? Was wäre anders als heute?

„Christen – das sind interessante Leute“, werden viele Menschen sagen, die auf Männer und Frauen, Kinder und Jugendliche treffen, die der christlichen Kirche angehören. „Sie haben etwas“, sagt man von ihnen, ohne so genau formulieren zu können, was das genau ist. Sie strahlen etwas aus. Sie ruhen in sich, getragen von einer inneren Kraft, einer Überzeugung, die sie leitet. Sie gehen achtsam und feinfühlig mit anderen um, haben ein offenes Ohr für das, was andere bewegt. Sie sind aufmerksam und nehmen vieles wahr, was andere übersehen. Und sie sind hilfsbereit, verlässlich und setzen sich ein, wo Not ist. Von ihnen geht eine freundliche Wärme aus. Es ist zu spüren, dass sie aus einer tiefen Innerlichkeit leben, die ihnen den Zugang zu einer anderen Kraft eröffnet – zu Gott, wie sie sagen.

Die Christen sind eine unter vielen unterschiedlichen religiösen oder weltanschaulichen Gruppen – aber sie sind eine der „interessantesten“ Gruppen.

Die Christen in der Zukunft sind keine überwältigende Mehrheit in der Gesellschaft. Dafür ist es zu anspruchsvoll, ein Christ zu sein. Die Christen sind eine unter vielen unterschiedlichen religiösen oder weltanschaulichen Gruppen – aber sie sind eine der „interessantesten“ Gruppen.

Sie sind gefragte Gesprächspartner, weil sie aus einer ganz besonderen Weisheit schöpfen. Viele Nichtchristen sind froh, wenn es unter ihren Freunden und Bekannten ein paar Christen gibt. Sie können bei schwierigen Fragen des Lebens immer eine neue Perspektive einbringen und wissen auch scheinbar ausweglosen Situationen noch einen Weg – und wenn es nur der ist, unlösbare Probleme schlichtweg durchzustehen. Und natürlich sind sie einfach angenehme, sympathische Zeitgenossen, die ehrlich und aufrichtig durchs Leben gehen.

Auch auf den Bühnen der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik finden sich einzelne Christen in verantwortlichen Positionen und fallen durch ihre besondere Art auf. Mit ihnen hält einfach mehr Menschlichkeit Einzug in den gesellschaftlichen Alltag – und ein sehr differenziertes Urteilsvermögen, das in komplexen Problemlagen sehr geschätzt wird. Christliche Gedanken werden auf diese Weise sehr ernst genommen und beeinflussen durchaus die politischen und gesellschaftlichen Debatten und Entscheidungen.

Die Christen sind untereinander gut vernetzt. In den Dörfern, kleineren Städten und in den verschiedenen Bezirken der Großstädte gibt es überall kleine Gemeinschaften, die sich mehr oder weniger regelmäßig treffen. Sie kommen im zwei- oder dreiwöchigen Abstand in ihren Wohnungen zusammen, um sich darüber auszutauschen, wie sie ihren Glauben im Alltag leben können. Viele von ihnen nehmen auch sehr regelmäßig an Fortbildungsangeboten und Exerzitienkursen teil, die in kirchlichen Bildungshäusern und einzelnen Klöstern angeboten werden. Manche haben sich auch besonderen Gemeinschaften angeschlossen, in denen sie noch etwas intensiver um ihr christliches Leben bemühen.

In den größeren Städten sowie an zentralen Orten im ländlichen Raum gibt es attraktive Kirchenzentren. Die alten Kirchengebäude sind in ihrem Inneren modernisiert worden und verbreiten eine einladend-meditative Atmosphäre. Hier finden an jedem Sonntag Eucharistiefeiern statt, zu denen die Christen aus der näheren und weiteren Umgebung anreisen. Die Gottesdienste sind sehr festlich gestaltet: Es gibt Chöre und Musikgruppen, die für einen ansprechenden und schwungvollen Rahmen sorgen. Die geistlichen Leiterinnen und Leiter der Kirchenzentren sind ausgesprochen gut qualifizierte Gottesdienstleiter (Anmerkung keine Priester!), die aus einer tiefen Spiritualität leben und eindrucksvoll predigen, beten und moderieren können. Sie ermöglichen auch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Gottesdienste, sich einzubringen. Wechselnde Kreise bereiten die Feiern entsprechend vor. Die Leiterinnen und Leiter haben aber auch gute Management-Qualitäten. Sie motivieren und integrieren viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gemeinsam mit einem Stab von Hauptberuflichen das Leben des Kirchenzentrums gestalten.

Die Ausrichtung und der Stil der verschiedenen Kirchenzentren unterscheiden sich sehr voneinander. Da es keine konfessionellen Kirchen mehr gibt, achtet eine ökumenisch vereinte christliche Kirche darauf, dass ihre Kirchenzentren ein sehr vielfältiges Angebot bieten, um den unterschiedlichen Traditionen gerecht zu werden. Neben der Funktion, ein Treffpunkt und geistlicher Ort für die engagierten Christen zu sein, kommt den Kirchenzentren dabei eine große soziale Bedeutung zu. Hier finden sich umfangreiche seelsorgliche, soziale und caritative Angebote, die aus den Mitteln der Kirchenmitglieder, Spenden und staatlichen Zuschüssen finanziert werden. Die verschiedenen Angebote sind sehr angesehen, da sie mit einer hohen fachlichen Kompetenz, aber auch mit einer zusätzlichen christlichen Prägung viele Menschen aus unterschiedlichen Problemlagen anziehen.

Die christliche Kirche der Zukunft ist keine Volkskirche. Aber sie hat eine beachtliche Zahl an Mitgliedern, die aus persönlicher Überzeugung ihre christliche Kirche tragen und gestalten. Das macht die Kirche stark und auf auch einflussreich. Sie ist nicht überall mit Gebäuden und Einrichtungen zu finden, aber doch an einer ausreichenden Zahl von Orten, wo sie deutlich wahrgenommen wird. Christen sind gefragt und werden gehört, weil sie die Fähigkeit besitzen, eine alte Glaubenstradition in die gegenwärtige Zeit zu übersetzen. Es gelingt ihnen, immer wieder überraschend weise und hilfreiche Antworten auf die komplexen Fragen und Probleme der Gegenwart zu finden.

Die Kirche der Zukunft strahlt aus, ist sympathisch und dient den Menschen. Sie hat einen Platz in der Gesellschaft, weil sie aus überzeugten und überzeugenden Frauen und Männern, Mädchen und Jungen besteht, für die der christliche Glaube eine wirkliche Lebensquelle ist“. 

Das,  was hier unter Futur 2 beschrieben wird, ist die Antwort von Sozialingenieuren zur Zukunft der Kirche. Der Inhalt des Artikels hat nichts mit den Vorstellungen der Christen von der Kirche zu tun, weil

1.    zwar von  der zukünftigen gesellschaftlichen Stellung der Christen, aber nicht von Christus und seiner Lehre gesprochen wird.

2.    die zukünftige Kirche keine Sakramente als Mittel zum Heil mehr kennt.

3.    Kirche  auf eine (von wem auch immer) inspirierte Organisation reduziert wird und das Credo für die Gemeinschaft der Kirche keine Bedeutung haben wird.

4.    die Terminologie absolut unkirchlich ist

5.    wir Christen zwar interessante Leute sind, aber dem Auftrag Christi, die Botschaft bis an die Enden der Welt zu tragen, nicht mehr nachkommen.

6.    der Inhalt dieses Artikels uns in eine antichristliche  Zukunft führen wird.

7.    Es offensichtlich nur mehr um eine Sinnstiftung für die Gesellschaft geht.

Das Kreuz bestand immer aus einem Längs- und einem Querbalken. Die Botschaft des Längsbalkens von der Gottesliebe verschwindet.

 4.3. Erläuterung zum Text:

 

Die Aussage „Die Säkularisation sei der Funktionsverlust von Kirche in der Gesellschaft“ muss richtig verstanden werden. Als Säkularisation wurde die staatliche Einziehung oder Nutzung kirchlicher Besitztümer bezeichnet. Im historischen Sinn wurden durch die Säkularisation die kirchlichen Institutionen aufgehoben und ihr Besitz verstaatlicht. Da jedoch die moralische Autorität der Kirche, ihr Einfluss auf die Gläubigen nie säkularisiert wurde und sie autonom von gesellschaftlichen Strömungen blieb, hatte die Kirche für die Gesellschaftslenker weiterhin einen unkalkulierbaren Einfluss auf die Menschen, solange nicht die zweite Etappe, die „innere Säkularisation“ der Werte folgte. Dies konnte jedoch nur aus dem Inneren der Kirche heraus erfolgen durch eine Strategie des trojanischen Pferdes.

Vor diesem Hintergrund wird die Säkularisation von den Autoren auch nicht alshistorisches Geschehen, sondern als der (immer währender) Prozess des Funktionsverlustes in der Gesellschaft beschrieben.

 Konkret bedeutet das für die Kirche, dass sie heute durch  die „Entsakralisierung verbunden mit der Entklerikalisierung die zweite Etappe der Säkularisation erlebt. Der italienische Kulturphilosoph Agamben sieht darin den Übergang von der Zeit der kirchlichen Oikonomia in die endzeitliche Auflösung. Durch diese Synode werden die Prozesse angestoßen.

 

 

 5.  Exkurs über Definitionen

Paradigmenwechsel- Perspektivwechsel – Häresie

Die Thematik verlangt einen Exkurs über die Definitionen, da die Gefahr besteht, dass durch leichtfertigen Umgang die Wahrheit verfälscht wird und das Ziel aus den Augen gerät. In Trier wird beispielsweise ein Paradigmenwechsel  euphämisch als Perspektivwechsel beschrieben.

1.    Eine heute gebräuchliche Lehrbuchdefinition ist beispielsweise: „Ein Wissenschaftsparadigma ist ein einigermaßen zusammenhängendes, von vielen Wissenschaftlern geteiltes Bündel aus theoretischen Leitsätzen, Fragestellungen und Methoden, das längere historische Perioden in der Entwicklung einer Wissenschaft überdauert“[2]. Die Ersetzung eines Paradigmas durch ein anderes führt weitgehend zu einem anderen Ziel.

2.    Perspektivwechsel ist der Wechsel des Standpunktes unter der ein Ziel betrachtet wird.

3.    Konkret lässt sich in den sogenannten Reformen eine Veränderung des Zieles der Kirche erkennen. Dieses Ziel war einmal die Erlangung des ewigen Heils des Einzelnen. Deswegen hielt der Gläubige der Kirche die Treue. Heute fragen die  Penta´s, Pfeffers, die Väter der Veränderungen etc. nur mehr nach der Bedeutung der Kirche für die Gesellschaft. Welch attraktives Kleid trägt die Kirche, damit sie in der Gesellschaft Beachtung findet, eine im Grunde narzisstische Fragestellung. Die Frage nach Gott wird nicht mehr gestellt und das Ziel der kirchlichen „Tätigkeit“ gilt erkennbar nicht mehr dem Seelenheil des Einzelnen, sondern der Wirkung der Kirche auf die Gesellschaft. Dies ist eindeutig ein Paradigmenwechsel, weil durch  geänderte Fragestellungen und geänderte Methoden (Soziologie statt Theologie) das Ziel der Kirche sich verändert hat.  Hier beginnt die Häresie. War der Christ früher dazu auf Erden, um den Willen Gottes zu tun und dadurch das ewige Heil zu erwerben, so ist es heute ausreichend der Kirche das korrekte Aussehen zu geben, was die Sozialingenieure für ihr Neokonstrukt vorgesehen haben.

 

4.    Antworten zu den Synodentexten

Der verstorbene und in seinem Bistum hochverehrte Aachener Bischof Klaus Hemmerle sagte; Kirche ist die eine, großräumig, aufs Ganze hin; sie muss das eine Heil Gottes, den einen Herrn, seine eine Liebe bezeugen. Aber sie will auch als die eine auf erbaut werden überall, ganz kleinräumig, kleinzellig. Sie will Netz sein aus vielen Zellen, und in allen Zellen und zwischen allen Zellen soll der Herr lebendig in ihrer Mitte sein. Dass dies geschieht, dass Kirche von bloßer funktionaler und objek­tiver Organisation in gelebte Einheit hineinwachse, das ist Sache des pastoralen Dienstes.“  Das war noch die Kirchenauffassung eines deutschen Bischofs in den 80 er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Dr. Klaus Hemmerle verstarb am 23. Januar 1994.

6.  Deduktion versus Induktion

Als einer der Perspektiv- oder Paradigmenwechsel will die trierische Kirche zukünftig von einzelnen her – also induktiv denken. Die Begrifflichkeit des deduktiven bzw, induktiven Denkens und der deduktiven und induktiven Logik stammt von Aristoteles. Er hat auch mit der folgenden allbekannten Sentenz seine Meinung zum induktiven  Denken auf den Punkt gebracht: „Eine Schwalbe macht keinen Sommer.“ Dieses besagt, dass selbst dann, wenn ein Beobachtungskriterium des Sommers – die Anwesenheit einer Schwalbe- erfüllt ist, können doch die anderen Prämissen fehlen und dass es dann eben noch kein sicheres Anzeichen für den Sommer gibt. Induktiv könnte man bei Beobachtung nur einer, Prämisse zur Ansicht gelangen, es sei Sommer, aber bei Beurteilung aller Prämissen = deduktiv gelangt man zur Erkenntnis, dass kein Sommer ist.  Diese Schwäche der induktiven Logik ist bis zum heutigen Tag geblieben. Warum Ackermann und seine Synode meinen das induktive Denken empfehlen zu müssen, bleibt unklar. Er beruft sich auf die Enzyklika „Redemptor hominis“,  und verweist darauf, dass diese  mit den Worten begínnt „Alle Wege der Kirche führen zum Menschen“, dann aber verschwiegt er den weiterführenden Text des Papstes: „Die Kirche darf am Menschen nicht vorbeigehen; denn sein »Geschick«, das heißt seine Erwählung, seine Berufung, seine Geburt und sein Tod, sein ewiges Heil oder Unheil sind auf so enge und unaufhebbare Weise mit Christus verbunden“. Besser als in die Aufzählung aller Kriterien lässt sich der deduktive Weg, den Johannes Paul II empfiehlt, nicht ausdrücken. Er war gelernter Philosoph. Ackermann und seine Synodalen bieten so für den induktiven Weg, den falschen Kronzeugen auf. Es war nie der Weg der Kirche.


     7.  Inklusiv Kirche

Die Ortskirche von Trier versteht sich nach dem Synodenpapier inklusiv.  Daraus ergibt sich:

è Gleichberechtigte Teilhabe und – nahme aller Menschen

è Abbau gesellschaftlicher und praktischer Barrieren, die eine Teilhabe oder –nahme verhindern

è Inklusion der Gesellschaft

è Betroffene haben Ideen zur Überwindung. Sie müssen von Anfang an den Veränderungen beteiligt sein.

Zur Diskussion: Es geht um die gleichberechtigte „Teilhabe aller Menschen“ allgemein an der Ortskirche Trier. In dem Text werden erstaunlicher Weise primär alle Menschen angesprochen. Nicht speziell angesprochen werden  – wie es zu erwarten gewesen wäre -  die Getauften, also die Christen oder gar die Katholiken. Gleichberechtigt in der Terminologie des Bischofs sind also Getaufte und Ungetaufte. Es macht also keinen Unterschied, ob jemand getauft ist, oder nicht. Er kann gleichberechtigt teilnehmen.  Schlussfolgerung: Es gilt nicht mehr, „wer glaubt und sich taufen lässt, der wird gerettet werden“ oder „extra ecclesia nulla salus.“ Hier wird der Bruch mit der auf Christus selbst fundierten Lehre der katholischen Kirche in erschreckender Weise deutlich. Wenn sie gewollt hätten, hätten sowohl die Synode als auch der Bischof sich anders artikulieren und für Klarheit in der Definition sorgen können. Wir dürfen und müssen davon ausgehen, dass genügend klarsichtige Köpfe in der Synode als Berater tätig waren und dass das erschreckende Ergebnis so gewollt war. Welche Barrieren will der Bischof denn abbauen? Die Katholiken kennen doch nur eine hemmende Barriere als Zugang zum Heil, das ist die Sünde. Der Getaufte kann seine Sünden beichten und der Ungetaufte kann sich taufen lassen. Zu ihrem Abbau stellt die Kirche in Form der Sakramente ihre Heilsmittel als Weg zur Verfügung. An dieser Stelle stellt sich die Frage, was hat das unter diesen Gesichtspunkten mit der Inklusion auf sich? Beginnt hier die Haeresie durch Aufhebung der Sündenlehre? Ist das der wahre Sinn der „Inklusionslehre“?

Die Forderung nach Umsetzung der Inklusion als gleichberechtigte Teilnahme und Teilnahme am christlichen Leben muss aber auch unter einem anderen Gesichtspunkt erhoben werden. Bei der geplanten Netzwerkstruktur des Bistums mit nur 60 Mammutpfarreien wird es Gläubige geben, die exclusiv im Knotenpunkt des Netzwerkes mit den notwendigen Heilsmitteln versorgt   werden und solche die an den Rändern chronisch mit den Heilsmitteln unterversorgt werden, die sozusagen am Rande der kirchlichen „Gesellschaft“ leben. Wie soll hier das inklusive Verständnis umgesetzt werden? Es ist ein zu erklärendes Paradoxon gleichzeitig inklusiv sein zu wollen und sich ebenso von der bisherigen Form der Pfarrei als Garant für eine gleichmäßige, flächendeckende seelsorgliche Versorgung zu verabschieden. Es liegt der Verdacht nahe, dass die Synodalen entweder den Begriff der Inklusion nicht voll erfasst haben, oder ihn nur dort umsetzen wollen, wo er ihnen passt. Sollten die Synodalen mit Inklusion – wie oben befürchtet - aber die bedingungslose Zulassung von Nichtkatholiken zu den heiligen Sakramenten und die Zulassung von Katholiken im Zustand der schweren Schuld zu den Sakramenten fordern, so stellen die Synodalen die trierische Kirche außerhalb der Katholischen Lehre. Dann betreiben sie aktiv Haeresie und die Abspaltung der Trierer Kirche von der Mutterkirche.

Sonntagsgottesdienst/Sonntagspflicht
     Empfehlung 6.1

Als Sonntagspflicht oder Sonntagsgebot wird das Kirchengebot bezeichnet, das jeden Christgläubigen am ersten Tag der Woche oder Samstagvorabend bindet, die heilige Messe zu besuchen. (CIC, can.1248 §1) Eine Dispenz von diesem Gebot leitet sich nur aus der Person des Gläubigen und nicht aus der allgemeinen Organisation des Bistums ab. (Kathechismus der Katholischen Kirche 1993) Der Kathechismus führt weiter in 2181 aus: „Die sonntägliche Eucharistie legt den Grund zum ganzen christlichen Leben und bestätigt es.“ Und das  Vatikanische Konzil lehrte, dass am Sonntag »die Christgläubigen zusammenkommen [müssen], um das Wort Gottes zu hören, an der Eucharistiefeier teilzunehmen und so des Leidens, der Auferstehung und der Herrlichkeit des Herrn Jesus zu gedenken und Gott dankzusagen, der sie wiedergeboren hat zu lebendiger Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten (vgl. 1 Petr 1,3)«. Mit Erschrecken werden dann im Synodenpapier 6.1. die Empfehlungen der Sachkommission  gelesen, die nur mehr von einem Bedürfnis der „Suchenden“ spricht. Mit erneutem Erschrecken vernimmt der Leser des Papiers die auch die Empfehlung 6.2.2. „Diese Eucharistiefeiern sind qualitätsvoll gestaltet.“  Mit Qualität wird die Beschaffenheit einer Ware oder Sache beschrieben, aber das Heiligste, der Dienst an Gott, bleibt heilig und dafür kann es keine Qualitätskriterien geben. Das Heilige kann mit großer Würde vollzogen werden, aber das Adjektiv „qualitätsvoll“ zeigt wie weit die Verwirrung der synodalen Geister fortgeschritten ist.  

Charismenorientierung als Perspektivwechsel

Der Bischof setzt seine Hoffnung auf Charismen, ohne zu sagen, welche er denn meint. Er verweist auf den Korintherbrief, in dem Paulus mit dem Wort Charisma  die Gnadengaben des Heiligen Geistes (1 Kor 12,7 EU) bezeichnet. Der Apostel  zählt dazu folgende Gaben: Weisheit mitteilen, Erkenntnis vermitteln, Glaubenskraft, Prophetie, Krankenheilungen, Wundertaten, Geisterunterscheidung, Zungenrede und Auslegung der Zungenrede.

Dabei ist der Begriff, Charisma,  sehr ambivalent zu sehen. Es gibt solche und solche Charismen, gute und böse. Zu letzteren muss man erkennen, dass fast alle bekannten Diktatoren neben ihrer Grausamkeit eine charismatische Ausstrahlung hatten und dass vermutlich die letzte große Gestalt der Weltgeschichte, der Antichrist, mit seinem Charisma die Menschheit verführen wird. Die Kirche hingegen hat vielen charismatischen Persönlichkeiten die letzte  Anerkennung versagt. Ich erinnere an den charismatischen Johannes Vianney, dessen Ernennung zum Patron der Priester in der jüngsten Zeit mit dem Argument abgelehnt wurde, das sei „nicht zeitgemäß“. Oder Pius XII, der zu seiner Zeit Gläubige und Ungläubige mit seinem Charisma überzeugte, dem aber heute die Anerkennung und die Ehre der Altäre verweigert werden. Selbst der charismatische Pater Pio ist  nicht unumstritten.

Wie will der Bischof in Zukunft seine charismatischen Geister unterscheiden?

Da  viele Hirten immer mehr soziologisch argumentieren sei ergänzend auf den soziologischen Begriff  Charisma verwiesen:  In der Soziologie nutzte Max Weber den Begriff „Charisma“, um damit eine Herrschaftsform zu bezeichnen. Er kennt neben der „traditionalen“ und „rationalen“ Herrschaft  auch eine charismatische Herrschaft. Es ist eine  außeralltägliche „revolutionäre Macht“. Er wollte damit zu denken geben, dass viele  Diktatoren ihre Macht auf Charismen stützen.

 

 10.  Zur Frage der Legitimität und Legalität der Dekretierung der  synodalen Beschlüsse

 

Eine Frage jedoch steht hinter allen Fragen: Ist ein Bischof zu solch weitreichenden und folgenschweren Entscheidungen, wie sie für das Bistum Trier dekretiert werden, legitimiert?  Es geht um eine fundamentale Frage der ethisch– politischen Tradition und zwar nach der Legalität und der Legitimation. In unserer Rechtskultur sind beide unterschiedliche Begriffe Legalität und Legitimation wie die Fäden eines Seiles miteinander verwoben, wobei  heute das alles regulierende Recht hypertrophiert  ist und die Frage nach der Legitimität  oder nach geistlichen Macht zu ersticken droht. Legalität beschreibt die formelle Rechtmäßigkeit oder die Potestas, die Legitimität fragt nach dem übergeordneten Prinzip, das diese Machtausübung begründet. Es ist die Autoritas oder geistliche Macht.  

Ihre Legitimierung haben die kirchlichen Autoritäten wie der Papst und die Bischöfe einzig von Christus. Keine Synode kann diese Legitimierung durch Beschluss ersetzen. Vor diesem Hintergrund fragen wir, kann der Bischof all das, was nach dem vorliegenden Synodenprotokoll für das Leben der ältesten Kirche Deutschlands  zu befürchten ist, dekretieren? Ist der Bischof dazu von Christus legitimiert, und können die Gläubigen Vertrauen in eine Bischofsherrschaft haben, die Ihnen die Grundlagen ihres bisherigen Glaubens nimmt und durch neue zum Teil antithetische Paradigmen ersetzt?

Auch die Frage der formellen Legalität ist nicht so einfach, derweil hier Kirchenrecht  und staatliches Recht miteinander verbunden sind und die Schutzbedürfnisse der Gläubigen  einmal aus dem Kirchenrecht und zum anderen aus dem staatlichen Recht zu wahren sind. Diese Aufgabe erwächst dem Bischof aus seiner Doppelfunktion einmal als geistliche Vorsteher der Ortskirche und zum anderen als Verwaltungsspitze  einer staatlichen Körperschaft öffentlichen Rechts, die sich Bistum nennt. Als solches müsste er für die Achtung der staatlichen Gesetze vor allen der grundgesetzlich verbrieften Rechte, wie dem Eigentumsrecht einstehen. Die anstehende Auflösung der bisherigen Pfarreien und die Überführung ihres Eigentums in eine der avisierten 60 Großpfarreien, bedeutet jedoch einen Einschnitt in die Verfügungsgewalt der bisherigen Eigentümer, die allesamt juristische Personen sind. Die Betroffenen werden diesen Eingriff mit vermögensrechtlichen Folgen als entschädigungslose Enteignung empfinden und zu verstehen geben, dass dieses bisher nur von den Kommunisten erfolgt sei und sie diesen Schritt als illegal ansehen. Mit diesem Manko wird die katholische Kirche Deutschlands bei Dekretierung der Synodenbeschlüsse leben und möglicherweise an juristischer Front kämpfen müssen. 
 

    11.  Schlusswort Pius XII

    Man versucht eine gottlose Weltordnung zu errichten(Pius XII)

Papst Pius XII. sprach in einer Ansprache an den Männerverband der italienischen Katholischen Aktion am 12.10.1952 mit folgenden Worten von einem subtilen, geheimnisvollen Feind der Kirche:
Er ist in allen Orten unter allen Menschen anzutreffen, ist gewalttätig und arglistig. Während der letzten Jahrhunderte versuchte er immer wieder, die geistige, moralische, gesellschaftliche Einheit des mystischen Leibes Christi zu zerstören.

·         Er wollte eine Natur ohne Gnade,

·         eine Vernunft ohne Glauben,

·         Freiheit ohne Autorität

·         und manchmal auch Autorität ohne Freiheit.

 

Dieser „Feind“ trete mit einer verblüffenden Skrupellosigkeit immer deutlicher in

Erscheinung:

·         Christus ja, aber keine Kirche!

·         Später dann: Gott ja, aber ohne Christus!

·         Und schließlich der ruchlose Ruf: Gott ist tot!, mehr noch, Gott hat es nie gegeben!

Und nun dieser Versuch, die Weltordnung auf Fundamenten zu errichten, denen wir ohne zögern die Hauptverantwortung für das die Menschheit bedrohende Unheil zuschreiben: eine gottlose Wirtschaft, ein gottloses Recht, eine gottlose Politik.”

Dieser von Pius XII beschriebene Feind sitzt heute gut getarnt in der Kirche und fordert permanent, Veränderungen, die er Reformen nennt. Er will die Kirche verändern, aber ohne Christus. Er ist gewalttätig und arglistig. Er verspricht dem Menschen- gleich der Schlange im Paradies-. Du wirst sein wie Gott und Gutes von Bösem unterscheiden.

 

 

Literaturempfehlungen:

 

1.    Sechste Vollversammlung der Synode, Ergebnisse, Vorlage an die Redaktionskommission _Kommunikationskonzept 10. bis 12. Dezember 2015 Trier

2.    Personalstatistik des Bistums Trier, aus Bistum Trier: Lage und Gliederung

3.    Gastbeitrag auf Kath.net vom 23.02.2016 : Einige grundsätzliche Anmerkungen zur Trierer Synode

4.    Zuschriften zum Gastbeitrag auf Kath.net vom 23.02.2016

5.    Einladung zum 4. Kongress “Strategie und Entwicklung in Kirche und Gesellschaft, Thomas-Morus-Akademie Bensberg/Kardinal-Schulte-Haus

6.    Agamben Das Geheimnis des Bösen, Benedikt XII und das Ende der Zeiten; Matthes und Seitz Berlin

7.    http://www.futur2.org/article/eine-zukunftsvision-fuer-die-kirche

8.    Aristoteles: Nikomachische Ethik I 6 1098 a 19 -20

9.    Äsop Fabeln 304

10. Johannes-Paul II “Redemptor hominis” vom 4. März 1979

w2.vatican.va/...ii/.../hf_jp-ii_enc_04031979_redemptor-hominis.html

11.    Pius XII in Das Herz Jesu Apostolat  

 

 

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