Dokumente der Fall-Strategie gegen den Limburger Bischof     (29.01.2014)

1. FAZ-Artikel am 24. 6. 2013 von Daniel Deckers: „Dem Glauben Gestalt geben“

Deckers am 28. 1. 2013: Bischof Tebartz-van Elst lässt sich „an Unterwürfigkeit gegenüber dem Papst nicht einmal von Meisner überbieten“.

Zu Eltz am 12. 11 2013:  „mit dem Artikel von Daniel Deckers in der FAZ vom 24. 6. hat  für uns in Limburg die Endzeit angefangen“.

Deckers 12. 11 2013: ‚Mir ging es um die Rechtskultur in der Kirche, nicht etwa um Moral oder die Person des Bischofs.’

Aussage-Elemente aus dem ‚Endzeit’-Artikel von Deckers vom 24. 6.:

- Es fröstelt beim Anblick des Domplatzes, die Kälte kriecht durch Mark und Bein.

- In Rom wird abgerüstet, in Limburg aufgerüstet.

- Eine Phalanx von Ministranten und Geistlichen schreitet um den Dom, die Kathedrale verschluckt sie.

- Es gähnen die Fensterhöhlen des Fachwerkhauses der Alten Vikarie wie schwarze Löcher.

- Die steil aufragende Kapelle mutet fast wie die Kaaba von Mekka an.

- In Limburg riecht es nach feinstem Leder der blankgewienerten Bischofslimousine.

- Ein braungebrannter Mitfünfziger mit reichlich Gel im Haar weicht dem Bischof nicht von der Seite.

- In der Kathedrale nimmt der Qualm gleich aus zwei Weihrauchfässern den Gläubigen buchstäblich den Atem.

- Der Münsteraner Bischof Reinhard Lettmann hatte an Tebartz-van Elst einen Narren gefressen.

- „Irres Bambi“ rief man in Limburg dem neuen Bischof bald hinterher.

- Das Handeln des Bischofs zur Dombergbebauung ließ die Lauterkeit seines Handelns in Zweifel ziehen.

- Der Bischof entzog dem Domkapitel die Aufsicht über das Geschäftsgebahren des Bischöflichen Stuhls, um nur keine Mitwisser zu haben.

- Schon in Münster hatte das Bedürfnis des Tebartz-van Elst’ nach Luxus und seelenlosem Pomp in der Liturgie gedroht überhandzunehmen.

- Auch in der Liturgie hielt ein neuer Stil Einzug: weiße Handschuhe für Messdiener und ein Tablett so groß wie für einen Truthahn für die Händewaschung…

- Und mittendrin der braungebrannte Mann mit dem Gel im Haar, der für den Bischof seinen Beruf und vieles mehr aufgab.

- Tebartz-van Elst hat die Katholiken rund um den Domberg gründlich gegen sich aufgebracht.

- Auf Pilgerreisen in das Heilige Land zog der Bischof die Nähe seines Fahrers der seiner  Priester vor.

- Er ließ es sich in den vorderen Sitzreihen des Flugzeugs wohlergehen, während die Pilgerschar hinten unter sich blieb.

- Es zeigen sich Risse in der auf Hochglanz polierten Fassade des Lebens als Bischof von Limburg.

- Auch der braungebrannte Mann mit dem Gel im Haar hat Probleme mit der Justiz. …..

 

2. Bericht im ZDF heute journal am 26. 7. 2013 unter maßgeblicher Beteiligung, wenn nicht Initiierung des Stadtdekans Johannes zu Eltz

Zu Eltz am 12. 11. 2013: Wegen des unguten Umgangs mit der Wahrheit haben wir die Medien gebraucht.

Prof. Valentin am 12. 11.: Es gibt viele  leitende Mitarbeiter des Bistums, die bereit sind, die Presse mit Informationen zu versorgen.

Textvorspann auf heute.de:

„Ein Bischof gönnt sich einen 1. Klasse-Flug, baut sich eine opulente Residenz mit Wohnhaus und Privatkapelle: Dem Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird nicht zum ersten Mal Verschwendung vorgeworfen. Sein Bistum steht vor einer Vertrauenskrise.“

Sendebeitrag: „Limburger Bischof stürzt Bistum in Vertrauenskrise“

(Filmeinspielung: festlicher Domeinzug von Bischof und Messdiener, Schwenk zu den Domberg-Gebäuden, der Bischof bei einer Sitzung)
Kommentar: „Festlicher Einzug und große Geste. Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst liebt es opulent. Und es glänzt und glitzert nicht nur bei seinen Gottesdiensten. Auf dem Limburger Domberg trieb der Bischof den Bau seiner Residenz voran mit Wohnhaus und Privatkapelle.
Aus veranschlagten fünf Millionen Euro Baukosten wurden über 10.
Auch andere Bischöfe bauen, aber in Limburg ist die Kommunikation das Problem.“

(Bilder und Stimme des Bischofs bei einer Ansprache in einem öffentlichen Rahmen)
Kommentar: „Ein Bischof, der sich der Öffentlichkeit entzieht, den Kontakt zu Menschen immer mehr verliert. Während es auf dem Domberg offenbar nicht an Geld mangelt, kämpfen die Gemeinden um das Nötigste. Ein neues Dach musste in Runkel mühsam erstritten werden. Aber es geht nicht nur um Geld, das Vertrauen fehlt.“

(Bilder aus Runkel, Kirchengebäude und Zivilpersonen; eine Frau brummelt etwas von Zweifel, Absturz, eine andere empfiehlt die Kurve zur „neuen Sparsamkeit in Rom“)

„Kritik kommt mittlerweile sogar aus dem inneren Führungszirkel des Bischofs. Der Stadtdekan von Frankfurt, Mitglied des Limburger Domkapitels, spricht im ZDF-Interview offen von einer Vertrauenskrise des Bistums.“

(Bild: Der Stadtdekan im Garten-Interview)

Johannes zu Eltz: „Wir spüren, dass -äh- wir die Leute verlieren. Eine Volkskirche ohne Volk, das –äh– das geht nicht. Das –äh- Gefährliche daran ist, dass –äh- dass die Prozesse des Misstrauens und Abrückens -äh- schleichend vor sich gehen.“

Kommentatorin: „Beim Bau seiner Residenz entmachtete Tebartz sein Leitungsgremium. Das Domkapitel soll die Ausgaben des Bischöflichen Stuhl kontrollieren, der Bischof setzt stattdessen ein geheimes Gremium ein: Ein Misstrauensvotum gegenüber seinen Mitbrüdern.“

Johannes zu Eltz: „Bereitschaft Rechenschaft abzulegen –äh- Transparenz auch -äh- – in einem ganz starken Bemühen, das Vertrauen wieder zurückzugewinnen -äh-  ohne das geht überhaupt nichts mehr.“

Bild vom Bischof auf Domvorplatz, Kommentatorin: „Dazu kämpft der Bischof mit juristischen Problemen. Bei einer Reise in die indischen Slums fliegt er Erste Klasse, bestreitet das aber später. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt wegen Falschaussage. Ein Bischof unter Druck.
Vor der Kamera will sich Bischof Tebartz aktuell nicht äußern. Er sei auf unbestimmte Zeit im Sommerurlaub, teilt uns die Pressestelle mit. Rückzug, wo Handlung angesagt wäre.“

Bild und Stimme Johannes zu Eltz: „Vorbildliches Handeln in der Krise. Benedikt will ich da mal nennen als fast unglaubliches Beispiel – ein Befreiungsschlag -äh- und wenn im Handeln, auch im Umgang mit dem eigenen Amt, der eigenen Autorität Freiheit spürbar wird – das ist großartig.“

Bilder vom Dom, Kommentatorin: „Wer am Beispiel Papst Benedikts von Freiheit im Amt spricht, kann damit durchaus Rücktritt meinen. Kirche in Bewegung – auch in Limburg.“

Bericht: Eva Schiller. ZDF-Studio Wiesbaden“

Dagegen kürzlich Kardinal Karl Lehmann von Mainz: „Ich habe dem Papst bei meiner letzten Audienz gesagt, dass ich den Limburger Bischof für einen sehr klugen, gut ausgebildeten, kommunikativen und höflichen Menschen halte, bei dem ich nie etwas von verschwenderischem Protz erlebt habe. “

Erzbischof Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses: „Ich glaube sehr wohl, dass die Untersuchung (der von der Bischofskonferenz eingesetzten Kommission) Vorwürfe bezüglich Geldverschendung, Nichtkommunikation und Überspringen von Kontrollorganen zu Gunsten des Bischofs ausräumen wird.“

3. Podiumsdiskussion im Frankfurter Haus am Dom unter dem Titel: „Aufräumen nach dem Knall“ am 12. 11. 2013 (Verschriftlichung nach dem Film von katholisch.de, Auszüge, 3. Film-Teil)

Publikumsfrage an Stadtdekan und Domkapitular Johannes zu Eltz auf die Frage, welche genauen Erfahrungen hinter der Formel stehe: ‚Das Vertrauen ist weg und es kommt nicht wieder.’

Zu Eltz: Vertrauen ist eine persönliche Kategorie Und deshalb erlauben Sie mir, dass ich nicht ins Persönliche gehe. Ich kann was Allgemeines sagen und machen Sie sich Ihren Reim drauf:

Es kann keinen unguten Umgang mit der Wahrheit geben. Das ist auch der Grund, warum wir die Medien gebraucht haben. Wir hatten am Ende keinen Referenzrahmen mehr für die Wahrheit. Es war nicht mehr klar, ob das, was mit der Autorität des Amtes gesagt wurde, stimmt oder nicht stimmt. Und wenn es nicht stimmt, ob es absichtlich nicht stimmt und ob wir vielleicht mit einem absichtlich nicht stimmenden Ergebnis unter die Leute geschickt wurden, damit wir das, was nicht stimmt, auch noch den Leuten sagen sollten. Und wenn das mal um sich greift, also das Gefühl, dass man geschickt wird, um die Leute anzulügen, dann geht’s einfach nicht mehr.

Das ist kein moralischer Vorwurf an den Bischof, wirklich nicht, ich habe auch oft das Gefühl gehabt, dass das gar nicht absichtlich ist, sondern dass der Bischof die Dinge, die er für richtig hält, auch ganz überzeugt davon ist, dass sie stimmen.

Deshalb kann ich auch heute sagen, dass keine Feindschaft damit einhergeht und keine Vernichtungsabsicht – all das gar nicht.

Wir müssen nur einen Bischof haben und einen Generalvikar, der ganz normalerweise die Wahrheit sagt und wenn das mal missrät, dass auch gesagt wird: „Verzeihung, es hat nicht gestimmt.“

Frage von Michael Schmitt, Domgemeinde Frankfurt: Ich spreche für eine Minderheitenmeinung. Ich vermisse auch bei dem gesamten Prozess die Stimme der Minderheitenmeinungen. Das Thema wurde majorisiert – wie auch heute Abend. Ich frage Prof. Valentin: Warum hat es ein Mörder leichter in diesem Lande, wenn über ihn geurteilt wird, als unser Bischof? Wo ist hier auf dem Podium der Advokat, der für ihn spricht? Warum gibt es auf dem Podium keine Stimme, die als Advokat für den Bischof auftritt?

Valentin: Wir haben uns sehr bemüht, einen seriösen Vertreter, der für den Bischof spricht, hier aufs Podium zu bekommen. Es war aus Termingründen – z. B. bei Barbara Wieland, die durch das bekannte Interview sich entsprechend positioniert hatte und bis heute für einen Dialogprozess für den Bischof wirbt – es war nicht möglich, Barabara Wieland hierher zu bekommen. Sie hat heute Abend einen Vortragstermin zur Shoa, zum 9. November. Ebenfalls war Generalvikar Rösch angefragt, der ebenfalls aus Termingründen nicht hier sein kann. Es kann aber auch nicht sein, dass wir selbsternannte, durch die deutschen Talkshows tingelnde Freunde des Bischofs von Limburg, die hier im Bistum niemand kennt, aufs Podium holen, nur damit eine Position vertreten wird, die kein deutscher Bischof heute mehr unterstützt. (Beifall)

Auch für mich ist es sehr bedauerlich, dass es kaum einen seriösen Menschen, der in Öffentlichkeit, Wissenschaft, Forschung und Publizistik unterwegs ist, der hier auf dem Podium satisfaktionsfähig ist und hier eingeladen werden könnte.

Das ist die Situation. Wir haben uns die Mühe gemacht und sind gescheitert. Ich wollte den Abend heute nicht mit der Rechtfertigung für die Zusammensetzung des Podiums beginnen. Allein schon deshalb, weil keiner der hier auf dem Podium Vertretenden als Kirchenfeind oder natürlicher Feind des Bischofs von Limburg auftritt.

Wir haben leider – auch für mich als Veranstalter – die schwierige Situation, dass der Bischof von Limburg sehr viel Vertrauen und Rückhalt verspielt hat, so dass es unmöglich war, jemand zu finden, der diese Position vertritt – auf dem Niveau und dem Zusammenhang, mit dem wir hier heute Abend auf dem Podium diskutiert haben. Es tut mir sehr leid, dass ich das so sagen muss.

Gegenüber kath.net präzisierte Dir. Valentin später:
„Ich bin tatsächlich der Meinung, dass jemand, der einen Bischof,
• der öffentlich der Lüge überführt ist und
• gegen den mit guten Gründen zwei Staatsanwaltschaften ermitteln,
• der die Gläubigen in Scharen aus der Kirche treibt und
• dessen Verhalten die Spenden-Bereitschaft der Bundesbürger auf einen historischen Tiefstand bringt,
• der mit Unterstützung seines Generalvikars alle seine Mitarbeiter in Angst und Schrecken versetzt hat,
• der bis heute nicht einen Funken Reue zeigt,
dass, wer diesen Bischof öffentlich verteidigt, schlicht seine eigene Seriosität verspielt hat.“

Öffentliche Unterstützer oder Pro-Sprecher für den Limburger Bischof – und damit nach Prof. Valentin als nicht-seriös einzustufen - waren in letzter Zeit: Manfred Lütz, Martin Lohmann, Markus Günther, Albert Schmid,  Eva Demmerle, Abt Franz Xaver Brandmayr, Paul Badde, die Bischöfe Müller, Vorderholzer, Lehmann,  Gänswein und andere mehr. Selbst der Heilige Vater dürfte nach Ansicht von Vatikanmitarbeitern dem Limburger Bischof durchaus gewogen sein.

Einwurf Michael Schmitt: …Ich bitte zu bedenken: Dass in diesem Lande alle einig sind, das hat es bisher noch nicht gegeben – doch, hat es schon mal gegeben – (Buhrufe). Sollte es ihnen nicht sehr zu denken geben, wenn Sie verantwortlicher Demokrat sind, dass sich keine Minderheitenposition von einem seriösen Menschen meldet. Das sollte zu denken geben: Wir kommt das denn? Oder wollen Sie behaupten, dass es diese seriösen Menschen gar nicht gäbe? Oder sollte diese Situation Anlass geben darüber nachzudenken, dass nach der monatelangen medialen Propaganda gegen den Bischof es keiner mehr wagt, sich in einer öffentlichen Debatte zerreißen zu lassen?

Valentin: …Mehr als mit Bedauern auf Ihren Beitrag zu reagieren kann ich an dieser Stelle nicht. Wir haben heute hier auch konzise beschrieben, dass es diese Medienkampagne nicht gibt. Es gibt auch in der demokratischen Gesellschaft und auch in der Kirche von Limburg keine Situation, dass man derart zum Opfer und zum Martyrer wird, dass man nicht mehr sprechen kann. Der Bischof von Limburg kann sprechen, obwohl er eigentlich schweigen soll, publiziert er, spricht er und versucht ins Bistum hineinzuregieren. Ich finde nicht, warum der Bischof von Limburg ein Opfer sein soll. Entschuldigen Sie. 

Publikumsfrage an den Stadtdekan: Domdekan Dr. Geis sagte, dass er den Bischof nur aus seinen Veröffentlichungen kannte, nicht persönlich. Was sagen Sie dazu?

Zu Eltz: Ich kannte den damaligen Weihbischof Tebartz-van Elst überhaupt nicht. Bei einer Bischofswahl hat jeder in der Diözese das Recht, Vorschläge zu machen. Der Papst ist aber an diese Vorschläge nicht gehalten, er kann auch nur Nicht-Vorgeschlagene auf die Dreierliste setzen, die dann im Bistum auch niemand kennt. Das ist das Recht des Papst und soll ihm auch nicht bestritten werden. Allerdings - wenn er das so macht, dann hat er die schwerwiegende moralische Verpflichtung, nur solche Leute auf die Liste zu setzten, die auf jeden Fall imstande sind, dieses Bistum, für das sie gewählt sind, auch in angemessener Weise zu regieren. Das ist die schwerwiegende Verpflichtung des Papstes. Ich würde gerne sagen, wenn ich noch mal die Gelegenheit bekommen sollte in meinem Domkapitulat, einen Bischof zu wählen: Ich werde keine Wahl mehr treffen von jemand, den ich nicht kenne und keinen Eid darauf schwöre, dass ich mich nicht danach erkundige. Zur Wahl gehört Kenntnis der zu Wählenden. Es muss möglich sein, auch ohne Entbehrungen nicht gewählt zu werden aus dem Dreiervorschlag. Es muss möglich sein, die Kandidaten vorsprechen zu lassen und dann zu sagen: Danke, Sie sind nur der zweite oder dritte. Wenn das möglich ist, dann wird es auch ordentliche Bischofswahlen geben.

Daniel Deckers: Eine Grundregel des Journalismus ist es, audiatur altera pars – auch die andere Meinung anzuhören. Wir haben Berge von Leserbriefen bekommen, aber keiner hat uns vorgeworfen, die falschen Fragen gestellt zu haben. Wir haben bei unseren Recherchen um Ungereimtheiten bei der Dombergbebauung vielfach beim Bistum angefragt und haben nie eine Antwort bekommen. Ich kann nicht erkennen, dass wir eine Kampagne betrieben hätten.

Valentin: Ich darf vielleicht ergänzen, dass es nicht nur der Presse so geht, sondern dass es vielen leitenden Mitarbeitern im Bistum so geht, die mit Entscheidungen konfrontiert wurden, die unmittelbar in ihren Arbeitsbereich hineingreifen und etwa Ressourcen entzogen haben. Prominentestes Beispiel ist Patrik Dehm, der gegenüber einem anstehenden Verkauf einer Immobilie zur Liquidierung des Bischöflichen Stuhls – wie wir heute wissen -, die an seinem Widerspruch gescheitert ist, der schlicht und ergreifend mit seiner fristlosen Kündigung konfrontiert wurde.

Wir hier im Haus sind damit konfrontiert worden, dass Stiftungsmittel, die laut Stiftungszweck der Bildung zur Verfügung stehen, kommentarlos entzogen wurden –an die Stiftung des Bischöflichen Stuhls, von der wir bis heute nicht wissen, wie sie anschließend verwendet wurde. Und es gibt dererlei Geschichten viele und vielleicht die Kommission und die Staatsanwaltschaft wird sie aufdecken. Und weil leitende Mitarbeiter des Bistums in ihrem je eigenen Feld diese demütigenden Struktur- und Dialogerfahrungen gemacht haben, gibt es keinen einzigen im Bistum, der für den Bischof aufsteht und gibt es so viele, die bereit sind, die Presse mit Informationen zu versorgen, die sie für ihre Recherche braucht und die die kirchlichen Gremien und Kontrollorgane nicht zu vollziehen in der Lage sind. (Prof. Schüller verzieht mehrfach das Gesicht) 


4. Zusammenstellung von  Auszügen aus dem ZEIT-Interview vom 24. 10. 2013:

ZEIT: Wie lange hat es gedauert (nach der Wahl), bis Sie zu der Überzeugung kamen, dass er (Tebartz-van Elst) nicht der richtige Mann für dieses Leitungsamt ist?

Zu Eltz: Weniger als ein Jahr…

ZEIT: Warum haben Sie dem Bischof nicht widersprochen? Das Domkapitel ist doch als Körperschaft öffentlichen Rechts eigenständig und keine Einrichtung des Bischofs.

Zu Eltz: Unser größter Fehler war, dass wir den Bischof gewähren ließen. Aus Ergebenheit. Aus Vertrauen. (…) Die sakramentale Struktur unserer Kirche, die innige Verbindung zwischen Christus und dem Geweihten, können zu etwas Gefährlichem mutieren, das von Jesus wegführt. …

Fiktive Fortführung des Interviews:

Frage: Weshalb haben Sie Ihre Zweifel an der nach Ihrer Meinung Leitungs- und Führungsunfähigkeit des neuen Bischofs  nicht ab 2008 pflichtmäßig an die vorgesetzte kirchliche Behörde des Bischofs gemeldet, also an die vatikanische Bischofskongregation?

Antwort: Keine Aussicht auf Erfolg oder so…Mit unserer Protest-Formel: ‚Das Vertrauen zum Bischof ist unwiederbringlich verloren gegangen.’ - wären wir in Rom sicherlich nicht durchgekommen. Nicht einmal Kardinal Lajolo hat diese Formel beeindruckt…

Nachfrage: … und deshalb haben Sie dann die Medien eingeschaltet, wie Sie selbst sagen, um den Bischof  per TV-Interview zum Rücktritt aufzufordern. Können Sie uns sagen, welche Medien das waren?

Antwort: Das ZDF heute journal am 26. 7. Später haben wir die ZDF-Journalisten zu unserer Protest- und Unterschriftensammlung gegen den Bischof in den Frankfurter Bartholomäus-Dom geholt .  Aber schon „mit dem Artikel von Daniel Deckers in der FAZ vom 24. 6. begann für uns im Bistum die Endzeit“. Und weit vorher gab es Telefonate mit dem SPIEGEL-Journalisten Peter Wensierski.

Frage: Halten Sie das für ein legitimes Verfahren, dass ein Mitglied im Führungsstab eines kirchlichen Bistums  mithilfe der säkularen Medien seinen Vorgesetzten abzuschießen  versucht?

Antwort: Da bestand eben ein  außergewöhnlicher Gehorsams- und Loyalitätsnotstand.

Frage: Können Sie uns das erklären?

Antwort: Wir Domkapitulare haben diesen Bischof gewählt. Daher sind wir für die Entwicklung im Bistum und die jetzige Vertrauenskrise mitverantwortlich. Aber indem wir den Bischof nach dem Anfangsjahr vier Jahre lang gewähren ließen, wie schon gesagt,  haben wir in unserer Verantwortung versagt. 

Frage: Wollten Sie mit dem TV-Auftritt Ihr Versagen kaschieren?

Antwort: Ich habe auch dem Bischof selbst ins Gesicht gesagt, er solle von seinem Bischofsamt zurücktreten und für sieben Jahre in der ärmsten Pfarrei des Bistums sich bewähren. Als er nicht zurücktrat, sondern meinen gutgemeinten Rücktrittsvorschlag  als Affront zurückwies, haben wir von Frankfurt aus die Unterschriftensammlung begonnen.

Frage: Halten Sie das mit Ihrer Loyalitätspflicht für vereinbar?

Antwort: Die Sorge für unser Bistum und der Kampf um den Kurs der Kirche in Deutschland drängten mich, so zu handeln.

Frage: Aber später haben Sie dem Kardinal Giovanni Lajolo, den der Papst nach Limburg geschickt hatte zum brüderlichen Ausgleich, in die Hand versprochen, sich loyal zum amtierenden Bischof zu verhalten. Sie haben eigenhändig den Satz  unterschrieben: „Das Domkapitel wird den Weg des Bischofs aufmerksam und loyal begleiten. “ Haben Sie Ihre Unterschrift in Wahrheit und Wahrhaftigkeit gegeben, auf die Sie ja so großen Wert legen?

Antwort: Wir hatten dem Bischof schon vorher gesagt, dass das Vertrauen zu ihm unwiederbringlich verloren gegangen ist. Daran konnte auch die formale Unterschrift nichts ändern.

Frage: Fürchten Sie ein kirchliches Disziplinarverfahren, nachdem Sie mit der Instrumentalisierung der Medien gegen ihren Bischof den ordentlichen Verfahrensweg der innerkirchlichen Kritik ausgehebelt und anschließend dem Vertreter des Papstes gegenüber wieder (formal) Treue und Loyalität gelobt  haben?

Antwort: Der Bischof steht im Fokus der Kritik, nicht ich.

Frage: Sie haben in Ihrem Frankfurter Pastoralbrief geschrieben, dass eine Rückkehr des Bischofs nicht in Frage käme. Sie würden hier und in Rom darauf drängen, dass dieses Domkapitel  einen neuen Bischof wählen dürfe. Ist das nicht egoistisch, dem Bischof eine zweite Chance für einen Neustart im Bistum zu verwehren, für sich selbst aber die zweite Chance  für eine erneute Bischofswahl einzufordern?

Antwort: Bei dem „Kampf um den Kurs der Kirche in Deutschland, in dem unserem Bischof eine wichtige Rolle zugedacht war“, würde durch die Rückkehr des Bischofs unsere Position im Bistum und in Deutschland geschwächt werden.

Frage: Sie wollen den amtierenden Bischof von seinem Limburger Amt entfernt sehen, weil Ihr „Vertrauen unwiederbringlich dahin“ sei. Glauben Sie, dass  diese „persönliche Kategorie des Vertrauens“, wie Sie bei der Podiumsdiskussion sagten, als subjektive Haltung  an die Stelle der objektiv geforderten Loyalität gestellt werden kann?

Antwort: Wenn ich ehrlich bin: Nein!

Frage: Gleichzeitig machen Sie die Wahl eines  neuen Bischof  von dieser Vertrauensbasis abhängig, also eines Bischofs, „der uns vertraut und dem wir vertrauen können“ -  so Ihre Worte. Wenn allein ‚Vertrauen’ das vorgeschaltete Kriterium  der Loyalität sein soll –kann da nicht das gleiche passieren wie bei Tebartz-van Elst,  dass nach dem anfänglichen Vertrauen   aus irgendwelchen Gründen wieder  Misstrauen die Oberhand bekommt?

Antwort: Das ist nicht auszuschließen.

ZEIT: Wären Sie selber gern Bischof geworden?

Zu Eltz: Nein, heute nicht mehr. (…) Früher dachte ich, ich bin toll, ich kann das. Aber das gibt sich mit der Zeit.

ZEIT: (Woran krankt es im Selbstverständnis des katholischen Bischofsamtes?)

Zu Eltz: Es gibt bei den deutschen Bischöfen „ein identitäres Amtsverständnis, das die Erhabenheit des eigenen Amtes ins Irrwitzige steigert. (…) Das Bischofsamt „zieht Narrzisten an. Ein Defizit an normalen menschlichen Beziehungen wird durch ein Übermaß an Autorität kompensiert.“

ZEIT: Wie lässt sich das ändern?

Zu Eltz: Wir leben in einer Demokratie. Im ersten Schritt lässt sich durch den Einsatz von checks and balances im monarchischen System einiges ändern. (…) Ich glaube, wir kommen aus dieser Krise nicht heraus, wenn nicht auch Verheiratete das Priesteramt ausüben.

ZEIT: Sie fordern das Ende des Zölibats?

Zu Eltz: Des obligatorischen Zölibats für alle. Ja!

ZEIT: Manche sagen, Limburg war eben schon immer romfeindlich. Und Tebartz nicht.

Zu Eltz: Unfug. (…) Der Vorwurf, wir wollten den Bischof wegen seiner Romtreue abschießen, ist niederträchtig.

Dagegen schreibt zu Eltz  in dem Brief an seine „lieben Schwestern und Brüder in der Frankfurter Seelsorge“ vom 28. 10. 2013:

Der Papst habe eine „merkwürdige und denkwürdige Entscheidung getroffen“, indem er Tebartz-van Elst zwar vorläufig „aus dem Verkehr gezogen“, aber im Amt des Diözesanbischofs belassen habe. „Die Ambivalenzen der Regelung deuten in meinen Augen darauf hin, dass der Kampf um den Kurs der Kirche in Deutschland, in dem unserem Bischof eine wichtige Rolle zugedacht war, noch nicht entschieden und noch nicht zu Ende ist. “

5. FAZ, Rhein-Main-Ausgabe vom 14. 11. 2010,  im Gespräch:
(Pröpstin) Gabriele Scherle und (Stadtdekan) Johannes zu Eltz    

Scherle: “Ja, ja, wir sollen zurückkommen nach Rom!?...

Zu Eltz: (lacht) Mein Langzeitprojekt ist die theologisch begründete Delegitimierung evangelischer Kirchlichkeit durch die Integration reformatorischer Elemente in die katholische Kirche. Zum Beispiel ist das “Priestertum aller Gläubigen” so katholisch wie es evangelisch ist.
Scherle: Im Ernst?

Zu Eltz: Ja, sicher! Die zentrale Gestalt der Kirche ist der Laie, der zum Gebrauch seiner Gaben gekommen ist, nicht der geweihte Priester, der ihm dabei behilflich sein soll.

Dagegen im 10. Kapitel der Kirchenkonstitution des II. Vaticanums:
„Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen und das hierarchische Priestertum unterscheiden sich dem Wesen nach. Dennoch sind sie einander zugeordnet: Der Amtspriester nämlich bildet kraft seiner heiligen Gewalt das priesterliche Volk heran und leitet es.“

- hdf -