Die Domherren proben den Aufstand gegen Papst und Kirche     (3.11.2013)

Haben die Domkapitulare Geis und Co. seit der Versöhnungserklärung am 14. September ihre  Loyalität nur geheuchelt? Hat Domherr Johannes  zu Eltz  den päpstlichen Gesandten belogen? Jetzt will der Frankfurter Stadtdekan  dem Papst seinen Willen aufzwingen. Das Limburger Domkapitel sollte geschlossen zurücktreten. Mit diesem Domkapitel wird niemals Ruhe ins Bistum einkehren.

Die Mitglieder des Limburger Domkapitels hatten noch am 14. 9. in der von Kardinal Lajolo erwirkten Verständigung Bischof Tebartz-van Elst Loyalität und Versöhnung versprochen. Mit ihrer persönlichen Unterschrift erklärten alle Domkapitulare hoch und heilig, dass sie beim Prozess der Offenlegung der Domberg-Finanzierung sowie der kirchenrechtlich vorgesehenen Beratungen mit den Gremien „den Weg des Bischofs aufmerksam und loyal begleiten“ würden. Dieses versöhnlich-loyale Verhalten entspreche dem „Wunsch des Heiligen Vaters“, heißt es in der „Gemeinsamen Erklärung von Bischofs und Domkapitel“.

Die illoyalen Domherren brechen den Stab über den Bischof

Die Unterschrift einiger Domkapitulare war schon damals die Tinte nicht wert. Keine vier Wochen hielten sie sich an ihr Loyalitätsverprechen. In der Pressekonferenz nach der Papstentscheidung zur Auszeit von Bischof Tebartz-van Elst zeigte das Domkapitel seine Unversöhnlichkeit. Die Herren zeigten sich indigniert von der Entscheidung des Heiligen Vaters, den Bischof im Amt zu belassen und nur eine vorübergehende Auszeit außerhalb des Bistums anzuordnen. Der Papst wollte vor einer endgültigen Entscheidung die Ergebnisse der DBK-Prüfkommission zur Dombergbebauung abwarten.

Solange wollten drei der Domkapitulare nicht warten. Sie zeigten sich entschlossen, sofort und endgültig den Stab über den Bischof zu brechen. Prälat Helmut Wanka meinte, er könne sich eine Rückkehr des Bischofs nach der Auszeit „nicht vorstellen“. Ziemlich unverblümt gab der Limburger Personaldezernent dem Papst den Ratschlag, den Bischof so zu behandeln, wie er als Personaldezerent mit Pfarrern umspringe: Nach der Auszeit versetzen – das heißt für diesen Fall: ab in eine anderes Bistum, auf keinen Fall Rückkehr ins Amt nach Limburg.

Subjektive Misstrauensgefühle statt Warten auf den objektiven Prüfbericht

Auch Domdekan Günther Geis wollte die Entscheidung des Papstes zur „vorübergehenden Auszeit“ nicht anerkennen: Sein subjektives Vertrauen in den Bischof sei zerstört, er sehe von seiner Seite aus keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit. Nicht wenige Journalisten erkannten den Subtext dieser Äußerung:
1. Geis’ Versprechen in die Hand von Kardinal Lajolo, die anstehenden Problem des Bistums „loyal, im Geist der Offenheit und Geschwisterlichkeit“ zu lösen, scheint von Anfang an geheuchelt zu sein. Wie ein Hohn auf den Vatikan-Vermittler wirkte da der „ausdrücklicher Dank“ von Geis an Kardinal Lajolo für dessen „brüderlichen Besuch“.
2. Der Domdekan will Druck auf den Heiligen Vater ausüben, nach der vorübergehenden Auszeit Bischof Tebartz-van Elst endgültig aus dem Bistum zu verbannen.
3. Nicht die objektiven Fakten des Prüfberichts, sondern allein subjektive Vertrauensgefühle von Domherren sowie deren „Wünsche an den Papst“ sollte Kriterium für die Rückkehr des Bischofs sein. Ein Kommentator der Tageszeitung ‚Die Welt’ quittierte dieses überhebliche Ansinnen so: „Was sich ein paar Amtsträger im Bistum Limburg wünschen, interessiert den Heiligen Vater herzlich wenig. Die katholische Kirche ist kein Wunschkonzert.“

Eine weitere Äußerung von Dr. Geis, nach der seine Ablehnung von Bischof Tebartz-van Elst Teil-Prozess einer „friedlichen Revolution“ sei, ist auf dieser Seite schon in seiner Perspektive kommentiert worden: Transformation der Kirche in eine protestantisierende Weltanschauungsgemeinschaft.

Die Domkapitulare proben den Aufstand gegen Bischof und Kirche

Die Schlüsselfigur in diesem Limburger Stück mit dem Titel: „Die Domherren proben den Aufstand gegen Bischof und Rom“ spielt der Frankfurter Domdechant Johannes zu Eltz. Der gräfliche Prälat fiel bei der Pressekonferenz äußerlich durch seine Alltagskleidung in Räuberzivil auf. In seinem Beitrag drückte er am deutlichsten die strikte Ablehnung des amtierenden Bischofs aus: „Einen Neuanfang können wir uns nur mit einem neuen Bischof vorstellen.“

Schon in seinem Auftreten im ZDF heute journal am 26. Juli hatte Johannes zu Eltz sich als Gegenspieler zum Bischof aufgebaut und seine Illoyalität gegenüber seinem Vorgesetzten zur Schau gestellt. Er forderte damals noch verblümt dessen Rücktritt. Das Loyalitätsversprechen des Frankfurter Dechanten unter die Gemeinsame Erklärung von Domkapitel und Bischof vom 14. 9. scheint auf diesem Hintergrund geheuchelt und verlogen gewesen zu sein.

Ein Domherr greift ein in den Kampf um den Kurs der deutschen Kirche

Was der gräfliche Domherr mit seinem Rückkehrverbot des Bischofs und einem „Neuanfang“ im Bistum erreichen will, schrieb er kürzlich in einem vertraulichen Brief an die „lieben Schwestern und Brüder in der Frankfurter Seelsorge“: Bei seinem Kampf gegen Tebartz-van Elst ging es nicht um Baukosten und Führungsstil des Bischofs, sondern zur Debatte stehe allein der „Kampf um den Kurs der Kirche in Deutschland, in dem unserem Bischof eine wichtige Rolle zugedacht war“. In diesem deutschen Kirchenkampf will der Frankfurter Domherr dem Papst seinen Willen aufzwingen: „Ich werde alles, was in meinen Kräften steht, dafür tun, dass auch die Verantwortlichen in Rom das einsehen“, was wir durchsetzen wollen.

Es geht bei dem geforderten „Neuanfang“ also um eine andere Theologie und Kirche in Deutschland. Mit einem neuen Bischof wollen zu Eltz und Co. diese Kursänderung der deutschen Kirche durchdrücken: „Ich dränge darauf, dass wir bald einen neuen Bischof von Limburg haben, der uns vertraut und dem wir vertrauen können.“

Die schöne neue Kirchenwelt des Johannes Graf von und zu Eltz

Die Konturen dieser von zu Eltz angepeilten schönen neuen Kirche kann man aus einigen Signalen und Worten des Frankfurter Domherren lesen: Bei seinem Auftritt vor der Presse im legeren Outfit stellte sich der Domkapitular und Kleriker Johannes zu Eltz demonstrativ als Laie dar. Die Interpretation dieses Laien-Aufzugs gab der Stadtdekan in mehreren Medien-Äußerungen. Im  FAZ-Interview vom 15. 11. 2010 dozierte er: „Die zentrale Gestalt der Kirche ist der Laie, der zum Gebrauch seiner Gaben gekommen ist, nicht der geweihte Priester, der ihm dabei behilflich sein soll.“ Den Kleriker zu Eltz drängt es offenbar zur Laienrolle, weil die ihm zentraler und wichtiger erscheint. Mit der Konzilslehre hat diese Privat-Theologie des Domdechanten rein gar nichts zu tun. Dort heißt es im 10. Kapitel der Kirchenkonstitution: Das hierarchische Priestertum, die geweihten Priester, bilden und leiten das priesterliche Volk, die Laien. Wenn zu Eltz fortfährt, dass das „Priestertum aller Gläubigen“ so katholisch wie es evangelisch sei, dann unterschlägt er den entscheidenden Unterschied zu den Protestanten – also das besondere, sakramentale Priestertums der katholischen Kirche. Im Lichte dieser Äußerung und dem laienhaften Auftreten des Domkapitulars ergibt sich folgendes Resümee: Zu Eltz will den Klerikern den „zentralen“ Laienaufzug verpassen und den Laien klerikale Aufgaben zuweisen.

Eine weitere theologische Nivellierung und Protestantisierung
der katholischen Kirchenlehre findet man in der ‚Hofheimer Erklärung’ vom 25. 3. 2012, deren Mitunterzeichner Johannes zu Eltz ist: „Alle Laien sind Geistliche“ – und somit auch alle Kleriker Laien. Die Kleriker-Laien sollen bei allen „strittigen Themen“ der Kirche dialogisierend mitentscheiden - z. B. beim Thema „gleichgeschlechtliche Partnerschaften“, „Infragestellung des Zölibats“ oder Sakramentszugang von „wiederverheiratet Geschiedenen“. Zu Eltz und die Hofheimer Kleriker schieben die  Laien-Geistlichen vor, die von „Bischof und Bistumsleitung“ fordern würden, „dass sie diese Themen (Zölibat, Homo-Partnerschaften) selbst als lösungsbedürftig ansehen und zum Nachdenken über neue Schritte ermutigen“. Das ist also das kirchenpolitische Programm, das zu Eltz und Co. dem angestrebten neuen Bischof in die Wahlkapitulation schreiben wollen.

Verheiratete Priester als Weg aus der Krise – in den Protestantismus

Während Bischof Tebartz-van Elst mehrfach die Bedeutung des Zölibats für das Priestertum herausgestellt hat, glaubt Domkapitular zu Eltz, mit verheirateten Priestern ein Patentrezept gefunden zu haben: „Wir kommen aus dieser Krise nicht heraus, wenn nicht auch Verheiratete das Priesteramt ausüben“ (ZEIT-Gespräch vom 24. 10). Auch in dem FAZ-Interview vom 17. 9. 2012 fordert er die „Zulassung verheirateter Priester“. Diesen Einstieg in den Ausstieg des Zölibats vernebelt der Domherr als „kluge Ergänzung“ zur priesterlichen Ehelosigkeit. Auch bei diesem Interview stellte sich der Frankfurter Domherr mit Sportshemd und offenem Kragen als laienhafter Kleriker dar.

Wie schon in der Hofheimer Erklärung angekündigt, werden wir möglicherweise bald durch die Medien von zu Eltz erfahren, dass er auch zu „gleichgeschlechtlichen Partnerschaften“ eine andere Meinung hätte als Bischof und Kirche - etwa in dem Sinne, dass eine ‚verantwortungsvoll gelebte’ Homo-Partnerschaft eine ‚kluge Ergänzung’ zur Ehe sein könnte, wie schon ein anderer deutscher Prälat vermeldet hatte. Die Frankfurter Gemeindegruppe „schwul und katholisch“ (sic!) unterstützt zu Eltz schon tatkräftig und auch zum Homosexuellen-Gottesdienst im Frankfurter Dom am Tag der Schwulenstolz-Parade ist der Domherr positiv eingenommen.

Bischof Tebartz-van Elst dagegen hatte anlässlich einer verbotenen Segensfeier für ein Homo-Paar durch den Wetzlarer Dekan Peter Kollas (heute Hofheimer Kreis) schlicht die kirchliche Lehre dargelegt, dass es „keinerlei Fundament dafür gibt, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn.“

Alle diese Einzelprojekte des Frankfurter Domdechanten wie verheiratete Priester, Überhöhung der Laien-Status, Zugehen auf Homo-Partnerschaften etc. sind in dessen Strategie zur Protestantisierung der Kirche einzuordnen: „Mein Langzeitprojekt“, so zu Eltz in dem besagten FAZ-Interview, „ist die theologisch begründete Delegitimisierung evangelischer Kirchlichkeit durch die Integration reformatorischer Elemente in die katholische Kirche.“ Man sieht, der Graf und Domherr hat Visionen. Allerdings wird er seine Privatoffenbarungen niemals theologisch aus der Konzilslehre begründen können. Die Frage ist nur: Wer wird seine Theolog-Irrfahrt stoppen können?

Der Domdekan steigert sich ins Irrwitzige

Die Frankfurter Synodalrätin Barbara Wieland hat kürzlich den Kampf des Frankfurter Domherrn gegen seinen Bischof Tebartz-van Elst als eine private Fehde eingestuft. Diese Meinung  unterschätzt den Ehrgeiz des gräflichen Prälaten. Die jüngsten Äußerungen Johannes zu Eltz’ zeigen, dass es ihm weit über den Limburger Domberg hinaus um nationalkirchliche Perspektiven geht - mit weltkirchlichen Implikationen: Mit seinen ungeheuerlichen Sätzen aus dem ZEIT-Interview vom 24. 10. setzte der Frankfurter Domherr wuchtige Hammerschläge selbst gegen das Bischofsamt als apostolisches Fundament der Kirche an:
„Es gibt ein identitäres Amtsverständnis, das die Erhabenheit der eigenen Amtsperson ins Irrwitzige steigert. Wenn solche Leute systematisch gefördert werden, dann ist das System krank. Es zieht Narzissten an. Die Not einer narzisstischen Grundstörung lässt sich traumhaft befriedigen im Bischofsamt“, erklärte zu Eltz, der dann noch behauptete, dass „ein Defizit an normalen menschlichen Beziehungen durch ein Übermaß an Autorität kompensiert“ werde.

Zur Abklärung seien die Aussagen noch einmal als Argumentationskette formuliert:
Das kirchliche Amtssystem sei krank, indem es psychisch kranke Personen (Narzissten) anziehe und fördere. Insbesondere in und durch das Bischofsamt ließe sich der Narzissmus ins Irrwitzige steigern. Zugleich würden die Beziehungsdefizite einer narzisstischen Persönlichkeit durch übersteigertes Autoritätsgehabe kompensiert.

Stigmatisieren und Nachtreten gegen den Bischof

Es fällt sofort ins Auge, dass zu Eltz mit seinen Medizinbegriffen auf die Krankheitsgerüchte zu Bischof Tebartz-van Elst abhebt: Dem Ausdruck „Defizit an normalen menschlichen Beziehungen“ entspricht die Gerüchtethese der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der Limburger Bischof leide am Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus. Zu Eltz selbst hatte zu diesen krankmachenden Gerüchten beigetragen, als er einer ZDF-Journalistin wahrheitswidrig zuflüsterte: „Ein Bischof, der sich der Öffentlichkeit entzieht, den Kontakt zu Menschen immer mehr verliert.“

Dieser Versuch, einen persönlichen oder politischen Gegner als Kranken zu stigmatisieren und so ins Abseits auszugrenzen, ist bisher nur aus totalitären Systemen bekannt. Der Bruder des Bischofs, Psychiatrie-Professor Ludger Tebartz-van Elst, nannte es "böswillige Unterstellungen und persönliche Verunglimpfungen“, wie sein Bruder „in seiner menschlichen Existenz angegriffen“ werde.

Bischöfe, merkt auf: Ihr seid gemeint – alle, weltweit!

Aber Johannes zu Eltz geht verallgemeinernd über Amt und Person des Limburger Bischofs hinaus: Er behauptet, Personen mit „narzisstischer Grundstörung“ würden durch das kirchliche Amtssystem vielfach gefördert und regelrecht angezogen. Insbesondere das Bischofsamt bzw. dessen identitäres Amtsverständnis ließen Amtsträger in ein irrwitziges Erhabenheitsgefühl abheben. Bischöfe, merkt auf: Ihr seid gemeint – alle, weltweit!

Bei einer Aussprache in der Frankfurter Domgemeinde am 7. 9. wurde Johannes zu Eltz darauf angesprochen, dass er sich von dem Bischof distanziere, den er als Domkapitular doch gewählt hätte. Daraufhin kritisierte der Domdechant das Wahlverfahren zur Bischofsernennung. Von Papst Benedikt sei er sehr enttäuscht gewesen, da er von ihm erwartet hätte, dass die drei vorgeschlagenen Bischofskandidaten „zumindest grundlegende Führungsfähigkeiten“ mitbrächten, was nicht der Fall gewesen wäre. Der Fehler liege außerdem im Wahlverfahren, da es dem Domkapitel nach Bekanntgabe der Kandidaten nicht ermögliche, genaue Erkundungen über ihre Persönlichkeit und Fähigkeiten einzuziehen. Diese Angaben gehen auf einen kath.net-Gastkommentar am 11. 10. von Michael Schmidt von der Domgemeinde Frankfurt zurück.

Auswahl der Bischofskandidaten nach Domherrenart

Zu Eltz’ Überlegungen laufen auf das Ergebnis hinaus: Nicht der Papst und die Bischofskongregation sollten die Bischofskandidaten prüfen, auswählen und ernennen, sondern jedes Domkapitel sollte Bischofsbewerber nach psychologischen Persönlichkeitstests auf Narzissmus und Führungsqualitäten selbst aussuchen können.

Zu diesem Verfahren, das ähnlich in den protestantischen Gemeinschaften praktiziert wird, passt die oben angesprochene  Interview-Außerung in der FAZ, nach der sich zu Eltz eine weitere Strukturanpassung an den Protestantismus wünscht.

Ein gnadenloser Dialektiker

Johannes Graf von und zu Eltz, wie sein voller Name lautet, ist ein eloquenter Dialektiker. Er kann scharfkantige Thesen aufstellen und kurze Zeit später ebenso markant Widersprüchliches dazu behaupten. Im Zusammenhang mit seiner Papstkritik vom Wochenanfang rechtfertigte er sich vor der Tageszeitung ‚Die Welt’: „Auch der Papst ist ein Mensch, der Fehler machen darf.“ Die dem Papst zugestandene Menschlichkeit mit Fehlern will er beim Bischof von Limburg als unverzeihliche Fehlentscheidungen verdammen. Eine zweite Chance für Tebartz-van Elst lehnt der Domherr gnadenlos ab. Im ZEIT-Interview hört sich das gleiche Thema ganz anders an: „Wenn ein Bischof Fehler macht, entsteht kein irreparabler Schaden an der Kirche, sondern wenn er keine machen darf.“ Hä?

Auf raffinierte Weise „Romtreue“ ins Gegenteil gewendet

Auch die folgende Verdrehung ist ein dialektisches Kabinettstückchen des Grafen zu Eltz:
ZEIT-Einwurf: „Manche sagen, Limburg war eben schon immer romfeindlich. Und Tebartz nicht.“
Eltz: „Unfug. Der Vorwurf, wir wollten den Bischof wegen seiner Romtreue abschießen, ist niederträchtig.“
In Wahrheit lief schon die erste Limburger Kampagne 2008 gegen Tebartz-van Elst genau unter dieser Stoßrichtung: „Kamphaus war Bischof von Limburg, Tebartz-van Elst ist ein Beamter und Statthalter Roms“. Die Medien übernahmen diese Kampfparole eines „ungenannten Klerikers“(vgl. den kath.net-Gastkommentar vom 31. 10.). Seither waren es immer wieder Entscheidungen der Kirchen-, Glaubens- und Rom-Treue des Limburger Bischofs, die die klerikalen Gegner Tebartz-van Elst’ mit Hilfe der Medien anprangerten. Auch bei der letzten Kampagne gegen den Bischof war nur vordergründig die Dombergbebauung Zielscheibe der Kritik. Der FAZ-Journalist Daniel Deckers hatte mit seinem gehässigen Artikel vom Sommer des Jahres die Kampfparole ausgegeben: Bischof Tebartz-van Elst ist eine „reaktionäre Kreatur“, der sich in „seiner Rom-Unterwürfigkeit von niemanden übertreffen lässt“. Darum wollten sie ihn weghaben.

Der Frankfurter Stadtdechant liest ja Zeitung und weiß das natürlich. Deshalb definiert er ‚Rom-Treue’ auf ganz raffinierte Weise um: „Wenn Romtreue heißt, Sorge um die Kirche, die doch auch unsere ist, dann hat Rom in Limburg treue Freunde.“ Die Wendung ‚Sorge um die Kirche’ ist heute vielfach zu einer billigen Formel geworden, mit der gerade anti-römische Initiativen von ‚Wir sind Kirche’ bis zur ‚Pfarrerinitiative’ ihren Kampf gegen eine glaubenstreue Kirche vernebeln. Die beliebig zu füllende ‚Sorge um die Kirche’ als ‚Romtreue’ auszugeben, ist wieder mal typisch für die dialektischen Verdrehungskünste des gräflichen Prälaten.

…selbst gern Bischof geworden: „Ich bin toll, ich kann das!“

Nebenbei gibt zu Eltz auch zu, dass er vor einigen Jahren selbst gern Bischof geworden wäre – mit der Selbstüberschätzung: „Ich bin toll, ich kann das.“ Heute sind ihm diese Trauben zu sauer geworden und er kämpft gegen den Bischof – aus Frustration und Enttäuschung? Schließlich kommt er aus einer alt-adligen Familie, die mehrere Fürstbischöfe hervorbrachte.

Zum Schluss übt sich der Frankfurter Stadtdekan auch noch in Kirchengeschichtsklitterung. Er behauptet: „Das Bistum Limburg hat eine starke Tradition der innerkirchlichen Debatte. Seit der Gründung 1827 ist ein demokratische Grundimpuls hier weit verbreitet.“ Das ist wieder so eine Begriffsverdrehung, wenn ‚innerkirchliche Debatte’ mit ‚Demokratie’ gleichgesetzt wird. Johannes zu Eltz sollte mal an einem Bischof-Blum-Kolleg teilnehmen, das Bischof Tebartz-van Elst eingerichtet hat. Dann würde er erfahren, dass der große Limburger Bischof des 19. Jahrhunderts, Peter-Josef Blum, in Glaubensfragen und Kirchendisziplin alles andere als „demokratische Impulse“ verbreitet hatte.

Unerträglich und aussichtslos

Zurück zum Limburger Domkapitel und dessen verkniffener Pressekonferenz. Das Rebellieren der drei Domkapitulare gegen den amtierenden Bischof läuft auf die Formel hinaus: Wenn wir dem Bischof als unserem Vorgesetzten das Vertrauen entziehen, dann hat er zu gehen. Solche Ansprüche und Aussprüche sollte man sich einmal in anderen gesellschaftlichen Institutionen vorstellen – etwa wenn Behördenmitarbeiter ihrem Chef das Misstrauen aussprechen oder die Ministerialdezernenten ihrem Minister öffentlich das Vertrauen entziehen, um ihn abzusägen.

Papst Franziskus und die Bischofskongregation können sich solche Frechheiten und Pressionen eigentlich nicht bieten lassen. Insbesondere die pauschale Kritik am Bischofsamt und seinen Kandidaten, wie sie Domkapitular Johannes zu Eltz in die Welt setzt, müsste  für den Papst und die Deutsche Bischofskonferenz unerträglich sein.

Auch die Situation im Bistum ist mit diesem bockigen Domkapitel unerträglich und aussichtslos verfahren. Selbst wenn Bischof Tebartz-van Elst zu allen Vorwürfen rehabilitiert und vom Papst zur Wiederaufnahme der Amtsgeschäfte eingesetzt würde – diese Domkapitel hat schon deutlich signalisiert: Wir werden bockig bleiben und nicht loyal sein!

Rücktritt des Domkapitels oder Auszeit zur Besinnung

Wenn aber der Papst  Bischof Tebartz-van Elst versetzen würde, müsste dieses Domkapitel einen neuen Bischof aus den päpstlich Vorgeschlagenen wählen. Dann würden diese Herren erneut ihre Bedenken und Bedingungen stellen: Johannes zu Eltz möchte eine Wahl nur nach vorheriger Persönlichkeitstest und Narzissmus-Prüfung vornehmen wollen; Günther Geis und Helmut Wanka würden vorab feststellen: Wir unterstützen den Bischof nur solange, wie er unser Vertrauen genießt – und dann ginge das Limburger Theater möglicherweise von neuem los.

Für beide möglichen Perspektiven gibt es vorab nur einen vernünftigen Schritt und Schnitt: Das bisherige Domkapitel sollte geschlossen zurücktreten und damit einen Neuanfang im Bistum ermöglichen. Für diesen Schritt plädieren schon einige Stimmen im Bistum – auch um die Mitverantwortung des Domkapitels bei der Dombergbebauung zu prüfen. Falls das Gremium den Rücktritt nicht aus eigenem Willen angeht, sollte der Papst per Dekret die Domkapitulare absetzen - oder ihnen zumindest eine längere Auszeit zur Besinnung gewähren. Denn mit diesem Domkapitel wird niemals Ruhe einkehren ins Bistum Limburg.