Haben Erbsünde und Erlösung für die katholischen Schüler in Hessen keine

Bedeutung?

 

 

Der Lehrplan für katholische Religion in Hessen präsentiert den Gott Jesu Christi als einen Gott, der modernen gesellschaftlichen Bedürfnissen und Befindlichkeiten entspricht.  Von Hubert Hecker.

 

Papst Benedikt XVI. hat in seiner Ansprache anläßlich des Ad-limina-Besuchs der deutschen Bischöfe bei den deutschen Oberhirten angemahnt, daß die Lehrpläne für den Religionsunterricht am Katechismus der Katholischen Kirche auszurichten seien, damit den Schülern im Laufe der Schulzeit das Ganze des Glaubens und der Lebensvollzüge der Kirche vermittelt werde.  

 

In der Vergangenheit sei nicht selten der Inhalt der Katechese gegenüber den didaktischen Methoden in den Hintergrund gedrängt worden, erklärte der Heilige Vater.

 

Diese Einschätzung des Papstes ist eine sehr vorsichtige Umschreibung der dramatischen Dimension des Glaubensverfalls, der in den schulischen Religions-Lehrplänen vieler Diözesen festgeschrieben und entsprechend im Religionsunterricht vielfach betrieben wird. 

 

Mithilfe von didaktischen Methoden und Strategien sind die Inhalte der katholischen Glaubenslehre völlig verändert worden in Richtung eines arianischen Zeitgeistchristentums. 

 

Die Würzburger Synode hatte bei seinen Beschlüssen zur Weitergabe des Glaubens an Kinder und Jugendliche eine strenge Trennung von Gemeinde-Katechese und schulischem Religionsunterricht verordnet.

 

Bei der Sakramentenkatechese in der Gemeinde etwa sollte der katholische Glauben und die kirchliche Lehre missionarisch vermittelt und ganzheitlich eingeübt werden, die schulischen Religionslehrer dagegen dürften ihren Schülern nur Anleitungen zur Reflexion von Texten und Erfahrungen geben.

 

Mit der sogenannten Korrelationsdidaktik sollen menschliche Erfahrungen mit der biblischen Offenbarung in Begegnung und Auseinandersetzung gebracht, „korreliert“ werden.

 

Dieser anthropologische Ansatz im Glaubenszugang führt zu einer christentümelnden Zeitgeistreligion mit biblischer Färbung, aber ganz bestimmt nicht zu der Offenbarungsreligion, wie sie die Kirche im depositum fidei bewahrt hat und verkündet.

 

Das lässt sich am aktuellen Lehrplan Katholische Religion (Gymnasium) für das Land Hessen zeigen, der vom Limburger Bischof Franz Kamphaus sowie den Bischöfen aus Fulda und Mainz genehmigt worden ist.

 

Gleich in der 5. Klasse wird der Anfang der Bibel verdreht und verkürzt.

 

Den Kindern wird die ‚gefallene Schöpfung’ unterschlagen, die Dornen und Disteln des „verfluchten Ackerbodens“, die Katastrophen und Brüche von Natur und Schöpfung.

 

Sünde und Sündenfall des Menschen verdrängen die Lehrplanmacher auch im Curriculum der 9. Klasse, wenn es um die Gestaltung der Schöpfung geht.

 

Hinter der Lehrplanposition steht die pelagianische Irrlehre, daß der Mensch ohne Gnadenhilfe aus eigener Kraft Gutsein, Heil und Erlösung erwirken könnte.

 

Man biedert sich der modernen Anthropo-Ideologie von Rousseau an, wonach die menschliche Natur keine Schwäche zum Bösen und keine Neigung zur Sünde zeige, sondern alle menschlichen Anlagen einfach „gut so“ seien.  

 

Wenn nun der adamitische Mensch in Wesen und Werken gut ist, dann ist auch kein ‚zweiter Adam’, kein erlösender Christus notwendig, erst recht keine Gottessohnschaft Christi.

 

In der Unterrichtseinheit „Jesus von Nazareth“ für die Klasse 5 kommen die Begriffe Messias oder Christus nicht vor.

Alle biblischen Geschichten und Aussagen, die Jesus Christus als Sohn Gottes zeigen und bezeugen, werden ausgeblendet oder uminterpretiert.

 

Vor diesem heute wieder verbreiteten Arianismus hatte erst kürzlich Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone gewarnt.

 

Jesus war nach dem Lehrplan allenfalls ein Mensch mit einer „besonders innigen Gottesbeziehung“ – ein Kennzeichen aller Frommen und Heiligen der Kirche.

 

Die Sorge Jesu um „Arme, Kranke und Ausgegrenzte“ sporne uns an für „menschenfreundliche Umgangsformen in der Lerngruppe“.

 

Der Lehrplan bringt Jesus Christus auf den Prototyp eines nachgehenden Sozialarbeiters herunter, macht ihn sozusagen zum ersten antiken Streetworker.

 

Das Reich Gottes wird dabei zu einem sozial-integrativen Gesellschaftsprojekt „geerdet“.  

 

Bei diesem Ergebnis rächt sich oder zeigt sich die Wahrheit, „daß man nicht an der Offenbarung der Erbsünde rühren kann, ohne das Mysterium Christi anzutasten, wie es im Katechismus der Katholischen Kirche in Nr. 389 erklärt wird.

 

Für die zentralen biblischen und theologischen Lehrstücke „Passion, Kreuzestod und Auferstehung“ ist nach diesem Muster auch nur Menschliches und Menschentrost zu erwarten.

 

„Grenzenlose Solidarität Gottes mit den Menschen“ zeige der Tod Jesu.

 

Der Lehrplan bezeugt nicht den Erlöser Jesus Christus, der seinen Leib und sein Blut für uns hingegeben hat, nicht das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt.

 

Kein Glaube an das Heilswirken Christi gegenüber unserer erbsündlichen Menschennatur wird vermittelt, keine Hoffnung auf die Überwindung der Erbsündenstrafe von Leiden und Tod im ewigen Leben.

 

Allenfalls sollen die Passionsberichte den katholischen Schülern in Hessen „Trost und Hoffnung in schwierigen Lebenslagen“ geben.  

 

Die „Auferstehung der Lebenden“(!) versteht der Lehrplan als innerweltlichen Impuls, gegen „Ungerechtigkeit, Widerstände und Unzulänglichkeiten“ vorzugehen: Das seien „auferstehungsähnliche Erfahrungen mitten im Leben“.

 

Weil die Erbsündigkeit für die Bestimmung des Menschen keine Rolle spielt, das Kreuz Christi keine grundlegende Erlösungsbedeutung beinhaltet, können auch Taufe und Eucharistie keine sakramentale Heilswirkung zugesprochen werden.

 

Die Sakramente von Taufe und Firmung sollen die Religionslehrer in der Klasse 7 nur noch als „Symbole“ darstellen.

 

Wenn die „menschliche Erfahrung und Befindlichkeit“ allein Maß und Maßstab für die Auslegung des Wortes Gottes sind, dann wird das Anderssein Gottes

sehr schnell auf das Menschliche nivelliert.  

 

Der Lehrplan für katholische Religion in Hessen präsentiert den Gott Jesu Christi als einen Gott, der menschlich-gesellschaftlichen Bedürfnissen und Befindlichkeiten entspricht.

 

Der Autor ist Fachlehrer für Katholische Religionslehre an einer hessischen Schule.