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Glauben in Zeiten der Not

Prof. Hubert Windisch

Das Coronavirus erschüttert den Erdkreis. Die Gefahren und Einschränkungen, die mit der raschen Ausbreitung dieses Krankheitserregers einhergehen, sind enorm. Die medizinischen Möglichkeiten zur Bekämpfung des Virus sind noch gering, ja es droht sogar, je nach Land verschieden, zu medizinischen Zusammenbrüchen zu kommen. Die wirtschaftlichen Folgen der jetzigen Krise sind nicht abzusehen. Das bisher gewohnte gesellschaftliche Leben steht vor einem Kollaps. Die staatlichen Behörden und die politischen Führungen der einzelnen Länder müssen zum Schutz ihrer Bürger ungewohnte, drastische Maßnahmen bezüglich des Sozialverhaltens ergreifen.

Wo findet eine betroffene Gesellschaft und der einzelne in ihr in dieser Krise inneren Halt? Man möchte meinen, das wäre eine außerordentliche Stunde der Kirche. Aber leider reagieren einzelne Bischöfe und ganze Bischofskonferenzen panisch und verdoppeln so nur die Hoffnungslosigkeit der Menschen, indem sie Kirchen zusperren und die Feier der Sakramente, zumal der Eucharistie, verbieten. Sicher können sich die Bischöfe und Pfarrer nicht über die Vorsichtsmaßnahmen der Behörden hinwegsetzen, aber die Nähe zur angsterfüllten und fragenden Bevölkerung sollte, auf welch kreative Weise auch immer, erhalten bleiben. Das Don-Camillo-Kreuz, das der Pfarrer von Brescello auf dem Kirchplatz aufstellen ließ, damit die Gläubigen davor beten und eine Kniebeuge machen können, ist ein Beispiel. Oder der italienische Pfarrer, der allein mit dem Allerheiligsten in der Monstranz segnend durch seine Pfarrei ging. Warum nicht täglich ein paar Stunden eine stille Anbetung des Allerheiligsten bei offener Kirche? Man kann sich als Priester vor der Kommunionausteilung sichtbar die Hände desinfizieren und das auch benennen und gleichzeitig gläubig darauf hinweisen, daß auf der geisterfüllten Hostie, dem Leib Christi, sicher kein Virus sitzt.

Die augenblickliche Erschütterung ist auch eine Herausforderung, in der kirchlichen Verkündigung wieder tiefer zu schürfen. Wie sehr wurde doch die Botschaft vom dreifaltigen Gott weichgespült zu einer Allerweltswohlfühlrede und der Herr des Weltalls zur Westentaschengröße geschrumpft, so sehr, daß er in der kirchlichen Alltagsagenda kaum noch eine Rolle spielt. So bleiben viele amtliche Christen stumm vor der Frage: Warum läßt Gott eine solche Krankheit zu? Sie müßten sich dem weltweiten Größenwahn der Menschen in ihrem Machbarkeitstaumel stellen und den Blick lenken auf den Gott der Bibel, über den wir nicht richten können (vgl. das Buch Ijob). Gott ist ein mysterium fascinosum et tremendum, ein faszinierendes und erschreckendes Geheimnis zugleich. Dieser Gott der Bibel ruft alle Sterne bei ihrem Namen, heißt es in Ps 147,4 und bei Jes 40,26, er läßt verheerende Stürme zu, Vulkanausbrüche, tödliche Wassermassen und Erdbeben. Auch ein Coronavirus treibt nicht ohne Gottes zulassendes Wissen sein Unwesen. Und sogar der Teufel darf vor dem Ende der Zeit noch einmal aus den Ketten (vgl. Apokalypse).

Besinnung tut not, Besinnung darauf, daß wir sehr begrenzte Geschöpfe sind. Wir leben in Grenzen und mit Grenzen, physischer und psychischer, intellektueller, moralischer und sozialer Art. Keiner von uns wird dem Tod entrinnen. Es gilt, unsere Grenzen neu in Demut anzuerkennen und nicht sein zu wollen wie Gott (vgl. Gen 3). Realistische Nüchternheit also darf wieder fester Bestandteil kirchlicher Verkündigung werden. Politische, soziale und moralische Naivitäten hingegen verbieten sich. Und gleichzeitig dürfen wir uns in unseren Grenzen aufrichten, denn Gott ging in Jesus selbst in unsere Grenzen ein, um sie mit uns zu bestehen (vgl. Phil 2). Die Kreuzerhebung, nicht die Kreuzablegung durch die Kirche ist angesagt, damit alle, die unter das Kreuz treten, nach Mk 6,53-56 die Hoffnung haben können, geheilt zu werden, wenn nur der Schatten des Gekreuzigten auf sie fällt. Stat crux, dum volvitur orbis. Wird auch der Erdkreis erschüttert, fest steht das Kreuz.