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Die Kirche des Aggiornamento

Wir aber suchen die Kirche des Evangeliums,
mit dem Tabernakel in der Mitte des Altares,
dem ewigen Licht der Gegenwart Gottes!
Dem HERRN zugewandt,
vor dem eine Kniebeuge
das erste Ehrfurchtszeichen war
beim Betreten des Gotteshauses,
dessen Türen immer offen waren

Was hat der Unterwanderungsteufel uns angetan !
Stück für Stück  erNEUert – der Räuber und Mörder von Anbeginn

Und wir haben ihm den „roten Teppich“ -
unserer ahnungslosen Gutmütigkeitsträgheit
a u s g e b r e i t e t   -
den er siegreich lachend betreten hat -

„Veni Creator Spiritus !“
Werden wir das von Herzen nochmal beten und singen?
Dich weinend herbeirufen!
Ohne Dich können wir in diesem Tale der Tränen
nicht ausharren bis ans Ende.
Ohne den Geist der Stärke sind wir verloren!
Den Geist der Weisheit und der Furcht des Herrn

VENI CREATOR SPIRITUS !

Pfingstsonntag 2020                                          C.  A.  Weißenstein

Zitat: „Der Heilige Geist hat uns verlassen! - schrieb mir Bischof Schick vom  Bamberger Dom vor einigen Jahren.





Nachtrag zum 8. Mai
Geschichtspolitische Indoktrination mit „deutscher Schuld“

Von Hubert Hecker.

Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes absolvierten die Spitzen des deutschen Staates ein stilles Gedenken für die Kriegsopfer in der Neuen Wache im Zentrum der Bundeshauptstadt. Das ehemalige preußische Wachgebäude war 1931 als Gedächtnisstätte für die Gefallenen des Weltkriegs umgestaltet worden. Nach der Wiedervereinigung wurde es zur Zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft umgewidmet. Im Mittelpunkt des Gedenkraums steht die säkulare Pietá-Plastik Mutter mit totem Sohn von Käthe Kollwitz. Diese Darstellung ersetzt seit 1993 den schwarzen Kubus mit Eichenlaubkranz. Die neue Symbolik signalisiert den Übergang vom national-soldatischen Heldenmythos zum universalistischen Opfergedenken.

Gedenken der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

Im Jahre 1952 regelte der bundesdeutsche Gesetzgeber das Gedenken an die Kriegsgefallenen noch in traditioneller Weise im sogenannten Kriegsgräbergesetz als „Sorge um die (deutschen) Kriegsgräber“. Anfang der 60er Jahre wurde in Bonn erstmals eine neue Formel geprägt. Die dortige Universität ließ im Bonner Hofgarten eine Gedenktafel aufstellen mit der Widmung: „Den Opfern der Kriege und der Gewaltherrschaft“. Mit der Einweihung am symbolischen Datum vom 17. Juni 1964 war damals vor allem die kommunistische Gewaltherrschaft der sowjetisch beherrschten DDR gemeint – etwa in Erinnerung an die Opfer bei der Niederschlagung des Aufstands vom 17. Juni 1953 in zahlreichen Städten der DDR. Das Entscheidende und Zukunftweisende an der neuen Formel war aber der neutrale Begriff ‚Gewaltherrschaft‘, der Kritik an jeder totalitären Herrschaftsform ohne demokratische Legitimation, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung impliziert.  In diesem allgemeinen Sinn findet sich der Begriff schon ein Jahr später in dem neugefassten „Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“, wenn unter Weglassung des Artikels ganz allgemein von Kriegs- und Gewaltherrschaftsopfern gesprochen wird. Zugleich wird mit der Gleichstellung von Gewalt- und Kriegsopfern der (passive) Opferstatus der Gefallenen herausgestellt. Damit markierte die Formel die endgültige Abkehr vom Heldenmythos der Kriegsteilnehmer, die angeblich mit aktiver Aufopferung ihr Leben gelassen hätten.

Mit der Ausweitung des Gedenkens an die Opfer von Gewaltherrschaft kommen die verschiedenen zivilen Opfergruppen in den Blick. Und schließlich soll die gesamte Gedenkkultur „dazu dienen, … für zukünftige Generationen die Erinnerung daran wach zu halten, welche schrecklichen Folgen Krieg und Gewaltherrschaft haben“ (§ 1, Absatz 1 des Gräbergesetzes. Mit den Bestimmungen und Zielsetzungen des sogenannte Gräbergesetzes waren die Eckpunkte einer epochalen Veränderung der Gedenkkultur in Deutschland gesetzt.  

Nach dem stillen Gedenken in der Berliner Neuen Wache hielt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Fernsehansprache zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs. Er stellte seine Rede unter das Motto: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung.“ Damit knüpfte er an das gleichlautende Wort Richard von Weizsäckers aus seiner Rede zum Kriegsende vor 35 Jahren an. Der Begriff vom Befreiungstag war und ist umstritten – nicht nur, weil er aus dem ideologischen Staatsbegründungsmythos der DDR stammt. Das historische Kriegsende-Datum auf dieses Wort zu verengen ist weder historisch zutreffend und berechtigt noch zukunftsfähig – auch nicht im europäischen Kontext.

US-Direktive 1945: „Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung.“

Die US-amerikanische Siegermacht hatte in der bis 1947 gültigen Besatzungsdirektive die Ziele ihrer Militärregierung festgelegt. Im Abschnitt 4.1 heißt es: „Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als ein besiegter Feindstaat.“[1]

Die britische Besatzungsmacht sah das ähnlich. De Gaulle erklärte als französischer Ministerpräsident im Oktober 45 vor französischen Besatzungsoffizieren, Frankreich strebe zwar keine volle „Annexion“ an, aber eine „unbegrenzte Kontrolle“ über die besetzten linksrheinischen Gebiete, die schon „der Natur nach mit ihm verbunden sind“.[2] Stalin erklärte zwar für die Sowjetisch Besetzte Zone (SBZ) den Faschismus als besiegt, aber nur mit Absicht und Ziel, anstelle der braunen Gewaltherrschaft die davon befreiten Ostdeutschen zwangsweise mit der roten Herrschaft der kommunistischen Diktatur des Arbeiter- und Bauernstaates zu beglücken. Von den Alliierten war also keine Befreiung Deutschlands angestrebt. 

Auch für zig Millionen Deutsche bedeutete der 8. Mai 45 das Gegenteil von Befreiung:
▪ Mit dem Kriegsende wurde die Zahl von über 11 Millionen deutsche gefangene Soldaten komplettiert. Nach der Kapitulation wurde den amerikanischen Gefangenen die Essensportionen auf eine Hungerration reduziert. Viele starben auf den Rheinwiesenlagern.
▪ Ca. 12 bis 14 Millionen Deutsche und deutschstämmige Angehörige waren seit 1944/45 von Flucht und Vertreibung betroffen. Sie wurden von ihrer Heimat ‚befreit‘.
▪ Durch das alliierte Flächenbombardement der deutschen Innen- und Wohnstädte waren ca. 600.000 Zivilisten getötet worden. Mehreren Millionen Deutschen wurden die Wohnungen zerstört.
Für alle diese Großgruppen, damals etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung, traf das Diktum vom 8. Mai als Tag der Befreiung jedenfalls nicht zu.

Und was war mit den etwa 14 Millionen erwachsenen Deutschen in der NSDAP und den NS-Massenorganisationen? Es wäre widersinnig, die Täter und aktiven Profiteure der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in den Kreis der Befreiten vom Faschismus einzubeziehen.

In der Abgrenzung der Nazis von den Nicht-Nazis liegt der Schlüssel für die Klärung der Befreiungsfrage: Mit dem Untergang des NS-Staates am 8. Mai wurde die Mehrheit der Deutschen von der Tyrannei des nationalsozialistischen Parteiregimes befreit. So ähnlich hatte es schon 1965 der damalige Bundeskanzler Ludwig Erhard gesagt. Zehn Jahre später nannte Bundespräsident Walter Scheel den 8. Mai einen „widersprüchlichen“ Tag mit ambivalenten Bedeutungen. Er war eben auch der Tag der Kapitulation und damit das ersehnte Ende des Soldatensterbens im Krieg sowie der verheerenden Bombenangriffe noch in den letzten Kriegsmonaten.

Der 8. Mai 1945 bedeutete das Ende von Krieg und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft

Der 8. Mai 1945 ist als Ende von Krieg und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft realitätsgerecht und umfassend definiert. Die totale Niederlage der NS-Tyrannei ermöglichte den Beginn einer neuen freiheitlich-rechtsstaatlich-demokratischen Entwicklung. Die knüpfte an die Demokratie der ersten deutsche Republik von Weimar an und legte mit der Verabschiedung des neuen Grundgesetzes durch den Parlamentarischen Rat am 8. Mai 1949 den Grundstein für die neue Bundesrepublik Deutschland.

Wie oben erwähnt, hielt dagegen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Gedenkansprache an dem Wort vom Befreiungstag fest. Aber er relativierte es auch: Die Befreiung sei von außen gekommen und damit unvollständig geblieben. Erst in Jahren und Jahrzehnten danach hätte die Kriegs- und Nachkriegsgeneration sich mit der „inneren Befreiung“ auf den „schmerzhaften Weg“ der Selbstaufklärung und Vergangenheitsaufarbeitung gemacht. Schließlich hätten es auch die eingemauerten Ostdeutschen geschafft, mit der friedlichen Revolution „die Befreiung“ zu erreichen – offenbar die Befreiung vom kommunistischen Unrechtssystem. Wenn sich aber die Menschen der ehemaligen DDR erst 45 Jahre nach Kriegsende befreien konnten, dann kann es mit dem angeblichen Tag der Befreiung am 8. Mai 1945 nicht viel auf sich gehabt haben. Diesen Zusammenhang wollten die DDR-Machthaber mit ihrem ‚Tag der Befreiung‘ verschleiern. Und ausgerechnet dieser Ansatz wird uns heute als wichtige historische Erkenntnis präsentiert?

Die Erfahrung der Ostdeutschen gilt für alle Länder des ehemaligen Ostblocks. Der in Osteuropa am 9. Mai 45 gefeierte Sieg Stalins und der Roten Armee besiegelte ihr Schicksal, für über vier Jahrzehnte unter der sowjetischen Oberherrschaft in kommunistischen Unterdrückungsstaaten eingesperrt zu sein. Erst in den 80er Jahren konnten sie sich mühsam daraus befreien. Der Gedenktag vom Kriegsende, der nach Steinmeier für die Deutschen ein „Tag der Dankbarkeit“ sein soll, war und ist für die meisten Osteuropäer ein Tag trauriger Erinnerung an das abschreckende Ereignis ihrer Unterwerfung. Die europäische Erinnerungskultur zu diesem Datum ist gespalten, der deutsche Vorschlag vom Befreiungstag ist für ganz Europa nicht konsensfähig.  

Nach Daniel Goldhagens Ansatz in seinem Buch: „Hitlers willige Vollstrecker“ ist es weit verbreitet unter Politikern, Historikern und Schulbuchautoren, Krieg und alle Grausamkeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft als ‚deutsche Schuld‘ allen Deutschen aufzuladen. Steinmeier liegt auf dieser Linie, wenn er behauptet: „Wir (Deutsche) hatten uns die ganze Welt zum Feind gemacht.“ Nach Richard von Weizsäcker war es Hitler, der als „treibende Kraft“ den „Krieg um die Herrschaft über Europa“ gewollt, geplant und befohlen hatte. Und Hitler hatte in Partei und Staat, Militär und Wirtschaft mächtige Gefolgsleute, die seine Weltherrschaftspläne umsetzten.

Die ehemaligen Kriegsgegner wussten und sagen es ebenfalls, dass sie nicht gegen das deutsche Volk, sondern gegen ‚Hitler und seine Tyrannei der Nazis‘ kämpften (Boris Johnson) oder gegen die ‚Hitler-Faschisten‘, so die Sowjets. Der deutsche Bundespräsident dagegen will von diesen realhistorischen Ursachen und Tätern nichts wissen. Er spricht zweimal von den „beispiellosen deutschen Verbrechen“. Waren für die Exzesse des Vernichtungskrieges und die Massenmorde an Juden, Slawen und anderen Volksgruppen nicht die Nazi- und Militärführung, die SS-Einsatzgruppen und der NS-Unterdrückungsapparat verantwortlich? Steinmeier dagegen will die „Verantwortung für millionenfachen Mord und millionenfaches Leid“ unserem Land und letztlich als „Schuld dieses Landes“ den Deutschen aufbürden. „Wir“ müssten die „historische Verantwortung“ auf uns nehmen. Wie können wir die Verantwortung für die historischen Verbrechen des Nazi-Regimes übernehme, für die die meisten damaligen Zeitgenossen nicht verantwortlich waren – und die heutigen Deutschen erst recht nicht?

Wird man als Deutscher mit „deutscher Schuld“ geboren?

Weizsäcker wusste noch, dass Schuld immer nur persönlich zugerechnet werden kann, und zwar den Tätern und nicht den Nachkommen. Sie darf auch nicht auf ein Kollektiv oder „einem ganzen Volke“ aufgeladen werden. Steinmeier dagegen hat sich auf einen überpersönlichen Schuldbegriff in quasireligiöser Dimension festgelegt, der nur für Deutsche gilt. Bei seiner Rede zum 80. Jahrestags des Überfalls auf Polen sagte der Bundespräsident: Angesichts des „grenzenlosen Zynismus der deutschen Angreifer“ und dem Terror der folgenden sechs Kriegsjahre müsste doch jeder Deutsche „Scham empfinden“. Als Begründung zitierte er Thomas Mann: „Man hat es mit Deutschland und deutscher Schuld zu tun, wenn man als Deutscher geboren ist.“ Demnach wäre die spezifische deutsche Schuld vergleichbar der Erbsünde von Geburt an nach der Lehre des Augustinus. Allerdings kann die religiöse Erbschuld durch die Taufe abgewaschen und getilgt werden. Für die Schuld der Deutschen gibt es dagegen keine Erlösung (siehe unten).

Das Fatale an dem Narrativ von der „deutschen Schuld“ und den „deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern“ (Kanzlerin Merkel am 1. 9.2009 in Danzig) besteht zudem darin, dass damit die nationalsozialistischen Terrortruppen wie SS und SA, Einsatzgruppen und Sicherheitsdienst unsichtbar gemacht werden, indem sie in der grauen Masse der beschuldigten Deutschen verschwinden. Doch die spezifischen Motive und Ziele der Massenmörder des Dritten Reichs kam nicht aus ihrem Deutschsein, sondern aus der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus – etwa bei Hermann Göring, der bei einem Gespräch 1942 meinte: „In diesem Jahr werden 20 bis 30 Millionen Menschen in Russland verhungern.“ Jedenfalls sollte im Deutschen Reich kein Mangel an Fett herrschen. Oder Himmler bei seiner Posen-Rede am 4. Oktober 1943: „Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10.000 russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird.“ Muss sich jeder Deutsche für diesen rassistisch motivierten Zynismus der NS-Massenmörder fremdschämen?

Wenn man die klare historische Unterscheidung zwischen schuldigen Nazis und der Mehrheit der nicht-schuldigen Deutschen missachtet oder verwischt, gleitet die Argumentation ins Diffuse ab – etwa mit dem Spruch: „Es gibt keine Erlösung von unserer Geschichte“. Wer will denn sowas? Was hat bei einer historischen Erinnerung und Bewertung der überhöhte Ton einer religiös aufgeladenen Symbolsprache zu suchen? Gerne wird in diesem Zusammenhang auch eine Rabbispruch beigesteuert – wie etwa das vielzitierte Wort: „Das Geheimnis der Erlösung ist die Erinnerung“. Das konnte Steinmeier nicht mehr bringen, weil er schon das Gegenteil behauptet hatte (siehe oben). Dafür zitiert er dann Rabbi Nachman: „Kein Herz ist so ganz wie ein (an der Liebe) gebrochenes Herz.“ Man durfte gespannt sein, wie der Redner mit dieser Liebeskummerlyrik die Kurve zu Krieg und NS-Diktatur hinkriegte: „Die deutsche Geschichte ist eine gebrochene Geschichte. Das bricht uns das Herz. Deshalb kann man dieses Land nur mit gebrochenem Herzen lieben.“

Kollektivschuldanklagen der Alliierten in der Nachkriegszeit

Die Tendenz, allen damaligen Deutschen die Schuld für die Naziverbrechen zu geben, war auf Seiten der Westalliierten schon zum Kriegsende sehr verbreitet. Dafür steht eine Aussage im Kommuniqué der Potsdamer Konferenz: „Das deutsche Volk“ müsse überzeugt werden, dass es „Verantwortung“ dafür habe, dass die „mitleidlose Kriegsführung und der fanatische Widerstand der Nazis … Chaos und Elend“ herbeigeführt hätten. Aber auch ganz unverdächtige Zeitzeugen wie der linksliberale englische Schriftsteller George Orwell stehen für diese Kollektivschuldthese. Orwell war als Korrespondent ab März 1945 in Deutschland unterwegs, um „die totalitäre Gesellschaft hautnah zu erleben“ z. B. in Köln. Er wollte dort die Menschen treffen, „die einmal Europa vom Ärmelkanal bis zum Kaspischen Meer beherrscht haben und die auch unsere Insel beinah erobert hätten“. Er fand sie nicht. Denn die Nazi-Verantwortlichen für den Krieg gegen halb Europa hatten sich umgebracht oder waren interniert. Enttäuscht schrieb er: „The Herrenvolk are all round you und bahnt sich auf Fahrrädern den Weg durch die Schuttberge.“[3] Eine neue Spezies Mensch sei hier nicht zu entdecken. Der blond-blauäugige Typ der Nazi-Propaganda habe sich wohl rar gemacht. Offenbar hatte er die Nazi-Propaganda vom Herrenvolk als reale, beschreibbare Wirklichkeit gelesen, verstärkt durch die Widerspiegelung der britischen Propaganda, nach der die Deutschen als ein barbarisches Hunnenvolk verketzert wurden. Er glaubte auch daran, dass sich „eine ganze Nation Hitler zu Füßen“ geworfen hätte.

Aber auch ohne Übernahme von NS-schwülstigen Parolen konnte die rassistische Abwertung des Nachbarvolkes Fuß fassen. Aus Paris berichtete Orwell von einer total verhärteten Einstellung gegenüber den Deutschen: „Nachdem wir sie vier Jahre bei uns hatten“, sagte sein Gesprächspartner, „fällt es mir einfach schwer zu glauben, dass die Deutschen zur selben Menschenrasse gehören wie wir.“

Im bayrischen Franken fuhr der Autor über „von Kirschbäumen gesäumte Straßen durch eine Landschaft mit terrassierten Weinberger und frommen Bildstöcken am Wegesrand“. Diese Szenerie ländlichen Friedens stellte er in Kontrast zu „dem Terror, den dieses Land in die Welt gesetzt hat“: „Wie können diese so schlichten und freundlichen Landbewohner, die am Sonntag im ehrbaren Schwarz zur Kirche strömen, für die Nazigräuel verantwortlich sein?“ In der Formulierung glaubt man eine rhetorische Frage zu erkennen mit der gemeinten Aussage: Die kleinen Leute in den katholisch geprägten Dörfern des Würzburger Landes sind nicht verantwortlich für die Naziverbrechen. Aber das war nicht die Absicht des Autors, wie der nächste Satz zeigt: „Die Nazibewegung hat schließlich von diesem Teil Deutschlands ihren Ausgang genommen.“ Orwell schließt aus den kleinen Anfängen der NSDAP in München darauf, dass später das gesamte Bayern bis ins kleinste Dorf nazi-verseucht gewesen wäre und die Dörfler verantwortlich an den Nazi-Verbrechen teilgenommen hätten. Adorno hatte in seinem Buch zum autoritären Charakter auf S. 289 eine ähnliche Ansicht vertreten. Nach seiner Meinung wären die katholischen Frauen aus Bayern besonders anfällig für die Ersatzreligion des Faschismus gewesen, was er u. a. damit begründete: „Schließlich verbreitete sich der Nationalsozialismus von Süddeutschland aus, das eine starke römisch-katholische Tradition hat.“ Die Thesen hatten sich die beiden Autoren aus den Fingern gesogen. Empirisch nachweisbar ist, dass die Nazis bei den letzten freien Wahlen 1932 in katholisch geprägten Gemeinden nur etwa die Hälfte der Stimmen bekamen, die sie im Reichsdurchschnitt erhielten. 

Als Ergebnis der Darstellung der Geschichte der Gedenkkultur(en) sowie der ausführlichen Erörterung der Gedenkreden zum 8. Mai sind zwei gegenläufige Tendenzen der Erinnerungskultur auszumachen:

▪ Auf der einen Seite steht die Entwicklung der Nachkriegszeit. Mit dem neuen Gräbergesetz von 1965 wurde das traditionelle Heldengedenken abgelöst durch die Erinnerung an die Kriegstoten als passive „Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“. Unter diesem Titel finden seither alle öffentlichen Gedenkfeiern für die Kriebsverstorbene statt, auch die offizielle Staatszeremonie am 8. Mai 2020 in der Berliner Neuen Wache. Auf dieser Linie bewegt sich der Autor in diesem Buch.
▪ Andererseits kristallisiert sich aus der Gedenkrede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine ganz andere Richtung der Erinnerungskultur heraus. Im Vergleich zur Rede Richard von Weizsäckers vor 35 Jahren verschiebt der derzeitige Bundespräsident die Verantwortung an Krieg, Kriegsverbrechen und millionenfachem Leid von der nationalsozialistischen Staatsführung und ihrem Unterdrückungsapparat auf „dieses Land“ und die Deutschen der Kriegsgeneration. Zusammengefasst ist diese Schuldverschiebung in dem Begriff der „deutschen Schuld“.

Geschichtspolitische Indoktrination im Geschichtsunterricht

Auch der hessische Kultusminister Alexander Lorz hält es für den Bildungsauftrag unserer Schulen, der heutigen Schülergeneration das „Bewusstsein für die deutsche Schuld an Krieg und Holocaust (…) zu vermitteln“. Tatsächlich geschieht das in Teilen des Schulwesens schon seit Jahren, nachzulesen in den Schulbüchern. Im Klett-Geschichtsbuch für die Mittelstufe wird in den zweiseitigen Ausführungen zum 2. Weltkrieg und seinen „unvergessenen Verbrechen“ 18 Mal das Adjektiv ‚deutsch‘ gebraucht – z. B. „deutscher Krieg“, „deutsche Truppen“ oder „deutsche Lager“ etc.[4] Unterschlagen werden in dem Text Hitlers kriegsverbrecherische Vernichtungsbefehle, Himmlers rassistische SS-Totenkopfverbände, Görings Ausbeutungsplan zum Verhungern von 30 Millionen slawische Zivilisten, die Säuberungsbefehle von willfährigen Generalen oder die Praxis der Militärbürokratie, gefangene Russen durch Arbeit und Essensentzug umzubringen. Nach diesen Ausblendungen bleibt den Schülern nur die Schlussfolgerung, als wenn für Krieg und Kriegsverbrechen allein die deutschen Soldaten verantwortlich gewesen wären.

Als Folge solcher geschichtspolitischen Indoktrination im Geschichtsunterricht werden Schüler für linksextreme Parolen und Gruppen anfällig, die Soldaten grundsätzlich als Mörder und deutsche Soldaten im 2. Weltkrieg pauschal als Täter brandmarken – so geschehen in Limburg am 9. 5. 2020. Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes veranstaltete das linke Bündnis Courage eine Demonstration und Kundgebung unter Beteiligung linksradikaler Kräfte. „Auf den Transparenten stand unter anderem: ‚Meine Oma war 33-45 dabei – war scheiße‘.“[5] Der Versammlungssprecher erklärte das Denkmal zur Erinnerung an die gefallenen deutschen Soldaten auf dem Gelände der WERKStadt zu „einem Ärgernis. Damit würden Täter und nicht Opfer gewürdigt.“ Der WERKStadtbesitzer sollte dieses öffentliche Denkmal endlich beseitigen lassen.

Die Behauptung des linken Demonstrationssprechers, alle kriegsgefallenen Deutsche wären Täter gewesen, übertrifft noch die ideologischen Konstrukte der ehemaligen DDR. Aber sie ist die Folge jenes Narrativs, nach dem die Motive, Ziele und Befehle der politischen und militärischen NS-Führer explizit oder stillschweigend (wie oben aufgezeigt) auf die Masse der deutschen Soldaten übertragen wird.  Die These ist völlig realitätsfern, wie ein bekannter Zeitzeuge aus der Zeit des 3. Reichs erläuterte:

Richard von Weizsäcker begann im Herbst 1938 seinen Militärdienst als einfacher Soldat. Am 1. September war er bei der ersten Angriffswelle im polnischen Korridor eingesetzt, später als Ordonanzoffizier im Russlandkrieg. Nach seiner Erfahrung hielt sich die Mehrheit der einfachen Soldaten und auch ein Großteil der Offiziere an die kriegsrechtlichen und ethischen Regeln von „Anstand und Disziplin“, wie er in einem SPIEGEL-Gespräch von 2009 sagte.[6] In seiner 8. Mai-Rede von 1985 fasste er die Stimmungslage der überwiegenden Mehrheit so zusammen: „Die meisten Deutschen hatten geglaubt, für die gute Sache des eigenen Landes zu kämpfen und zu leiden.“



[1] Direktive JCS 1067vom 26. April 1945, in: Buchner Kolleg Geschichte. Vom 2. Weltkrieg bis zur Gegenwart, 1997, S. 111

[2] Ebenda, S. 112

[3] Leichenschau des erlegten Drachen. Von Werner von Koppenfels, FAZ 9. 5. 2020

[4] Geschichte und Geschehen 4, Unterrichtswerk für die Sekundarstufe I, Klettverlag 2002, S. 113f

[5] 100 Demonstranten gegen Rechts, NNP 11. 5. 2020

[6] „Es war grauenhaft“, SPIEGEL-Gespräch mit dem ehemaligen Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Ausgabe 35/2009

 

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