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Biblische Ignoranz, aber lautstark nach einer Traumkirche 2.0 rufen

Auf der Frankfurter Regionalkonferenz des ‚Synodalen Wegs‘ Anfang September gab es heftige Auseinandersetzungen um die Frage: Welche biblischen Grundlagen hat die Thematik Frauen und kirchliche Ämter?

Eine Arbeitsgruppe zu dem Forum III „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ hatte ein Arbeitspapier vorgelegt, in dem biblische Begründungen für die Ansprüche von Frauen auf kirchliche Ämter gegeben werden. In dem Text heißt es unter anderem: „Jesus hat Jüngerinnen und Jünger, weiht niemanden.“ Mit dieser Gleichstellungsbehauptung zu Jesu Jüngerschaft werden einerseits die Ansprüche von Frauen an Machtpartizipation als biblisch fundiert behauptet, andererseits stellt man die kirchlichen Priester- und Bischofsweihen als biblisch unbegründet in Frage. Eine Bloggerseite folgerte aus diesem Ansatz: Damit ist auch die Forderung nach Diakon- und Priesterweihe für Frauen vom Tisch.

Bischof Rudolf Voderholzer hatte schon im Vorfeld der Regionalkonferenz dem Argumentationsstil des umstrittenen Papiers bescheinigt, jedes theologische Niveau vermissen zu lassen mit einer „einseitig verfälschten Bibeltheologie“: Da die Sakramente zur nachösterlichen Kirche gehören, wird man sie in der Verkündigung Jesu vergeblich suchen. Jesus selbst hat nicht getauft, gefirmt, geweiht oder die Beichte gehört. Aber er hat seinen Aposteln Auftrag und Vollmacht zu den sakramentalen Grundzügen der Kirche für die Zeit nach seiner Auferstehung gegeben, die er mit der Geistsendung bestätigt hat.

Über diese biblische Argumentation hinaus zitierte Bischof Voderholzer eine Passage aus der diesjährigen Amazonas-Enzyklika des Papstes, die Weihen für Frauen ausschließt: Jesus Christus zeige sich in der Eucharistiefeier in der Gestalt eines Mannes, der ihr vorsteht als Zeichen des einen (Hohen-) Priesters (Jesus Christus). Die an sich selbstverständliche Feststellung des Mannseins Jesu und des ihn ‚in persona Christi‘ vertretenden Priesters wird heutzutage selbst von Bischöfen infragegestellt, um Weihen für Frauen den (synodalen) Weg zu bahnen. So behaupten Bischof Bode sowie erst kürzlich Erzbischof Heße von Hamburg: "Christus ist Mensch geworden und nicht Mann geworden". Demnach wäre der jüdische Junge Jesus am achten Tage nach der Geburt nicht an seinem männlichen Glied, sondern an seinem Menschsein beschnitten worden – eine absurde Idee. Im Sinne Bodes wäre weiterhin zu folgern, dass Jesus nicht zwölf Männer zu Aposteln berufen und beauftragt hätte, sondern zwölf Menschen – von undefinierbarem Geschlecht? In das Evangelium soll offenbar die Gender-Verwirrung („gender trouble“) eingeführt werden mit der Relativierung des natürlichen Geschlechts von Mann und Frau.


Beschneidungsszene Dom Frankfurt Foto[1]: Beschneidung Jesu, Fresco im Frankfurter Dom von ca. 1420:
Jesu Pflegevater Josef mit einem jüdischen Gebetsschal hält den
Jesusknaben zur Beschneidung hin.

 

Nach der Debatte von Bischöfen und Theologen zu den einschlägigen Bibelstellen meldete sich ein Synodal-Mensch eindeutig weiblichen Geschlechts zu Wort. Die Bundesvorsitzende der Katholischen Landvolk-Bewegung meinte, zum biblischen Befund könne sie nichts sagen, aber umso mehr zu notwendigen Änderungen der Kirchenlehre: „Wenn sogar das Urgestein des westfälischen Katholizismus‘, die westfälischen katholischen Landfrauen schon zu Maria 2.0 überlaufen, dann ist es Zeit für Veränderungen“ (FAZ 5. 9. 20). Allerdings sind die westfälischen Menschinnen unter dem Banner „Auch ich kann Priesterin“ oder „Wenn ich groß bin, werde ich Päpstin“ schon lange kein katholisches Urgestein mehr wie ihre Vorgängerinnen. Außerdem dürften die anmaßenden Maria 2.0-Lautsprecherinnen nur eine Minderheit sein, die nicht im Namen der Mehrheit der katholischen Frauen sprechen. 

Das entscheidend Unkatholische der Argumentationslinie der Landfrauenvorsitzende besteht aber darin, dass sie tiefgreifende Veränderungen der katholischen Lehre deshalb fordert, weil einige wenige Katholikinnen zu einer sektiererischen Gruppe übergelaufen sind. Wenn sie zugleich ihre Ignoranz zu den biblischen Grundlagen ihrer Forderung betont, unterstellt sie die Irrelevanz des Evangeliums für die katholische Kirche und Lehre. Damit weist sie auch den Primat der Evangelisierung, wie ihn Papst Franziskus in seinem letztjährigen Brief an die Katholiken in Deutschland herausgestellt hat, zurück. Diese Haltung hatten schon die Synodalführer Kardinal Marx und Thomas Sternberg (ZdK) eingenommen, als sie in ihrem Antwortbrief an den Papst verblümt den Primat von Strukturveränderungen ansagten. Offensichtlich bewegt sich die deutsche Synodalversammlung auf postkatholischen Abwegen, wenn sie auf die Bibel und den Papst pfeift.

Hubert Hecker


[1] Foto "Beschneidung Jesu, Fresco im Frankfurter Dom von ca. 1420" von Hubert Hecker