(4.10.2018)                                                                             

 

Zum Thema  Zölibat   findet sich folgender Leserbrief in der F.A.Z

Verleugnung von Satan und Hölle

Wiedergabe eines Leserbriefes in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 1.10. 2018

Wir berichteten, dass der Frankfurter Stadtdekan vorgeschlagen hat, den Pflichtzölibat in der katholischen Kirche aufzuheben. Das hält dieser Leser für falsch (zu: „Eltz will freiwilliges Zölibat für Priester“ und „Bis an die Wurzel der Kirche“, F.A.Z. vom 18. September).

Wenn Stadtdekan zu Eltz auf die Missbrauchsfälle beim katholischen Klerus mit der Abschaffung des Pflichtzölibates und einer „Revision der katholischen Doktrin über die Homosexualität“ reagieren will, ist das eine pure Verbeugung vor dem derzeit herrschenden Zeitgeist und linkskatholischer Populismus. Ja, dieser Skandal reicht „bis an die Wurzeln der Kirche“, aber in ganz anderer Weise, wie das Kommentator Tobias Rösmann meint und Stadtdekan zu Eltz bewältigen will. Im Zentrum der Problematik steht der Irrweg eines verlieblichten Gottesbildes, das ewige Strafen für schwere Sünden nicht mehr kennt. „Dann werden Selbstheiligung, Tugendstreben und Martyrium überflüssig“, schrieb dazu der Freiburger Fundamentaltheologe Joseph Schumacher schon vor zehn Jahren. Es sei der ausgeuferte Heilsoptimismus, der „die Verkündigung und die Heilssorge der Kirche an der Wurzel paralysiert“.

Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken, und so erfasst diese Paralyse auch zuvörderst jene selbst, denen Verkündigung und Heilssorge von Amts wegen anvertraut sind. Im Namen genau jenes von zu Eltz herangezogenen „neuen Verständnisses biblischer Quellen“ verleugnet man den Satan und die Hölle und macht Ein-Sich-Wohlfühlen zum Ziel der Pastoral. Das Verständnis von Sünde ist weithin wegpsychologisiert, Sündenvergebung kaum noch gefragt; verwaiste Beichtstühle zeugen schon seit Jahrzehnten davon. Und was eine wohl doch positivere, „aufgeschlossenere“ Sicht auf die Homosexualität als Mittel gegen Kindesmissbrauch und Knabenliebe soll, erschließt sich mir nicht.

Bernhard Mihm, Paderborn

Stadtrat a.D. in Frankfurt am Main