Niederträchtige Polemik und Intrige     (10.07.2013)

 

Leserbrief an die Herausgeber der F.A.Z. – Frankfurter Allgemeine Zeitung zum Beitrag „Dem Glauben Gestalt geben“ von Daniel Deckers, F.A.Z. vom 24. 06. 2013

 

Selten habe ich mit größerem Entsetzen einen Zeitungsartikel gelesen wie diesen. Das Entsetzen hatte seine Ursache indessen nicht im Gegenstand des Beitrages, sondern in der Niedertracht, mit der Ihr Autor hier polemisiert und intrigiert. Das Intrigante wird deutlich an der Einführung des bischöflichen Fahrers und Zeremoniars („braungebrannt mit Gel im Haar“, dessen „Nähe“ der Bischof zum Nachteil seiner Priester suche). Hier werden dem Leser hinterlistige Konnotationen vermittelt, die einem katholischen Bischof persönlich abträglich sein müssen. Das Ganze ist einer Qualitätszeitung vom Rang der F.A.Z. schlicht unwürdig.

Der Autor Daniel Deckers macht sich hier zum Sprachrohr von Gremienfunktionären und Klerikern, die seit vielen Jahren der an sich selbstverständlichen Romtreue entwöhnt sind und deshalb einen Bischof, der genau darauf Wert legt, als Provokation empfinden. Das ist peinlich auch im Hinblick darauf, dass der Autor der autorisierte Biograph des langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und Kardinals der Heiligen Römischen Kirche Karl Lehmann ist.

Ich habe zu den Regierungszeiten der Bischöfe Kempf und Kamphaus im Bistum Limburg gelebt und kann von daher ermessen, welche Sanierungsaufgabe der jetzige Bischof zu bewältigen hat. Er hat mit einer Rezeption des II. Vaticanums zu kämpfen, die weniger mit den Intentionen der Konzilsväter zu tun hat als mit der Kulturrevolution der 70er Jahre.

In ihrer Ablehnung von „seelenlosem Pomp“ in der Liturgie und der, wie Deckers selbst eingestehen muß, nicht von Tebartz-van Elst, sondern dem Domkapitel in Auftrag gegebenen neuen Bischofsresidenz können sich Deckers und die hinter ihm stehenden kirchlichen Kreise nicht auf Papst Franziskus berufen. Denn der hat Fehldeutungen seines Lebens- und Liturgiestils bereits mit der Bemerkung abgewehrt, Armut dürfe „nicht ideologisiert“ werden.

Bernhard Mihm, Stadtrat a. D., Paderborn; in der FAZ vom 5. Juli 2013