(4.8.2016)                                                                                                                                                                                      

Papst Franziskus hat sich gegen eine Gleichsetzung von Islam und Gewalt gewandt und meint beim Rückflug von Krakau:

 

 "Es ist nicht richtig und nicht wahr, dass der Islam gewalttätig ist"

Krakau/Rom aus (kath.net/KNA)

Papst Franziskus hat sich gegen eine Gleichsetzung von Islam und Gewalt gewandt. «Es ist nicht richtig und nicht wahr, dass der Islam gewalttätig ist», sagte er am Sonntagabend während des Rückflugs vom Weltjugendtag in Krakau. «Muslime sind nicht alle gewalttätig».  In jeder Religion gebe es eine kleine Gruppe von Fundamentalisten, so der Papst vor mitreisenden Journalisten. Die Zeitungen, die er lese, seien voll von Gewalttaten, die getaufte Christen begangen hätten, so Franziskus weiter. Man könne ebenso wenig von einer «islamischen Gewalt» wie von einer katholischen sprechen.

Franziskus antwortete damit auf die Frage, warum er während des Weltjugendtages stets nur allgemein von «Terrorismus» gesprochen habe und nie von einem «islamischen Terrorismus». Er war am Mittwoch zu einem fünftägigen Besuch nach Polen gereist. Anlass war der 31. Weltjugendtag in Krakau.

WORTLAUT:

Ich mag es nicht, von islamischer Gewalt zu sprechen, denn jeden Tag, wenn ich die Zeitungen durchblättere, sehe ich Gewalttaten, hier in Italien: da ist der, der seine Freundin oder seine Schwiegermutter tötet, und das sind gewalttätige katholische Getaufte. Würde ich von islamischer Gewalt sprechen, müsste ich dann auch von katholischer Gewalt sprechen?

Nicht alle Muslime sind gewalttätig. Das ist wie ein Obstsalat, in den Religionen gibt es die Gewalttätigen. Etwas ist wahr: in fast allen Religionen ist da immer ein kleines fundamentalistisches Grüppchen. Auch wir haben das. Und wenn der Fundamentalismus dazu kommt, zu töten – man kann mit der Zunge töten, das sagt der Apostel Jakobus, nicht ich, und man kann mit dem Messer töten – es ist nicht richtig, den Islam mit Gewalt zu identifizieren. ...
Ja wir können sagen, dass der sogenannte ISIS ein islamischer Staat ist, der sich gewalttätig präsentiert, weil er uns als seinen Personalausweis zeigt, wie sie die Ägypter abschlachteten. Aber das ist ein kleines Grüppchen, man kann nicht sagen, es ist nicht richtig zu sagen, dass der Islam terroristisch ist.

Zur Analyse der Papstworte

Es gibt einen entscheidenden Unterschied beim Versuch die Gewalt gleich zu setzen: Islamisten verüben die Gewalt, weil der andere oder Nächste ein Christ ist!!!  Christen können auch Gewalt verüben, aber in der Regel nicht, weil das Opfer einen anderen Glauben hat, sondern aus anderen niederen Motiven. Natürlich gibt es in jeder Religion Anhänger, die mit dem abwertenden Schlagwort „fundamentalistisch“ bezeichnet werden, wie dies Franziskus hier tut. Aber wes Geistes Kinder meint er damit? Nach Manfred Kleine-Hartlage ist ein Fundamentalist jemand, der die Fundamente seines Glaubens nicht zur Disposition stellt und sie nicht der neuesten Wendung des Zeitgeistes opfert, also jemand der die Gebote Gottes zu leben versucht. Konkret auch das fünfte Gebot: „Du sollst nicht töten“ oder das neunte Gebot: „du sollst nichts Falsches gegen deinen Nächsten aussagen.“ Der richtige Fundamentalist ist nicht korrumpierbar. Er ist kein Schwarmfisch. Bei den Moslems besteht das Problem, dass der Dschihad zu den Glaubensfundamenten gehört. Die sogenannten christlichen  Fundamentalisten im Sinne dieses Papstes haben mehrzahlig ein profundes Sündenbewusstsein und dieses lässt keine Gewalt zu.

Ein Teil der päpstlichen Rhetorik scheint die konsequente Verwechslung von Äpfeln mit Birnen zu sein. Er setzt die Gewaltverbrechen, welche Christen in ihrer Sündhaftigkeit begehen ( er nennt Tötung von Freundin oder Schwiegermutter) und die ungesühnt nach der Lehre der Kirche die ewige Verdammnis nach sich ziehen, gleich mit der Tötung von Andersgläubigen durch Moslems, die dafür mit den ewigen Freuden Allah´s belohnt werden. Der Gläubige kann von seinem Papst als Inhaber des Lehramtes erwarten, dass er im Sinne der Wahrheit auf diese grundlegenden Unterschiede hinweist und sie nicht ausklammert. Ohne diese Differenzierung haben die Argumente des Franziskus die Qualität von Scheinbeweisen und führen zu Fehlschlüssen. Sie sind Sophismen!!!

Die Worte des Papstes auf dem Rückflug sind jedoch vollkommen unverständlich im Kontext mit der rituellen Ermordung der französischen Abbé Jacques Hamel, der bei der Darbringung des Opfers Christi durch die Methode der rituellen Schächtung ermordet wurde. Im Verständnis der Liturgie handelte der Ermordete beim heiligen Messopfer stellvertretend für Christus. In der tiefen Symbolik des Mordgeschehens wurde nicht nur der Abbe durch das Messer getroffen und geschächtet, wie ein Stück Vieh, sondern  auch Christus wurde in seinem Diener getroffen. In der Ermordung des Abbé Hamel am Altar erhält  die islamische Gewalt eine neue Dimension, sie gilt nicht mehr dem Priester, sondern Christus selbst und damit den inneren Kern unseres Glaubens. Es wäre zu erwarten gewesen, dass der Papst über diese neue Dimension von Terror und Gewalt gesprochen hätte und vor allem, dass er dieses seinen islamischen Gesprächspartnern erklären würde.

Dr. med. Fasen