Ist das Christentum an allem schuld?                                                                                                                                                                                   (17.11.2015)

Ein Kommentar zu Äußerungen des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt

Schon die Römer versuchten den frühen Christen alles Böse in die Schuhe zu schieben. Heutzutage ist es das Schlagwort „Kreuzzüge“, das als historische Allzweckwaffe das Christentum denunzieren soll.

Zum Tode von Helmut Schmidt zeigte Sandra Maischberger am 10. 11. einen Zusammenschnitt aller Gespräche, die sie mit dem Alt-Bundeskanzler geführt hatte. Ein Themenkomplex war dabei ‚Zuwanderung und Religion’.

Zuwanderung aus fremden Zivilisationen schafft kulturelle Probleme

Helmut Schmidt hatte sich mehrfach zur Masseneinwanderung aus islamischen Ländern geäußert – mal skeptisch, kritisch und auch drastisch. „Schmidt-Schnauze“, wie er von Gegnern und Bewunderern genannt wurde, gebrauchte gelegentlich provokative Worte wie die: „Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag.“ Aber dieser Sarkasmus im politischen Kampfgetümmel von 1981 charakterisiert nicht unbedingt die grundlegende Einstellung des Altkanzlers zum Problem der Immigration. In der Talkshow von Maischberger äußerte er sich abwägend, aber eindeutig:

„Zuwanderung aus fremden Zivilisationen schafft mehr kulturelle Probleme, als sie uns auf dem Arbeitsmarkt an positiven Faktoren bringen kann.“

Von den politisch korrekten Medien und dem neuerdings „Staatsfunk“ genannten Öffentlich-rechtlichen Anstalten wird uns vielfach eingeredet, dass man das ‚Fremde’ und die ‚Fremden’ ausschließlich als Bereicherung unserer Gesellschaft ansehen müsste. Schmidt erkennt dagegen in der fremden (islamischen) Zivilisation und den entsprechenden kulturellen Differenzen eher das Belastende für unsere freiheitlich-demokratische Kultur und Gesellschaft.

Wenn Helmut Schmidt das Wort von der „fremden Zivilisation“ benutzt, ist er dann fremdenfeindlich? Gewiss nicht, aber realistisch.

Im Koran festgelegt: minderrechtliche Stellung für Mädchen und Frauen

Der Alt-Bundeskanzler erläutert das Fremd-Zivilisatorische daran, nach welchen Grundsätzen in muslimischen Immigrationsfamilien Sozialisation und Zusammenleben gestaltet werden. „Da ist z. B. die überragende Stellung des Vaters gegenüber seinen Kindern. Da werden die Töchter verheiratet gegen ihren Willen, da muss die Ehefrau tun, was der Mann will.“

Schmidt will diese familiären Regeln und Verhaltensmuster verstehen als zivilisatorische Gewohnheiten, getrennt von der Religion. Ähnliche Auffassungen vertreten vielfach auch Sozialarbeiter in Stadtteilen mit hohem Migrationsanteil. In Wirklichkeit sind solche muslimische Familienverhältnisse im Koran in den Suren zwei und vier seit 1400 Jahren „als Allahs Wille“ festgelegt: Der Mann hat ein Vorrecht an Entscheidungen vor der Frau. „Männer sollen vor Frauen bevorzugt werden, weil Allah die einen vor den anderen mit Vorzügen begabte. Rechtschaffene Frauen sollen gehorsam, treu und verschwiegen sein. Bei Ehefrauen, die Anlass für männliches Erzürnen geben - verweist sie, sperrt sie ein und züchtigt sie“ (Sure 2,35). Frauen werden von der islamischen Männergesellschaft seit Mohammeds Zeiten im Frühmittelalter bei der Erbschaft und vor Gericht sowie bei Ehe-Schließung und  Ehe-Auflösung nur als halbwertig angesehen.

Die islamischen Rechtsschulen haben diese Koran-Weisungen weiter ausgestaltet. Danach ist die Ehe ein Vertrag. Dem müssen zwar beide ‚Seiten’ zustimmen, aber nicht die Frau in persona. Ihre Seite vertritt in der Regel der Vater. Aber auch der Vormund, ein männliches Familienmitglied oder ein Richter können den Ehevertrag für die ‚Seite’ der Frau gültig unterzeichnen.

Eine Auflösung des Ehevertrags, also Scheidung, kann unter schwerwiegenden Bedingungen sowohl vom Mann als auch von der Frau verlangt werden. Darüber hinaus hat der Mann das Vorrecht,  seine Frau in einem einseitigen Akt zu verstoßen. Dafür genügt das dreimalige Ausrufen von „Talag“ – „Ich verstoße dich!“ Dieser Verstoßungsakt kann heutzutage auch telefonisch sowie mittels Mail oder SMS geschehen. Die Registrierung von einem Scharia-Richter geht gewöhnlich in Ordnung, so dass viele islamische Frauen Angst davor haben, irgendwann einmal und aus heiterem Himmel von ihrem Mann verstoßen zu werden, ohne etwas dagegen tun zu können. 

Restriktive Einwanderungspolitik geboten

Wenn die Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen durch muslimische Männer nur eine zivilisatorische Gewohnheit wäre, wie Helmut Schmidt unterstellt, könnte sie wahrscheinlich in zwei bis drei Generationen abgeschliffen werden. Tatsächlich aber gehört die rechtliche und soziale Minderstellung der Frau zum Kernbereich von Koran und Islam. Daher ist noch größere Skepsis angebracht, ob die religiös aktiven Muslime sich in absehbarer Zeit überhaupt in die grundrechtlich fundierte Gesellschaft von Gleichberechtigung und persönlicher Freiheit integrieren wollen. Allein aus diesem Grund wäre eine restriktive Einwanderungspolitik geboten.

An dieser Stelle ist die Frage angebracht: Wie kommt es eigentlich zu der im christlich geprägten Europa Idee und Praxis, dass Mann und Frau im freien Konsens in die Ehe gehen und darin gleichgestellt und  gleichberechtigt leben? Nicht nur in den vom Islam geprägten Ländern, sondern auch in Indien, China, Japan und weiten Teilen Afrikas werden weiterhin mindestens die Töchter von den Eltern verheiratet.  In der griechisch-römischen Antike waren  Frau und Mädchen vollständig dem ‚pater familias’ untergeordnet.

Das Christentum legte die Basis für die Gleichberechtigung in der Ehe

Es war allein das Christentum, das im Laufe der Jahrhunderte aus dem Grundgedanken der geschöpflichen Gleichheit der Menschen ein gleichberechtigendes (Ehe-)Recht ausbildete. Danach ist die Eheschließung ein Liebes- und Treuegelöbnis zwischen Mann und Frau auf Lebenszeit. Beide Ehegatten müssen für einen gültigen Ehebund in persona und aus freien Stücken öffentlich und unter Zeugen mit „Ja“ zustimmen. Das ist der Kernbestand einer kirchenrechtlichen Festlegung, die zwar äußere kulturelle Einflussnahmen auf Eheschließungen nie ausschließen konnte, aber sich letztlich in allen christlich geprägten Ländern der Welt durchsetzte. 

Mit logischem Nachdenken sowie etwas historischem Wissen zur europäischen Geschichte hätte der als klug geltende Alt-Bundeskanzler Schmidt selbst auf diese Zusammenhänge kommen können. Aber das verbreitete Muster von Selbstverleugnung der christlichen Wurzeln Europas nagelte auch Schmidt ein Brett vor den Kopf. Der erste Bundespräsident Theodor Heuss wusste noch, dass Europa auf den drei Hügeln von römischem Kapitol, griechischer Akropolis und dem christlichen Golgotha aufgebaut ist. Schmidt dagegen war sich mit seinem politischen Freund Valéry Giscard d’Estaing einig, dass erst in der Aufklärung die geistigen Wurzeln Europas lägen. Alles vorher müsse als finsteres Mittelalter abgetan werden.

Antichristliche Unlogik

Aus diesem unhistorischen und anti-christlichen Denkmuster heraus zeigte sich bei Helmut Schmidt eine stereotype Aversion gegen das Christentum. Die brachte er mit seinem „Hang zur Besserwisserei“ (Baring) in vielen Gespräche ein. Auch das Thema: Einwanderung und Islam hielt ihn nicht davon ab, einen Schlag gegen das Christentum zu landen. Zur Erinnerung: Es ging um das Integrationsproblem bei Migranten aus islamisch geprägten Ländern, die keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau praktizieren. Schmidt kommt von diesen Menschenrechts-Defiziten bei Muslimen in zwei Argumentationsschritten – zu den Kreuzzügen vor 800 Jahren. Diese unglaublich „rechthaberische“ Unlogik seiner Argumentation geht so:

▪ Bei allen Religionen (mit Einschränkung des Judentums)  gälten die Andersgläubigen als minderwertig.
▪ Diese Einstellung würde im Christentum besonders ausgeprägt sein.
▪ „Denken Sie nur im Mittelalter an die unzähligen Kreuzzüge als Eroberungskriege.“
  Die hätten natürlich „Gegenreaktionen auf muslimischer Seite hervorgerufen.“

Keine Kenntnisse vom Christentum – außer die üblichen Schlagworte

Helmut Schmidt sagte im FAZ-Interview, abgedruckt am 12. 11.: „Ich wusste vom Islam und auch vom Judentum gar nichts – trotz meines jüdischen Großvaters“ – bis ihn Anwar-as Sadat darüber belehrte. Er hätte ergänzen sollen: ‚Auch über die Geschichte des Christentums habe ich gar keine Kenntnisse – außer die üblichen Vorurteile. Dafür habe ich aber eine starke Meinung von den schlechten Seiten des Christlichen’:

Aus dem Wort von den „unzähligen“ Kreuzzügen spricht ein gewisser Unwille, sich überhaupt konkret und historisch mit den Kreuzzügen auseinanderzusetzen. Die reflexartige Redewendung: „Ja, aber die Kreuzzüge…“ hat sich als Muster eines Totschlagbeweises gegen das Christentum eingebürgert, so dass man sich um historische Einordnung der sieben Orient-Kreuzzüge einfach nicht mehr zu kümmern braucht.

Wenn gelegentlich die Kreuzzüge sogar zur argumentativen Allzweckwaffe werden, um alle Probleme zwischen Orient und Okzident zu erklären, dann fühlt man sich an den ironisierenden Ausruf von Tertullian gegenüber seinen römischen Kritikern erinnert: „Das Christentum ist an allem schuld!“

In diesem Fall ging Schmidt von den Integrationsproblemen muslimischer Migranten aus. Wenn seine Folge-Argumentation irgendeinen Sinn haben soll, dann wären diese Probleme als muslimische „Gegenreaktionen“ auf die Kreuzzüge zu sehen. Es verblüfft die Chuzpe – oder besser Kaltschnäuzigkeit von Schmidt-Schnauze, mit der der hochgejubelte „Jahrhundertmann“ bei einem aktuellen Problem mit Muslimen zum Tiefschlag gegen das Christentum ausholt. Bleibt nur die Frage: Wieso streben Millionen Muslime unter islamischen Herrschern in die Länder, von denen die „unzähligen Kreuzzüge“ ihren Ausgangspunkt nahmen?

Des Weiteren pustet Helmut Schmidt Frau Maischberger seine These ins Gesicht: „Die Kreuzzüge waren Eroberungskriege.“ Auch diese Behauptung löst sich bei näherer Untersuchung in (Tabak-) Rauch auf.

Die Kreuzzüge waren Teil der europäischen ‚Reconquista’ nach 400 Jahren islamischer Eroberungen und Besetzungen

Innerhalb von 100 Jahren nach dem Tode Mohammeds hatten muslimische Kriegsheere mehr als ein Dutzend christliche Länder erobert – einschließlich des für Christen ‚Heiligen Landes’, danach wurden die Mittelmeerinseln von Zypern bis zu den Balearen besetzt, die christliche Bevölkerung getötet, vertrieben, versklavt oder unterdrückt und schließlich zwei Jahrhunderte lang Überfälle als See- und Landräuber gegen christliche Städte organisiert, bis die ersten christlichen Herrscher begannen, mehr als nur defensiv zu reagieren.

In Spanien begann etwa Mitte des 11. Jahrhunderts die ‚reconquista’, also die Rückeroberung  der von muslimischen Heeren eroberten Christengebiete. Die Kreuzzüge sind Teil dieser Rückeroberungsstrategie, wenn auch erweitert mit religiösen und wirtschaftlichen Motiven.

Eine kurze Übersicht über die 400 Jahre Eroberungsgeschichte des Islam als Vorgeschichte der Kreuzzüge:

Mohammed selbst führt im Jahre 630 mit seinem Araberheer Krieg gegen die Christenstadt Tabuk. Drei Jahre nach seinem Tode erobern die muslimischen Krieger Damaskus, 637 Jerusalem, 640 Kairo, 637 Barka in Lybien, 650 Armenien. 652 werden die ersten Sizilianer versklavt, 654 erstmals Konstantinopel angegriffen. Bis 710 sind alle christlichen Länder in Nordafrika von Araberheeren erobert und besetzt. Bei den Kriegen kommt etwa die Hälfte der Bevölkerung zu Schaden, in Sklaverei oder zu Tode. 600 Bischofssitze erlöschen. 711 wird die Basilika Santa Maria auf dem Tempelberg zur al-Aqsa-Moschee. 712 ist Südspanien erobert, 15 Jahre später fast ganz Spanien. 732 wird ein muslimisches Heer bei Tours und Poitiers von Karl Martell erstmals zurückgeschlagen. 810 wird Korsika islamisch, 843 die Christenhauptstadt Rom angegriffen, 870 Malta erobert. Im 10 Jahrhundert werden regelmäßig von Spanien aus die südfranzösischen Städte belagert, verwüstet und die Einwohner versklavt. In den Jahren 952 bis 960 ist sogar ein Teil der Schweiz von spanischen Muslimen besetzt. Über mehrere Jahrhunderte überfallen muslimische Seeräuber von Nordafrika italienische Küstenstädte. Das Niederreißen von Jerusalemer Kirchen im Jahre 1009 war der Auftakt für die Zerstörung von Hunderten von Gotteshäusern in Heiligen Land und darüber hinaus.

Im Jahre 1096 begann der 1. Kreuzzug.

Hubert Hecker