Presseerklärung zur Aufführung des Musicals „Erotica“ am 12. 2. 2006 in der Frankfurter „Jugendkirche Jona“

 

 

Warum muss ein Musical über Prostitution mit „leicht bekleideten“ Mädchen in einer Kirche aufgeführt werden? Ist ein Gotteshaus der richtige Ort, an dem die sündigen Sehnsüchte des Rotlichtmilieus geschauspielert und besungen werden? Wenn es bei dem Stück hauptsächlich um die Frage ging: „Warum bin ich so, wie ich bin?“ (R. Otto), ist dann die Exemplifizierung am Beispiel von Bordellszenen die zielgruppenrelevante Ausführung?

Früher lernten katholische Jugendliche als Messdiener an den Altarstufen Ehrfurcht und Andacht im Kirchenraum, heute johlen sie mit „tosendem Beifall“ einem zwielichtigen „Erotica“-Stück im Chorraum zu. Und das alles mit dem Segen des Bischofs? Jedenfalls wurde Bischof Kamphaus beim „Kick off“ der Wiesbadener Jugendkirche gezeigt, bevor er an dem Gottesdienst mit Sacropop und Lightshow teilnahm und anschließend in der „chill-out-Area“ der Kirche relaxte.

Für die Limburger Jugendkirche warb die zuständige Fachstelle im Frühjahr 2005 folgendermaßen: „Jugendkirche ist ein Ort, wo dich deine Freunde hin abschleppen, du abgefahrene action erlebst, Partys feierst. Dort kannst du skaten, sprayen, abtanzen, feiern; Theater, Musical, Bandauftritte, Hiphop erleben … Gottesdienste und chill out“.

Die Jugendkirchenmacher wollen uns diesen modernen Event-Kitsch als authentische Jugendkultur verkaufen. Tatsächlich ist die „Eventisierung“ von Kirchenraumveranstaltungen eine Anbiederung an den Geschäftsgeist der Zeit, indem „erlebnisorientierte“ Werbe- und Verkaufsveranstaltungen der Jugendindustrie abgekupfert werden, erkennbar an der amerikanisierten Sprache und der Unverbindlichkeit der „Angebote“.

Ein Teil der kirchlich engagierten Jugendlichen lehnt diese Banalisierung von Kirchenraumveranstaltungen ab: „Kirche muss echt bleiben und darf nicht zum Partyraum verkommen.“ Der Arbeitskreis von Katholiken im Raum Frankfurt schließt sich dieser Forderung an.

 

Frankfurt / Main, im Februar 2006