Presseerklärung

Die Gesellschaft ist schuld

Der Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, fällt erneut Papst und Weltkirche in den Rücken.

Im kürzlich gegebenen Interview mit dem ‚Spiegel’ hatte Mons. Zollitsch angedeutet, dass Papst und Konzilien die Herren des Zölibatgebots wären und damit für den geringen Priesternachwuchs verantwortlich seien.

Nach einem Gespräch mit der Tageszeitung ‚Die Welt’ sollen nunmehr die „Wohlstands- und Konsumgesellschaft“ sowie das „von Sexualisierung geprägte Umfeld“ daran schuld sein, dass immer weniger junge Männer sich für das Priestertum entscheiden.

Auch die rapide Abnahme des Gottesdienstbesuchs habe „mit gesellschaftlichen Prozessen zu tun“, die immer dann herhalten müssen, wenn man von der Sicht auf eigene Fehler ablenkt.

Der frühere starke Gottesdienstbesuch sei ebenfalls nur der gesellschaftlichen „Selbstverständlichkeit der Tradition“ geschuldet, während heute der Gang zur Kirche eine existentielle „Entscheidung des Einzelnen“ wäre – wie der Erzbischof im ‚Welt’- Gespräch doziert.

Der Bischofskonferenzvorsitzende unterschlägt die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der treuen Messbesucher ältere Katholiken sind, die noch von der vorkonziliaren Überzeugung geprägt sind, am Sonntag regelmäßig an der hl. Messe teilzunehmen.

Insgesamt sehe es in der deutschen katholischen Kirche gut aus, wenn man nur die „missionarische Chance“ für einen „ansprechenden und einladenden Gottesdienst“ nutze sowie die „Strukturen, über die wir erfreulicherweise verfügen, mit Leben erfüllen“ würde - so Mons. Zollitsch.

Daraus kann man einen Gleichklang mit den Strategien der protestantischen Gemeinschaften hören, der offenbar auch der Grund für das gleichmachende Kirchenverständnis des Erzbischofs ist.

Im Spiegel’- Gespräch hatte Mons. Zollitsch das wachsende Bewusstsein der Unterschiede zwischen Protestanten und Katholiken bedauert und dagegen das – wenn auch etwas andere – Kirchesein der protestantischen Gemeinden betont.

Ausdrücklich klagte der deutsche Bischofskonferenzvorsitzende den Papst an, dass die römische Klarstellung vom Juli 2007 über den Charakter der katholischen Kirche, die in Übereinstimmung mit den Konzilsaussagen steht, den Protestanten unnötige Verletzungen zufüge.

Nach dem relativistischen Kirchenverständnis von Erzbischof Zollitsch, das er in dem ‚Welt’- Interview bestätigt, gibt es offensichtlich mehrere legitime Formen von Kirche, die sich nur in theologischen Sinndeutungen unterscheiden würden.

Der in einem anderen Sinne Bischof der etwas anderen lutherischen Kirche von Bayern, Herr Johannes Friedrich, zeigte sich hocherfreut über diese ökumenische Gleichmacherei: Die protestantische Kirche respektiere die katholische Kirche als eine weitere „Realisierung der Kirche Jesu Christ in dieser Welt“.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz wirft die Substanz der katholischen Kirchenlehre von Papst und Tradition über Bord, um sich mit einer relativistischen Ekklesiologie den Protestanten anzubiedern.

c/o Werner Rothenberger, Laurentiusstr. 60388 Frankfurt a. M.   März 2008