(16.2.2016)

Der Antichrist

Gedanken über das Wesen und Wirken des Antichristen aus der Feder von vier Autoren

1.    Die Publizistin  Inge M. Thürkauf schreibt über ein Essay von Reinhard Raffalt, das 1966 im Linsverlag, A-Feldkirch im Jahre 1966 erschienen ist.

Zahlreich sind die Prophezeiungen, Deutungen und Legenden, die sich des ewigen Widersachers Gottes bemächtigen, und im Verlauf der Geschichte wurden immer wieder Menschen, die sich über alles erhoben was Gott und Gottesverehrung heißt (2 Thess 2,3), mit dessen Schmähtitel bezichtigt: des Antichrist. Sowohl von Paulus als auch von Johannes wird bezeugt, dass dieser eine Person sei, der vor der Erfüllung der Zeit, d.h. vor der Wiederkunft Jesu Christi, in Erscheinung treten müsse. In der heutigen Diskussion über die Zukunft der Welt ist die Möglichkeit der Wiederkunft des Herrn in eine somnambule Ferne gerückt. Wir leben so, als ob dieses Ereignis in unserem Leben keine ernstzunehmende Bedeutung mehr hätte. Die christliche Gesellschaft, sofern sie sich überhaupt noch als solche bezeichnen kann, ist im Begriff, sich für immer auf Erden einzurichten. Das Weltbild der Wissenschaft, die Machbarkeit aller Dinge, hat sich an die Stelle der christlichen Kultur gesetzt, und es drängt sich die Frage auf, ob im Glauben an die Wissenschaft, die immer eigenmächtiger sich alle Bereiche des Geisteslebens erobert und damit den Glauben an Gott verdrängt, nicht jener Geist des Antichrist verborgen liegt, von dem Johannes warnt: „Jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, ist aus Gott, und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Und das ist der Geist des Antichristen, von dem ihr gehört habt, dass er kommt; und nun ist er schon in der Welt“ (1. Jo 4,3).

Die bekannteste Betrachtung über das Ende der menschlichen Geschichte und die Gestalt des Bösen schlechthin ist die „Kurze Erzählung vom Antichrist“ des russischen Philosophen und christlichen Denkers Wladimir Solowjew. Seine gewaltige apokalyptische Schau, in viele Sprachen übersetzt, wurde oft missverstanden und falsch ausgelegt, nicht zuletzt deshalb, weil er seine Zukunftsvision mit Schilderungen anschaulich zu machen versucht, die sowohl auf historischen als auch aus seiner Phantasie entsprungenen Erwägungen beruhen. Trotzdem behält Solowjew´s Werk in seinem Ringen um ein tieferes Verstehen der endzeitlichen Geschichte gerade auch für den heutigen Leser seine bleibende Gültigkeit.

Nicht weniger brillant und von prophetischer Aussagekraft als die „Erzählung“ Solowjew´s, ist die kurze Studie „Der Antichrist“ des leider früh verstorbenen deutschen Philosophen, Historikers und freien Schriftstellers Reinhard Raffalt. Er unternimmt nicht den Versuch, die Zeit des auftretenden Antichristen zu berechnen. Aber seine Analyse erhellt in erregender Weise die heutige Zeit im Hinblick auf sein Erscheinen. Eine seiner Perspektiven in Bezug auf den Widersacher Christi ist der „richtig lebende Mensch“, der sich nach seinen Anlagen zu einem beinah technisch funktionierenden Wesen entwickelt, „dessen einzige Bestrebung sein muss, nichts falsch zu machen“. In seinem Erscheinen manifestiert sich die „extreme Entfaltung irdischer Macht“, die im Ziel gipfelt, den Weltfrieden zu verwirklichen und alle Religionen gleichzuschalten.

Der Glaube an die Erlösungstat, an das Kreuz Jesu Christi, wird durch das Gebot der Nächstenliebe überwunden. Der Nächste wird zwar geliebt „wie sich selbst“, aber die Ursache der Liebe, Gott, wird ausgeklammert. „Von der Perspektive der sich höher entwickelnden Menschheit her gesehen, ist das Reich des Antichrist der Zustand äußerster irdischer Vollkommenheit“. Das einzige, das fehlen wird, ist das Wesen der menschlichen Freiheit: das Fragenkönnen und Fragendürfen und somit das geschichtliche Bewusstsein.

Hier nähern wir uns in gefährlicher Weise einer geistigen Bewegung, die seit einen halben Jahrhundert immer tiefer in unsere gesellschaftlichen und kirchlichen Strukturen eingedrungen ist: New Age mit allen Facetten der Esoterik. Zur Zeit der Abfassung seiner Überlegungen noch weitgehend unbekannt, folgte Reinhard Raffalt mit seiner Analyse den Spuren eines Prozesses, der sich immer mehr dem Geiste des Christentums zu entziehen droht. Es sind beklemmende Visionen, die er vor uns entfaltet, die aber in unserer nur aufs irdische Dasein fixierten Gesellschaft schon erschreckende Wirklichkeit geworden sind. Die Heilige Schrift sagt vom Antichrist, dass er ein großer Lästerer sein werde, „und er werde die von ihm ins Werk gesetzte Verwüstung zum Gegenstand allgemeiner Verehrung machen“. Lästerung des Heiligen und Lust an der Verwüstung bis hin zum absichtsvollen Verzicht auf Schönheit sind Verirrungen der heutigen Kunst und auch der Medien, die unter dem Deckmantel der künstlerischen und publizistischen Freiheit sich jeder kritischen Überlegung enthalten, weil die Toleranz es verbietet.

Antichristliche Zeichen als Vorboten der beginnenden Endzeit sind zugleich Zeichen der Wiederkunft des Menschensohnes. Das letzte Wort wird nicht vom Antichrist gesprochen werden, auch wenn sich dieser „in das Haus Gottes setzt, und von sich erklärt, dass er Gott sei“ (2. Thess 2,4). Uns jedoch ist aufgetragen, eine Entscheidung zu fällen. Reinhard Raffalts einzigartige Studie weist in einer prophetischen Sprache auf jenes Ziel, das uns über den Antichrist hinaus gewiesen ist: auf jenen, der von sich sagte, dass er der Weg, die Wahrheit, und das Leben ist (Jo 14,6), und dass er mit uns sein wird bis ans Ende der Welt (Mt 28,20).

2. Kardinal Biffi zum Antichrist (kath.net/News 01 März 2007)

Giacomo Kardinal Biffi hat im Rahmen der Fastenexerzitien 2007 für Papst Benedikt XVI. und die Mitarbeiter der Kurie vor „Exzessen des Ökumenismus“ und vor der „Tendenz, das Kreuz Christi herunterzuspielen“, gewarnt.

In einer Meditation zitierte der Kardinal den russischen Philosophen Vladimir Solowjew: „Der Antichrist präsentiert sich als Pazifist, Umweltschützer und als Ökumeniker.“

Biffi prangert dann die Tendenz einiger Katholiken an, lieber vage spirituelle Ziele voranzutreiben als die Zentralität des christlichen Opfers zu betonen. „Heute laufen wir Gefahr, dass wir ein Christentum bekommen, das Jesus, das Kreuz und die Auferstehung bei Seite legt.“

Der Kardinal warnte vor der Versuchung, den Glauben an Christus auf eine „reine Ansammlung von Werten“ zu reduzieren. Erneut auf Vladimir Solowjew Bezug nehmend, meinte der Exerzitienleiter, der Antichrist verwässere Glaubenswahrheiten, mache Zugeständnisse, um alle Interessen.

 

Wer ist der Antichrist nach Fulton J. Sheen?

Teil 2

3.    Der bekannte amerikanische Erzbischof Fulton J. Sheen hat seine im Jahre 1947 gehaltene Radioansprache mit der Frage eröffnet.
"Wer ist der Antichrist?“


Wir werden erfahren, dass seine Antwort in erschreckender Realität auf
die heutigen "humanen Friedensbringer" - in Wirklichkeit üble Seelenverderber -
zutrifft.....

Seine Ansprache:

Der Antichrist wird nicht so genannt werden, sonst würde er keine Gefolgschaft haben. Er wird nicht enge, rote Beinkleider tragen, auch nicht Schwefel von sich geben, weder einen Speer schwingen, noch mit einem spitzen Schwanz wedeln
wie der Mephistopheles im Faust.
Diese Maskerade hat dem Teufel geholfen, die Menschen davon zu überzeugen,
dass er nicht existiere. Denn er weiß, dass er niemals so stark ist, als wenn Menschen glauben, dass er nicht existiert.
Nirgends in der Heiligen Schrift finden wir eine Bestätigung für den volkstümlichen Mythos, der Teufel sei ein Hanswurst, der wie der erste „Rote“ gekleidet ist.

Er wird vielmehr beschrieben als ein vom Himmel gefallener Engel und
als „der Fürst dieser Welt“,
dessen Aufgabe es ist, uns zu sagen,
dass es keine andere Welt gibt.
Seine Logik ist einfach:
Wenn es keinen Himmel gibt, gibt es auch keine Hölle.
Wenn es keine Hölle gibt, dann gibt es auch keine Sünde.
Wenn es keine Sünde gibt, dann gibt es auch keinen Richter.
Und wenn es kein Gericht gibt,
dann ist das Böse gut, und das Gute ist böse ...

Wie wird er in dieses Zeitalter kommen,
um für seine Religion Anhänger zu gewinnen
?
Er wird als der große Menschenfreund verkleidet kommen.
Er wird von Frieden, Wohlergehen und Fülle sprechen,

nicht als von Mitteln, um uns zu GOTT zu führen,
sondern als Endzielen in sich ...
Er wird die Menschen dazu bringen, sich beschämt zurückzuziehen,
wenn ihre Mitmenschen sagen, sie wären nicht großzügig und liberal.
Er wird Toleranz mit Gleichgültigkeit gegen Recht und Unrecht, Wahrheit und Irrtum gleichsetzen
...
Und weil seine Religion Brüderlichkeit ohne die Vaterschaft GOTTES sein wird,
wird er sogar die Auserwählten täuschen ....




4.    Aus der Studie zum "Der Antichrist" aus dem Jahre 1966

 von Reinhard Raffalt

Die tiefste Sünde, die der Mensch begehen kann, ist die Begrenzung des menschlichen Lebens auf das irdische Dasein, die Einengung des Glückes auf sinnenhafte, körperliche Wohlfahrt, die Fesselung des Geistes an die Belange der Zeit.


Ein solch gottwidriges Streben des vernunftbegabten Geschöpfes zeigt sich heute praktisch überall und auf allen Gebieten: Religion ist nur noch geduldet als private Angelegenheit. Ja, fast scheint es, die Tage seien gezählt, an dem die öffentliche Ausübung des Gotteskultes nicht mehr erlaubt sein wird.

Zur Zeit des Antichristen unterscheidet man nicht mehr zwischen „Gut und Böse“,
sondern zwischen „sozial und asozial“. Oberster moralischer Grundsatz ist es, so zu leben, um niemanden Schaden erleiden zu lassen. Der Widersacher Gottes in Menschengestalt
wird die christliche Moral aufrechterhalten, aber auf ihren Urheber verzichten, ja diesen vollkommen ausschalten.
Zu diesem Zweck werden die Kirchen umgeformt zu
moralischen (rein humanistischen) Einrichtungen im Dienste des weltumfassenden Staatsapparates, der die Menschheit einem identischen Gesetz unterwirft.
Der Gotteslästerer bedient sich des Heiligen, um das Heilige zu entweihen; er bedient sich Gottes, um ihn abzusetzen. Er bedient sich
der Wahrheit, um sie zu relativieren

Der Antichrist verwirklicht den `Weltfrieden´ und verlangt als Preis den Verzicht auf die Unsterblichkeit der Seele und die Abschaffung der Persönlichkeit.
Er benützt die Lehre Christi zum Erweis einer gesitteten Gesellschaftsordnung,
in der die Religionen zum `Kodex´ für richtiges Verhalten werden.
Demzufolge lassen sich Judentum, Christentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus
ohne Mühe vereinen,
da von jeder dieser Religionsformen der Verzicht auf die Definition eines Gottesbegriffes verlangt wird
(soweit sie bisher einen solchen zur Voraussetzung hatten).


Der Mensch wird in psychologischer Gleichschaltung zum ausschließlichen Gemeinwesen und handelt dafür ein Maximum an irdischem Glück ein. Seine Freiheit verwandelt sich in das lustvolle Vergnügen, das er am Ausleben seiner Triebe finden darf, solange dadurch kein asoziales Verhalten heraufbeschworen wird.
[....]
Der Antichrist, der sich zur Spitze der Menschheit emporschwingen wird, wird die Maske des Guten tragen.
Um seine Ziele zu erreichen, ist ein allgemeiner Glaubensabfall vonnöten.
Diesen Glaubensabfall wird nicht nur die Schein-Christen erreichen, sondern die Kirche selbst!

Heerscharen von Kritiklosen werden vom Glauben abfallen, ohne es zu merken.

Die Gesellschaft wird ‚mechanisiert‘; [....] Kardinal Newman hielt es für möglich, dass „der größte Gottesfeind aus der Kirche selbst erwachsen könne“.
Der Antichrist wird alsdann der `Vernunft´ zur Allmacht verholfen und die Wahrheit durch die
Toleranz in viele Halbwahrheiten zerlegt haben.

Für die standhaften Christen wird alsdann die Versuchung am größten sein, das irdische Leben als das höchste Gut zu halten, nämlich gerade in dem Augenblick, da sie es verlassen müssen…


weiterführende Literatur:

·         Giorgio Agamben: Das Geheimnis des Bösen- Benedikt XVI und das Ende der Zeiten

·         Robert Hugh Benson: Der Herr der Welt

·         Reinhard Raffalt: Der Antichrist

·         Wladimir Solowjew: Kurze Erzählung vom Antichrist

·         Nestle Aland: Das Neue Testament (Griechisch und Deutsch) insbesondere folgende Stellen:

·         Matthäus 7, 15, 21-23 und Matthäus 24, 4, 5, 24-26:„

·         Paulus Brief an die Thessalonicher 2, 3 und 4; 2. Thessalonicher 2, 8-10:

·         Paulus 2. Brief an die Korinther 11, 4, 13-15:

1.    Johannesbrief 2, 18 und 1. Johannesbrief 2, 22: „

2.    Johannesbrief 1, 7:

·         Offenbarung des Johannes

 

Eingestellt von Dr. Dieter Fasen; dfasen@drfasen.de