(8.2.2018)

Segnung von Zweitehepaaren? Leserbrief an die Limburger Kirchenzeitung    

       

Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz hat den Vorschlag gemacht, kirchliche Segenfeiern für gleichgeschlechtliche Paare und wiederverheiratet Geschiedene in Frankfurt einzuführen. Es geht bei den Letzteren nicht um das „Unterscheiden“ von Einzelfällen nach Amoris laetita, sondern generell um die Segnung von Paaren in einer Zweitehe trotz Weiterbestehen einer gültigen Erstehe. Doch ist ein Verhältnis „segenswürdig“, das von Jesus Christus in den synoptischen Evangelien als ehebrecherisch gekennzeichnet wird? Kann man „um Gottes Segen bitten“ für eine Beziehung, von der Gottes Sohn sagt: „Jeder, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch und wer eine von ihrem Mann Entlassene heiratet, begeht Ehebruch“ (Lk 16,18)? Dazu kommt die Verwechselbarkeit von Trauung und kirchlicher Segensfeier für Paare. Das Argument, dass bei einer Heirat der Beginn einer Ehe konstituiert werde, bei einer Zweitehensegnung aber Gottes Segen für die gelingende Zukunft der bestehenden Beziehung herabgerufen würde, kann nicht überzeugen – auch deshalb nicht, weil für beide Rituale die „Partnerschaft auf Lebenszeit“ Bedingung sei. Der Stadtdekan bringt nur anthropologische Gesichtspunkte vor (urmenschliche Bedürfnisse oder fürsorgliche Verantwortung), bleibt aber die angekündigte „theologische Begründung“ schuldig. Jedenfalls kann die Kirche  angesichts der oben zitierten Jesusworte den „Bedürfnissen der Gläubigen“ dann nicht nachkommen, wenn sie im eklatanten Widerspruch zu biblischen Weisungen Christi stehen. Hubert Hecker                                                    

Der obenstehende Leserbrief wurde am 4. 2. 2018 im SONNTAG veröffentlicht. In der gleichen Ausgabe war der Beitrag einer katholischen Leserin aus Bad Marienberg publiziert, die gegen einen weiteren Vorstoß von Johannes zu Eltz Einwendungen vortrug. Der Stadtdekan hatte mit der Begründung vom „urmenschlichen Bedürfnis“ nach Gottes Segen einen „konkreten Vorschlag für Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare“ vorgebracht. Schließlich sei auch in deren Partnerschaften „segenswürdige“ sittliche Güter wie „Treue, Fürsorge, Verantwortung, Verpflichtung“ vorhanden.

Die Leserin Löpker verwies auf eine Erklärung der Glaubenskongregation, nach der zwischen sozialen Haltungen, homosexuellen Handlungen und den betreffenden Personen unterschieden wird: Es könnten keine moralische und liturgische Methoden angewandt werden, die Personen moralisch rechtfertigten, deren „homosexuelle Handlungen in sich nicht in Ordnung sind und keinesfalls in irgendeiner Weise gutgeheißen werden“ könnten. Entsprechende kirchliche Segensfeiern stünden somit eindeutig in der Gefahr, sich „im Widerspruch zum kirchlichen Lehramt“ zu bewegen.

Hubert  Hecker