Agitation und Kolportage: Was soll das alles?

 

Kommentar zum Aufsatz von Volker Zastrow  „Cave canem“  in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 4.8.2013

 

Die F.A.Z. und ihr Tochterorgan „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ gelten zu Recht als Flaggschiffe des deutschen Qualitätsjournalismus. Auch Flaggschiffe können indessen auf falschen  Kurs geraten. Was die beiden Frankfurter Blätter derzeit eindrücklich unter Beweis stellen. Und zwar in ihrer Auseinandersetzung mit dem Limburger Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz - van  Elst. Zuerst war es Daniel Deckers in der F.A.Z. selbst, der in kaum zu unterbietender Niedertracht und nicht ohne intrigante Raffinesse gegen den Oberhirten agitierte. Dazu ist alles Nötige schon gesagt worden.

 

Nun übt sich sein Kollege Volker Zastrow in der „Sonntagszeitung“ im Genre der Kolportage. Vorher aber dilettiert er als Strafrechtler und Moraltheologe am Fallbeispiel des bischöflichen Indienfluges. Neues vermag er nicht zu melden und bleibt im intellektuellen Sumpf des „vielleicht“, „wenn und aber“ und „eigentlich doch“ stecken. Seine Beschreibungen der Einrichtung des Diözesanen Zentrums offenbaren nur seine Verzweiflung darüber, so richtig Skandalöses nicht gefunden zu haben und enden in schierer Beckmesserei. So bleibt es bei düsteren Vermutungen um ein aufgefundenes Tonbandgerät, und das macht sich doch gut auf dem Hintergrund der öffentlichen Debatten um Abhörpraktiken von Geheimdiensten! Das Debüt des Kolportageschriftstellers gipfelt beim Rhodesian Ridgeback eines polnischen Wachmanns, der liebenswerte Meßbuben hätte gefährden können, wenn er sie denn gefährdet hätte. Dieser Wachmann mit Hund füllt etwa zwanzig Prozent des Raumes, den die „Sonntagszeitung“ ihrem Mitarbeiter einräumt und steigt sogar zum reißerischen Titel des Beitrags „Cave canem“ auf.

 

Das Ganze wäre eher zum Lachen, gäbe es da nicht einige Schlüsselpassagen, die der Kampagne der F.A.Z.-Gruppe eine besondere Würze verleihen. Offensichtlich steht dieser Bischof einigen Prälaten, die er da beim Amtsantritt angetroffen hat, zu schwer auf den Füßen. Wenn es nicht wiederum nur Kolportage wäre, offenbarte es nur schiere Unverfrorenheit eines solchen Prälaten, wenn von nichts weniger als arroganten „Ratschlägen“ des Frankfurter Stadtdekans Graf zu Eltz geschrieben wird, mit denen der Chef der Frankfurter Stadtkirche seinem Oberhirten tatsächlich nur zu nahe hätte treten können. Und die Erzählung von der „Unterwerfung“, die das Limburger Domkapitel bei der Verkündung des Wechsels im Amt des Generalvikars habe erdulden müssen, ist eine Schlüsselanekdote Zastrows, die in dieselbe Richtung weist.

 

Vergessen wir aber alle Aufregung um Kosten über baulichkeiten, Einrichtungsgegenstände und bischöfliche Interkontinentalflüge: „Das Problem in Limburg wurzelt nicht im Materiellen  , schreibt Zastrow und erläutert es ganz praktisch: „Was dem Limburger Bischof nicht verziehen wird, würde dem beliebten Kardinal von Mainz kaum einer krumm nehmen.“ Wer, wie der Verfasser dieser Zeilen, in den Jahrzehnten vor Tebartz-van Elst Diözesane von Limburg war und sich nicht zum Spießgesellen der in dieser Zeit arbeitenden Abbruchkommandos gemacht hat, weiß um die disziplinäre und geistliche Sanierungslast, die Tebartz–van Elst übernommen hat. Wer  des Eigentlich-Katholischen entwöhnt ist, sieht genau in ihm nur „Höfisches“ und „Unterwerfung“ – gerade auch im liturgischen Kontext.

 

Fazit: Es geht im Kern gar nicht um Tebartz–van Elst, um seine persönliche Eigenart, vielleicht sogar seine etwaigen Fehlgriffe, es geht um das Ganze der Kirche von Limburg. Es ist ein Kampf in der Kirche um die Kirche.

 

Und die F.A.Z. – Gruppe hat sich zum Werkzeug dazu machen lassen!

 

 

Paderborn, 5.8.2013                                                    Bernhard Mihm