(6.1.2018)

Auf dem Prüfstand

Chancen und Grenzen des katholisch-islamischen Dialogs

Eine Antwort an Bischof Dr. Georg Bätzing

von Bernhard Mihm, Stadtrat a.D., Frankfurt/Main, (derzeit Paderborn)

  Der nachstehende Kommentar von Bernhard Mihm bezieht sich auf das Statement von Bischof Dr. Georg Bätzing (Limburg), Vorsitzender der Unterkommission für den interreligiösen Dialog der deutschen Bischofskonferenz, im Pressegespräch zum Thema  „Chancen und Grenzen des Dialogs“.

  Als Vorsitzender der Unterkommission für den interreligiösen Dialog der deutschen Bischofskonferenz hat der Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing bekräftigt, die Kirche werde sich nicht davon abbringen lassen, die verbindenden Glaubensinhalte von Islam und Christentum herauszustellen und sich zum Dialog zu bekennen, wie das der „kopernikanischen Wende“ entspreche, die das Zweite Vatikanische Konzil gegenüber dem Islam vollzogen habe.

  Ich halte es für sehr problematisch, dem letzten Konzil überhaupt irgendwelche „kopernikanischen Wenden“ zuzusprechen. Denn das wäre beim Verständnis des Konzils jene „Hermeneutik des Bruches, der niemand Geringerer als Papst Benedikt XVI./Joseph Ratzinger immer wieder die „Hermeneutik der Kontinuität“ entgegengesetzt hat. Die Kontinuität mit allen früheren päpstlichen oder konziliaren Lehraussagen – je nach deren Verbindlichkeit und der jeweiligen Verbindlichkeit  dessen, was das  Zweite Vatikanum verkündet hat. Hätte das letzte Konzil Brüche vollzogen, die die Einstufung – „kopernikanische Wende“ verdienten, wäre einerseits Marcel Lefebvre als Bannerträger der Identität des Katholischen ins Recht gesetzt, andererseits aber jenen Vorschub geleistet, die akademisch von einer "Neugründung der Kirche“ faseln, als ob der göttliche Stifter der Kirche ein arger Stümper gewesen sei. Gerade ein Bischof und eine Bischofskonferenz stehen in diesem Kontext in besonderer Verantwortung.

  Wenn Bischof Dr. Bätzing den Islam eine „dem Christentum so sehr verwandte Religion“ nennt und als solche würdigt, redet er bestenfalls wie ein säkularistischer Religionswissenschaftler, nicht aber als Apostel Jesu Christi. Ihm ist mit der Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre „Dominus Jesus“ vom 5.8.2000 die Einzigkeit und Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche entgegenzuhalten. Bätzing folgt offensichtlich jenem „falschen Toleranzbegriff“, den Joseph Kardinal Ratzinger, eben der nachmalige Theologen-Papst Benedikt XVI., bei der Vorstellung von „Dominus Jesus“ gebrandmarkt hat. Und wie „verwandt“ Islam und Christentum miteinander sind, wird religionswissenschaftlich jedenfalls unterschiedlich bewertet. Ist die mit  jüdischen und oft falsch verstandenen oder offen häretischen christlichen Vorstellungen angereicherte mekkanische Stadtgottheit „Allah“ wirklich identisch mit dem Gott der Christenheit, dem Dreifaltigen, dem, der Mensch geworden ist, um uns zu erlösen, dem, der kein Tyrann ist, sondern die Liebe?

  Bischof Dr. Bätzing meint, die Religion des Islam sei nur kriminell pervertiert, wenn in ihrem Namen Gewalt und Terror verübt werde. Er muss freilich zugestehen, dass die Muslime selbst jene Anknüpfungspunkte überwinden müssen, die sie „in ihren als geglaubten Überlieferungen“ sähen. Sind die dialogischen Anstrengungen unsererseits, die Muslime dabei zu begleiten, aber nicht etwa geradezu suizidale Wahnvorstellungen? Steht gegen jede Erfolgsaussicht nicht die Einschätzung eines heiligen Pater Pio von Pietrelcina, der Islam sei „dämonischen Ursprungs“? Steht dagegen nicht die Vernichtung blühender christlicher Landschaften im Orient und in Nordafrika? Steht dagegen nicht die tausendjährige geschichtliche Erfahrung Europas, die sogar liturgisch Niederschlag gefunden hat, etwa im Rosenkranzfest oder im Fest Mariae Namen?

Erstveröffentlicht: Der Fels 1/2018