Bis zur Unkenntlichkeit angepaßt

Das Prinzip der sogenannten missionarischen Kirche ist ein Etikettenschwindel. Er dient zur Verwässerung und Verweltlichung der katholischen Lehre. Von Hubert Hecker.

Hinter der dritten Schwarzbrille von rechts verbirgt sich der Diözesan-Jugendpfarrer des Bistums Limburg, Hw. Olaf Lindenberg.

Die katholischen Missionsorden und Missionswerke in Deutschland haben ihre Missionsaufgabe seit einigen Jahren aufgegeben. Da überrascht es, daß Bischöfe und Ordinariate immer öfter von der „missionarischen Kirche“ sprechen.

Doch der Begriff ist ein Etikettenschwindel. Er dient vor allem dazu, eine weitere Stufe der kirchlichen Selbstverweltlichung zu verdecken. Das wird deutlich, wenn man sich die heute gehandelten Beispiele missionarischer Aktivitäten vor Augen führt – etwa die Segnungsgottesdienste am Valentinstag.
Scheinmission
Man gibt vor, gegenüber den sogenannten Fernstehenden missionarische Kirche zu sein. Gleichzeitig wird die katholische Glaubens- und Sittenlehre zu einer dünnen Suppe allseitiger Toleranz, Nettigkeit und unverbindlicher Selbstbestimmung verwässert.

Der vorgebliche Eifer für Fernstehende legt den Verdacht eines Ablenkungsmanövers nahe, wenn die Kirche für die Kinder der Nahstehenden beim Erstkommunionunterricht, in der Firmkatechese und im schulischen Religionsunterricht die Glaubenslehre so billig macht, daß die meistens zu Fernstehenden werden.

‘Missionarisch Kirche sein’ bedeutet Anpassung der katholischen Lehre an den herrschenden Zeitgeist.

Nach einer von der deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Studie aus dem Jahre 2005 tummeln sich die Fernstehenden in mindestens sieben der insgesamt zehn gesellschaftlichen Milieus von Lebensstilen.

Milieusensible Anpassungspastoral
Diese Studie hat die Pastoraltheologen und Planungsstäbe in 17 der 22 bischöflichen Ordinariate beflügelt, die kirchliche Lehre noch weiter in eine „milieusensible“ Anpassungspastoral an die jeweiligen Lebensstile auszufransen.

Matthias Sellmann – Leiter des Projektes „Kirchliche und religiöse Orientierung in den Sinus-Milieus 2005“ – tingelt mit seiner Forderung durchs Land, die Kirche in Milieukirchen aufzuspalten: „Wir brauchen Jugendkirchen, Seniorenkirchen, Familienkirchen, Intellektuellenkirchen, Künstlerkirchen.“

Als Pilotprojekt für die Milieukirchen gelten die Jugendkirchen, für die Sellmann ebenfalls seit längerem die Trommel rührt.

Aufgemotzte Kirche
Mit Kampagnen wie „pimp my church“ – so Sellmann in einem Beitrag aus dem Jahre 2005 – sollen die sogenannt fernstehenden Jugendlichen in die Kirchen gelockt werden. Kirchenraum und Liturgie werden dabei so aufgemotzt, wie Zuhälter ihre Autos auftakeln.

Nach diesem Programm wurden auch die drei Jugendkirchen im Bistum Limburg zu Event- und Erlebnisschuppen umfunktioniert.

Die gelegentlichen Jugendgottesdienste sind bis zur Unkenntlichkeit in die vom Konsumwahn beherrschte Jugendkultur eingepaßt.

Der missionarische Erfolg von Jugendkirchen wird daran gemessen, ob Schüler an den letzten Schultagen vor den Ferien zur „Holiday Church“ kommen, um in der Jugendkirchen-Krypta unter Kunstpalmen meditativ zu chillen.

Noch ein Schuß Homo-Ideologie
Mit einer Trauerkirche und einem Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität sind inzwischen zwei weitere Schwerpunktkirchen in Frankfurt eingerichtet worden.

Auch eine Stadteilkirche mit dem Schwerpunkt Musik und Kultur könnte er sich vorstellen, erklärte der damals zuständige Bischof von Limburg, Mons. Franz Kamphaus (76), bei einer Firmvisitation im Jahre 2006.

In dieses Konzept der Milieu- oder Lebensweltkirchen paßt dann auch die Homosexuellengemeinde „schwul und katholisch“ hinein, die seit über fünfzehn Jahren in der Frankfurter Pfarrei Maria Hilf beheimatet ist.

Es ist klar, daß bei einer solchen Entwicklungsplanung das kirchenrechtlich gebotene Pfarreiprinzip schleichend aufgelöst wird, das von anderer Seite schon durch pastorale Räume unterminiert wurde.

Der neue Bischof von Limburg, Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst, war – noch als Münsteraner Weihbischof – einer der wenigen kirchlichen Vertreter, der vor einer unkritischen Bedienung der unterschiedlichen Milieus warnte. Erst recht dürfe die Kirche nicht die problematische Aufsplitterung in gesellschaftliche Milieus durch Anpassung oder pastorale Ausrichtung verstärken.

Im Gegenteil. Die Kirche sollte im kritischen Dialog mit Menschen verschiedener Lebenswelten aufzeigen, was das unterscheidend Christliche ist.

Unter dieser selbstgestellten Aufgabe wartet noch viel Arbeit auf den neuen Bischof von Limburg.