Weilburger Kreuzfest

Ein buntes Stahlgitter-Kunstwerk für fidéle Kreuzes-Fröhlichkeit    (31.08.2014)

Seit über 50 Jahren steht das jährliche Kreuzfest des Bistums Limburg jeweils unter einem ernsthaften Glaubenswort wie ‚Im Kreuz ist Heil’ oder: ‚Erlöst durch das Kreuz’. In diesem Jahr wird das zentrale Erlösungszeichen unseres Glaubens mit einem Spaß-Motto verquickt: ‚KreuzFidel’. Von Hubert Hecker.

Mehrfach haben wir vom Frankfurter Katholikenkreis gegen dieses lächerliche Kreuzfestmotto bei den verantwortlichen Organisatoren protestiert. Der Weilburger Bürgermeister Hans Peter Schick rechtfertigte sich so: Das Wort ‚fidél’ gehöre doch zum „Wortschatz der Bevölkerung“.  Sicherlich nennen die „fidelen Nassauer“ ihre ausgelassene oder aufgedrehte Stimmung in der Fastnachtszeit „quietschfidel“. Aber dieses Beispiel zeigt auch, wie unpassend dieses Wort aus dem Milieu der Ulk- und Spassgesellschaft für ein kirchliches Glaubensfest zum Gedächtnis an Christi Kreuz und Kreuzerhöhung ist.

Bezirksreferent Dr. Georg Poell schrieb uns, er könne unseren „Protest nicht nachvollziehen“. Das Kreuz Christi sei doch als „Symbol der Auferweckung ein Hoffungs- und Lebenszeichen“, das Kreuzfest solle daher zu einem „fröhlichen Fest des Glaubens“ werden.

Der promovierte Theologe Poell scheint hier die Kirchenjahr-Zeiten zu verwechseln, also die Zeit der Buß-Trauer und die der Freude: Das Kreuzfest verweist auf das Leiden und Sterben unseres Herrn am Kreuz – drei Tage vor der österlichen Auferstehung. Der Tag des Kreuzweges und der Kreuzigung ist eine Zeit der stillen Trauer, des Schmerzes und Mitleidens an der Passion Christi. Daher sind an diesem Tag sogar staatlicherseits alle fidélen Feste und Tanzveranstaltungen untersagt.

Jeder Messdiener weiß es intuitiv: ‚Fröhlichsein’ passt zu Weihnachten als dem Geburtsfest unseres Erlösers, aber nicht zu Karfreitag. Ausgelassen und fidél kann man an Fastnacht sein, aber nicht in der Buß- und Fastenzeit. Zum Auferstehungsfest gibt es das traditionelle Osterlachen über Tod und Teufel, aber nur für die, die am Karfreitag Christi Passion „für unsere Sünden“ mitgelitten haben.

Die Freude am Glauben ist nicht billig zu haben, denn wir sind von Christus am Kreuz „teuer erkauft“, wie Paulus im 1. Korintherbrief zweimal betont: Es gibt eine Zeit der Trauer und eine Zeit der Freude, so der Apostel weiter. Jedenfalls passen zu Passion und Kreuz Christi, zu Kreuzerhöhung und Kreuzverehrung keine ausgelassene Fröhlichkeit und ganz bestimmt nicht die ‚fidele’ Lustigkeit der Spaßgesellschaft.

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Monty Python: Kreuzfidel!

„Always look at the Bright Side of Life“

 

 

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Mathias Grünewald: Kreuzfidel?

 

 

 

 

 
 

 

 




 

 

 

 

 

 

 


In dem antichristlichen Spottfilm auf Jesus Christus - ein “Kultfilm” der modernen Spaßgesellschaft - Monty Pythons ‘Das Leben des Brians’, heißt es in dem lustig-fidélen Programm-Song der Film-Gekreuzigten: „Das Leben ist ein Lacher, der Tod ein Witz. Vergiss die Sünden zu bezahlen, schenk dem Publikum dein Strahlen. Du wirst sehen: Alles ist nur Show. Pfeif’ ein Liedchen, mach’ das Publikum froh“. Und dann der Refrain als  Motto dieser Kreuz- und Christen-Spötter: “Schau immer nur auf die Sonnen-Seiten des Lebens!“

Dr. Poell nimmt für seine Interpretation des Kreuzes als fidéles Zeichen der Auferstehung auch Papst Franziskus in Anspruch. Er schreibt: Das Kreuzfest sei ein „fröhliche Glaubensfest im Geiste des Aufrufs von Papst Franziskus: Evangelii Gaudium!“ Aber der Papst weiß die freudenreichen Zeiten der Heilgeschichte (Geburt, Auferstehung und Himmelfahrt unseres Erlösers) von der Passionszeit (via dolorosa und Kreuzigung Christi auf Golgatha) zu unterscheiden: Bei dem diesjährigen Kreuzweg am römischen Kolosseum betete der Papst: „Wir beten dich an, Herr Jesus, und rühmen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst. O Gott, in der Passion Christi, unseres Herrn, hast du uns befreit vom Tod, dem Erbe der Ursünde. Erneuere uns nach dem Bild deines Sohnes….“ Anschließend sang die Schola das uralte Kreuzverehrungslied: ‚Pange, lingua, gloriosi…’

Solche Worte und Gebete der klassisch-kirchlichen Kreuzestheologie wird man beim Kreuzfest in Weilburg kaum vernehmen. Auch das von dem Nassauer Germanisten Josef Kehrein aus dem Lateinischen ins Deutsche übertragene Kreuzerhöhungslied (GL 773) geht mit dem geplanten Kreuzfestprogramm nicht konform. So was passt ja nun wirklich nicht zu der für Weilburg angekündigten fidélen Fröhlichkeit: „Sieh, wie Christus siegt am Kreuze und vergießt sein kostbar Blut; wie er hingibt sich dem Leiden und erduldet Spott und Wut; schau, o Mensch, wie hier sich opfert unser Herr, das höchste Gut.“

Bei früheren Kreuzfesten stand die Verehrung der Kreuzreliquie im Mittelpunkt. Das ist ein Holzsplitter aus dem „wahren Kreuz“ Christi, das die aus Trier stammende hl. Helena im Jahre 333 n. Chr. in Jerusalem gefunden hatte. Seit 1827 wird diese Reliquie im Bistum Limburg von den Gläubigen verehrt, indem sie über das sinnliche Erinnerungszeichen den betrachten und anbeten, der am Kreuz sein Leben hingab für der Menschen Erlösung von Sünde und Tod: Jesus Christus. Früher kamen die Gläubigen beim Kreuzfest in großer Zahl zu Gebet, Meditation und Betrachtung vor der Kreuzreliquie zusammen, den ganzen Kreuzfesttag über hielten Abordnungen der kirchlichen Vereine mit ihren Fahnen Ehrenwache vor der ausgestellten Reliquie.

In Weilburg ist die Verehrung der Kreuz-Sakramentalie vollständig an den Rand der fröhlichen Festtage verdrängt, wie sich aus den offiziellen Verlautbarungen ergibt. Stattdessen steht nach der Sonntagsmorgenmesse ein fidéles Stadtfestprogramm im Vordergrund unter dem Motto: „fideln, singen, hören“. Kein einziger Vortrag der sieben (!) Vorbereitungsveranstaltungen klärt die Katholiken über Herkunft, Form und Sinn der Kreuzreliquien-Verehrung auf, keiner der Bistumstheologen vermittelt den Gläubigen die biblisch fundierte Kreuzestheologie der Kirche. Die Kreuzfeier um 16 Uhr im Renaissancehof, bei der eigentlich die Verehrung der Kreuzreliquie im Mittelpunkt stehen sollte, wird unter „deutlich ökumenischem Akzent unter Mitwirkung der evangelischen Dekanate“ stehen – so eine Bistums-Meldung. Für die Protestanten ist die katholische Reliquien-Praxis bekanntlich ein abgöttischer Gräuel. Ihre Zusage für so eine Veranstaltung kann nur damit erkauft werden, indem die katholische Seite ihre Sakramentalien-Theologie zu der Verehrung von Reliquien aufgibt.

Diese Marginalisierung der Kreuz-Verehrung – und damit des Kreuzes Christi - sowie die Verdrängung der Kreuzestheologie auf dem Weilburger Kreuzfest muss auch als ein Symptom der nach-konziliaren Theologie in Deutschland eingeordnet werden. Seit Jahrzehnten verbiegt und entleert die akademische Theologie die biblisch fundierte kirchliche Lehre von Christi Sühnetod am Kreuz. Inzwischen glauben auch Bischöfe und manche Priester nicht mehr daran, dass Jesus Christus „durch sein heiliges Kreuz die Welt erlöst hat“, wie Papst Franziskus beim römischen Kreuzweg kürzlich  betete. Erzbischof Robert Zollitsch erklärte vor einigen Jahren als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz ganz offiziell die katholische Kreuzes- und Sühne-Theologie für obsolet: Leiden, Kreuz und Tod Jesu seien nur Solidaritätsakte Christi gewesen, sonst nichts. Gott habe sich in Christus mit den leidenden Menschen solidarisch zeigen wollen. Somit hätten Passion und Kreuz Christi keine Erlösungswirkung und keine Heilsbedeutung, sondern nur noch Vorbildcharakter. Glauben solche Bischöfe und Priester noch an die zentralen Erlösungsworte in der hl. Messe? Oder beten sie Makulatur, wenn sie sprechen: „… mein Blut, vergossen zur Vergebung der Sünden“ (Wandlung) oder: „Du nimmst hinweg die Sünde der Welt“ (Agnus Dei)?

Wenn die Verbiegung der klassisch-biblischen Kreuz- und Erlösungstheologie zu einer innerweltlichen Solidar-Aktion von Seiten der Bischöfe geduldet oder sogar selbst praktiziert wird, dann bleiben solche Verflachungen wie die fidéle Fröhlichkeit am Weilburger Kreuzfest nicht aus. Das Kreuz selbst wird umgedeutet: nicht mehr als Inbegriff von Christi Erlösungswerk für die Menschen, sondern als Anlass und Symbol für ein buntes, fröhliches Stadtfest von Katholiken, Protestanten, Freikirchlern und auch muslimischen Türken.

Für dieses Konzept hat man nun auch - neben dem fidélen Wort-Motto  - ein neues Real-Symbol geschaffen: ein 2,60 Meter hohes Baustahlgerüst mit bunten Glas- und Spiegelscheiben.  Dabei gilt die Kreuzform von diesem Kunstwerk als etwas Beiläufiges, jedenfalls ohne Sinn-Bezug zum Kreuz Christi, wie sich aus den Interpretationen des Künstlers Andreas Otto ergibt: Der rostende Stahl sei ein Zeichen der „Vergänglichkeit“. Im „Netzwerk der Stahlmaschen“ dürften sich die Menschen „aufgefangen fühlen“. Die unterschiedlichen Scheiben aus Buntglas „können als Zeichen der je eigenen Individualität gedeutet werden“. Die Spiegel-Platten ermöglichten dem Betrachter, „sich selbst als Teil des Ganzen zu begreifen“. Die Stahlgitter könnten auch als „Netzwerkverbindung zwischen den Menschen“ interpretiert werden. Das Fidél-Kreuz werde so zu einem „Hoffnungssymbol mit Strahlkraft“ – so Andreas Otto. Offensichtlich sind damit nur innerweltliche Hoffnungen gemeint oder soziale Strahlkraft. Allenfalls kann man von einer zivil-religiösen Überhöhung sprechen. Zum Schluss gibt es auch noch eine abenteuerliche jesuanische Deutung: Die eisenharten Baustahlmatten könnten auch als „Netz Jesu und seiner Jünger als Menschenfischer“ gesehen werden oder als „Netz, das Menschen auffängt, wenn sie fallen“. Der Künstler scheint jedenfalls nicht vom Kreuz Christi inspiriert zu sein und hat in diesem Sinne auch nichts anzubieten. Alle seine Deutungen würden auch auf die Form eines Gitterblocks zutreffen, die Kreuzform wäre demnach Nebensache. 

Gleichwohl sind die kirchlich Verantwortlichen für das Kreuzfest begeistert von diesem bunten Fidél-Kunstwerk. Es passt ja auch gut zu dem Konzept eines bunten, fidélen Stadtfestes mit ökumenischer und (inter-)kultureller Vielfalt.  

Was sagt eigentlich die derzeitige Bistumsleitung zu diesem Fest, das immer weiter vom Kreuz Christi weggerückt wird? Ein Ordinariatsmitarbeiter ließ verlauten, man habe mit der Planung nichts zu tun, das sei ausschließlich Sache des Bezirks. Das klingt wie eine halbe Distanzierung, ist aber eine unzulässige Heraushaltung. Denn das Fest Kreuz-Erhöhung am 14. September ist ein gesamtkirchlicher Feiertag mit eindeutigen geistlichen und liturgischen Festlegungen und das Diözesan-Kreuzfest ist seit über 60 Jahren ein Limburger Bistumsfest.

Es ist allerdings einräumen, dass bei der Veröffentlichung von Programm und Motto des Kreuzfestes im Februar dieses Jahres der damalige Bistumsleiter, Generalvikar Wolfgang Rösch, vollständig mit anderen Aufgaben in Beschlag genommen war. Man sollte aber erwarten dürfen, dass der jetzige Apostolische Administrator der Diözese, Weihbischof Manfred Grothe, bei seiner Predigt am Fest Kreuzerhöhung im Weilburger Schlosshof mit der Entfaltung der katholischen Kreuzestheologie eine Korrektur gegen das unsägliche Kreuzfestmotto setzen wird.