Deutsche Bischöfe mit Zölibatsdiskussion auf Abwegen August 2010


Auf der Versammlung des Diözesanbezirks Limburg am 10. Juni haben die Synodalen einen offenen Brief gegen den Zölibat in der römisch-katholischen Kirche verabschiedet.
Besonders frech ist die Befehlsausgabe an den Bischof von Limburg, daß der sich gegen den Zölibat bei der römischen Kurie einsetzen müsste.  

Mit der Einbeziehung der kirchenfeindliche Regionalzeitung ‚Frankfurter Neue Presse’ sollte die Pression auf Bischof und Papst verschärft werden.

Unter der Schlagzeile: „Frauen und Verheiratete als Priester“ hämmert die Bezirksversammlungsvorsitzende dem Bischof ein, daß die Forderungen zur Abschaffung des Zölibats und zum Frauenpriestertum ein „klarer Auftrag der Gemeindemitglieder“ wäre.

Dieser theologisch sehr laienhafte Affront gegen Papst und Kirche würde nicht der Beachtung wert sein, wenn er nicht von ähnlichen Anwürfen aus bischöflichen Interviews ermutigt worden wäre.

Nachdem die Systemmedien mit der Skandalisierung der wenigen Mißbrauchsfälle die Kirche öffentlich in Mißkredit gebracht hatten, nutzten einige deutsche Bischöfe die aufgewühlte Atmosphäre, um gezielt eine neue Diskussion zu Zölibat und Frauenpriestertum medienwirksam zu inszenieren.

Mit der bedauernden Feststellung: ‚Darüber kann allerdings nur ein Konzil entscheiden’ oder ‚Das ist Sache von Papst und Weltkirche’ deuten die Strippenzieher der deutschen Bischofskonferenz ihre Strategie an:

Da die Aufhebung des Zölibats oder gar die Weihe von Diakoninnen von Seiten des Papstes und der Weltkirche völlig ausgeschlossen sind, streben Bischöfe des deutschen Sprachraums eine Ausnahme- oder Sonderregelung in diesen Fragen an.

Diese Strategie des nationalkirchlichen deutschen Sonderwegs haben sie bereits seit 40 Jahren praktiziert – mit der Königsteiner Erklärung, den extremistischen Beschlüssen der Würzburger Synode, in der deutschen Wildwuchsliturgie, in der Kirchensteuerfrage und anderen kirchlichen Bereichen.

Die Forderung nach verheirateten Priestern und Frauenpriestertum hat allerdings eine ungleich tiefergehende Dimension, die an den Fundamenten der katholischen Kirche rüttelt.

Die neue mutwillige Zölibatsdiskussion von einigen Bischöfen trägt deshalb den Bazillus einer nationalkirchlichen Abspaltung von der Weltkirche in sich.

Schon vor 200 Jahren - in der Zeit der großen Kirchenkrise durch die Aufklärung – hatten deutsche Bischöfe schon einmal diese nationalkirchliche Abspaltungsstrategie im Sinn.

Auf dem Bad Emser Kongress im Jahre 1786 betonten die deutschen Erzbischöfe die Unabhängigkeit der bischöflichen Hirtengewalt gegenüber der päpstlichen

Nach dem Grundsatz, daß jeder Ortsbischof seine Gewalt ebenso unmittelbar von Gott erhalten hätte wie der Papst die seinige, lehnte die deutschen Metropolitanbischöfe jegliche Vorschriften des Papstes für ihre Diözesen ab.

Falls der Papst die Beschlüsse der „Emser Punktation“ nicht genehmigen würde, drohten die Bischöfe mit einem allgemeinen deutschen Nationalkonzil, das die deutsch-kirchlichen Interessen durchpauken sollte.

Daß die Erzbischöfe mit ihren deutsch-kirchlichen Bestrebungen scheiterten, hielt andere Kirchenleute und Bischöfe nicht davon ab, weiterhin die nationalkirchliche Karte zu spielen.

1818 forderte eine ‚Räubersynode’ von einem Dutzend Pfarrern aus dem Westerwald eine „liberale Kirchenverfassung“ für das zu errichtende Bistum Limburg.

Aus allen Rechts- und Kultusangelegenheiten sollte die päpstliche Kurie herausgehalten werden, stattdessen eine Diözesansynode die wichtigen Entscheidungen fällen.

In diese nationalkirchliche Abspaltungsstrategie paßte dann auch der Vorschlag der altliberalen Pfarrer, „das wegen seiner Unbedingtheit zu harte und unausführbar sich zeigende Eheverbot der Geistlichen“ abzuschaffen.

Solche liberalen und nationalkirchlichen Tendenzen waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum bis in bischöfliche Kreise verbreitet.

Aber die Bewegung der altgläubigen und papsttreuen – „ultramontanen“ – Katholiken wurde immer stärker.

1842 setzte der Papst in Limburg den ultramontanen Bekennerbischof Peter Josef Blum ein.

Unter seiner 40jährigen segensreichen Hirtenleitung fanden Kleriker und Gläubige zu katholischer Glaubensstärke und Papsttreue zurück.