Zu den F.A.Z.-Interviews des Stadtdiözesanrates der Stadt Frankfurt am Main- sowie des Diözesansynodalrates  des Bistums Limburg am 27. und 28. August 2013veröffentlichte Herr Stadtrat a. D. Bernhard Mihm nachfolgenden „Offenen Brief“ an die Vorsitzenden     (Paderborn, den 3.9.2013)

                                                                                                    

Sehr verehrte  Frau Dr. Weiland, sehr geehrter Herr Hefter!

 

Seit über zwölf Jahren lebe ich nun in Paderborn. Ich war aber vorher lange Diözesane des Bistums Limburg; meine politischen Funktionen in Frankfurt a. M.  zwischen 1968 und 2001 werden Ihnen in Erinnerung sein. Deshalb bewegt mich, was derzeit im Bistum Limburg vor sich geht. Ich bin Katholik und habe mich zeitlebens, zum Teil auch in Führungsverantwortung in katholischen Verbänden und Institutionen engagiert. Ich liebe unsere Kirche – auch in ihrem Eigenstand – und nahm „sentire cum ecclesia“ stets als positive Herausforderung an. So bitte ich Sie um verständnisvolle Aufnahme meiner Einmischung. Ich habe mich in der vorliegenden Causa bereits eingemischt durch einen Leserbrief in der F.A.Z.

Zu Daniel Deckers unsäglichem Artikel über ihren Bischof und durch einen Kommentar zu Volker Zastrows Kolportageversuch in der F.A.Z., den der Arbeitskreis von Katholiken im Raum Frankfurt/Main“ im Internet verbreitet hat.

 

Indem ich die vieldiskutierten Bau- und Reisekosten nur als randständige Anlasspunkte würdige, stimme ich Ihnen, sehr verehrte Frau Dr. Weiland, zu, wenn Sie als Kern der Probleme in Ihrem Interview folgendes kennzeichnen: „Im Bistum gibt es – quer durch alle Ebenen- eine unterschiedliche Vorstellung von Kirche, ohne dass darüber offen gesprochen wird“.  Ich  will dieses offene Wort führen und behaupte, dass in den letzten Jahrzehnten ein alternatives Kirchenbild verbreitet worden ist, das mit dem seit zwei Jahrtausenden gewachsenen katholischen Verständnis nichts mehr zu tun hat.

 

Erstens ist die Rezeption des II. Vatikanums in den deutschsprachigen Ländern überhaupt und meinem erfahrungsgesättigten Eindruck im Bistum Limburg besonders intensiv von Ideen der 68- er Kulturrevolution überlagert worden. Das hat zur Folge, dass diese Rezeption von einer Hermeneutik der Diskontinuität und von einem kirchenfernen, rein gesellschaftswissenschaftlich und gesellschaftspolitisch angelegten Egalitarismus geprägt worden ist.

Zweitens wird unter ökumenischer Arbeit eine Bereitschaft zu fast grenzenlosen Vorleistungen der katholischen Seite  verstanden. Ich empfehle eine Relekture des Interviews, das Stadtdekan zu Eltz gemeinsam mit Pröpstin Scherle am 15. November 2010 der F.A.Z gegeben hat. Dort finden sich deutliche Spuren von beidem.

 

Wie das Peter Lückemeier von heute konstatiert hat, bestimmt ein antirömischer Komplex den speziellen Limburger Katholizismus. Katholisch ohne Rom: das ist in der Geschichte noch nie gut gegangen!

 

So sehr der emeritierte Bischof Dr. Franz Kamphaus Distanz zu „Frau Welt“, wie Hugo von Hofmannsthal auf die Bühne brachte, lebte und demonstrierte, so augenfällig war in seltsamer Synchronität die damalige Verbreitung verweltlichen Kirchendenkens gerade in seiner Diözese. Ich bin dafür wahrlich Zeitzeuge! Folgen waren und sind geschwundener Sinn für das Heilige, Klerikalisierung der Laien (gerade jüngst von Papst Franziskus scharf verurteilt!) und Verweltlichung des Klerus.

 

Ein Beispiel war die Aufregung um das Diktum des Bischofs, „Seelsorger“ seien eigentlich nur die Priester. Diese Aufregung war Ausfluss der dem gesellschaftlichen Egalitarismus  geschuldeten Blindheit für Wesen und Bedeutung der Weihe und entschprach einer rein funktionalen Sicht der Dinge. Das „schreit“ geradezu danach, durch „Entweltlichung“ im Sinne der Freiburger Rede Benedikts XVI korrigiert zu werden.

 

Wenn der Bischof solche Korrekturen angeht, tut er nur seine selbstverständliche Pflicht . Um den Bischof zu verstehen, bedarf es sicher jenes geistlichen Prozesses, den Sie, sehr verehrte Frau Dr. Weiland, angemahnt haben.

 

Zu einer besonderen Reaktion veranlasst mich der Vorhalt, den Sie, sehr verehrter Herr Hefter, dem Bischof gemacht haben, er läge „zu großen Wert“ auf „übertriebene“ liturgische Formen, die vielen Gläubigen fremd“ seien. An solchem Fremdeln trägt nun aber gewiß nicht der Bischof schuld, wenn er katholische Liturgie in aller Feierlichkeit und Vollständigkeit zelebriert. Verantwortung ist jenen zuzuweisen, die entweder „ars celebrandi“ nicht beherrschen oder Liturgie vorsätzlich banalisiert haben. Schuldig sind jene, die aus der Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers und der Herabkunft des Gottmenschen Jesus Christus auf den Altar eine pure Gemeinschaftsfeier gemacht haben, oft genug eine sozialpsychische Wellnessveranstaltung mit einem verniedlichten Gottes- und verkumpelten Jesusbild. Kathedralkirchen waren schon immer Orte besonders feierlich vollzogener Kultformen. Und das ist gut so, weil stilbildend bis hin in die armseligste Notkirche.

 

Da ich auf von Ihnen öffentlich gemachte Aussagen antworte, ist dies ein „Offener Brief“, den ich vom „Arbeitskreis von Katholiken im Raum Frankfurt am Main“ ins Internet stellen lasse. Eine Ausfertigung erhält selbstverständlich der Bischof unmittelbar.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

gez.  B e r n h a r d   M i h m